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Bildnis eines jungen Mannes

Ident. Nr.: 791E

ObjID: obj:869170

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Gerard ter Borch (der Jüngere) (1617 - 1681),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1665 - 1670
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis eines jungen Mannes
Übersetzung: Portait of a young man
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Delft,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 73 x 58 cm
Erwerbung
1876 Ankauf vom Kunsthändler Stephan Bourgeois, Köln

Objektbeschreibung

Nach seinem Umzug nach Deventer 1654 wandte sich ter Borch wieder vermehrt der Porträtmalerei zu. Insbesondere in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts nahm die Nachfrage nach Porträts des wohlhabenden Bürgertums in den nördlichen Niederlanden beständig zu. Sehr beliebt waren seine kleinen, ganzfigurigen Porträts, von denen er mit großer Liebe zum Detail zahlreiche Stücke schuf. Auch das kleine Berliner Bild zählt in diese Kategorie. Es zeigt einen unbekannten Mann mittleren Alters, der schlicht in Schwarz gekleidet ist und neben einem Tisch mit großem Folianten präsentiert wird. Ter Borch schuf zahlreiche schlichte, schnörkellose Bildnisse dieser Art.

Vermutlich wurde das Gemälde im Mai 1945 im Leitturm des Flakbunkers im Berliner Friedrichshain vernichtet.
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Most likely destroyed in May 1945 in the control tower of the flak tower in Berlin Friedrichshain.

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.