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Venus und Amor

Ident. Nr.: 594

ObjID: obj:869233

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lucas Cranach (der Ältere) (1472-1553),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1530
Weitere Titel
Sammlungstitel: Venus und Amor
Übersetzung: Venus and Cupid
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Bildmaß: 166,9 x 61,4 cm

Objektbeschreibung

Venus steht auf einem schmalen, steinigen Bodenstreifen vor einförmig schwarzem Hintergrund. Die Göttin der Schönheit und der Liebe wendet sich mit einer leichten Drehung des Oberkörpers dem Betrachter zu, den sie eindringlich mustert. Mit der linken Hand hat sie den durchsichtigen Schleier ergriffen, der in elegantem Schwung vom Haar über Schulter und Hüfte herabwallt. Die rechte Hand ruht auf dem Oberschenkel, während die Finger den Saum des Schleiers berühren. Es bleibt dem Betrachter überlassen, zu entscheiden, ob die Göttin das zarte Tuch schamhaft an den Körper preßt oder bereit ist, sich weiter zu enthüllen. Die direkte Blickwendung und die zu einem rätselhaften Lächeln gebogenen Mundwinkel lassen eher letzteres vermuten. Ohnedies verhüllt der Schleier nur andeutungsweise die unverhohlen zur Schau gestellte Nacktheit, die durch den kostbaren Schmuck, das Armband, die Fingerringe, die Halsketten, und das zu Locken gedrehte Haar zusätzlich betont wird. In der Tat erinnert die Göttin der Liebe an eine entkleidete Dame der kursächsischen Hofgesellschaft. Links neben Venus steht ihr Sohn Amor in tänzerischer Bewegung auf einem niedrigen Postament. Er hält den Bogen in der Linken, während er den Pfeil mit der Rechten bedeutungsvoll in die Höhe hebt. Die Darstellung von Venus und Amor legitimiert sich aus der Tradition astrologischer, literarischer und antikisch-humanistischer Spekulationen. Seine humanistische Bildung hatte Cranach während des Aufenthaltes in Wien zwischen 1501 und 1504 erworben. Manche Anregung erhielt er von dem aus Venedig stammenden Jacopo de’Barbari, seinem Vorgänger als Maler am Hofe Friedrichs III. von Sachsen. Cranach selbst stand seit 1504 in den Diensten des Kurfürsten. Aus dem Jahre 1509 stammt ein Gemälde in der Eremitage zu St. Petersburg, das zu den frühesten Venus- und Amordarstellungen nördlich der Alpen gehört. Der Künstler, der die lateinische Sprache fließend beherrschte, hat auf dem Bild die folgende Inschrift angebracht: »PELLE CVPIDINEOS TOTO CONAMINE LVXVS NE TVA POSSIDEAT PECTORA CECA VENVS« (Vertreibe mit allen Kräften die Fleischeslüste, damit nicht Venus dich beherrsche und blind mache). Venus ermahnt also den Betrachter, mit der Macht des Eros vorsichtig umzugehen und seinen Trieben nicht nachzugeben. Das Berliner Bild zeigt die beiden Figuren in ähnlicher, wenn auch leicht veränderter Haltung. Venus, die im St. Petersburger Bild Amor hindert, seine Pfeile abzuschießen, verhält sich hier eher passiv. Amors drohende Bewegung mit dem gespannten Bogen und dem aufgelegten Pfeil ist so umgedeutet, daß er die verletzende Waffe nurmehr warnend emporhält. Darüber hinaus gewinnt die Gestalt der Venus durch ihre eigentümliche Schreitstellung und den erhobenen Kopf neues Eigengewicht. In ruhiger Gelassenheit stellt sie sich dem Betrachter zur Schau. Die spezifische Aussage wird weniger durch lebhafte Gebärden als vielmehr zeichenhaft veranschaulicht. Die Doppeldeutigkeit des Bildes, das einerseits als Allegorie mit moralischem Anspruch und einer deutlichen Mahnung an den Betrachter auftritt, andererseits jedoch die Sinne anspricht und einer öffent lichen Vorführung des Sinnlichen und Erotischen gleichkommt, ist schwerlich zu übersehen. Dieser Dualismus kennzeichnet auch das von Cranach mehrfach gestaltete Thema von Venus und Amor als Honigdieb. Der wegen seiner Gier nach süßem Honig von Bienen zerstochene Knabe ist warnendes Beispiel dafür, daß der kurze Augenblick der Lust mit tiefem Schmerz erkauft ist (Kat.Nr. 1190). Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links, unten am Rand in Schwarz mit dem Schlagenzeichen
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Venus stands on a narrow, stony strip of ground before a uniformly black background. The goddess of beauty and love has turned her upper body slightly to scrutinise the viewer intensely. With her left hand, she is grasping the transparent veil, which falls elegantly from her hair over her shoulders and hips. Her right hand is resting on her thigh while her fingers touch the edge of the veil. It is for the viewer to decide whether the goddess is pressing the delicate piece of fabric coyly against her body
or whether she is prepared to reveal more of herself. Her direct gaze and the corners of her mouth curving upwards slightly into a mysterious smile tend to suggest the latter. Otherwise, the veil would only appear to conceal this display of nakedness, which is additionally accentuated by the precious jewellery – the bracelet, the rings and the necklaces – and the curled hair. In fact, the goddess of love looks more like a disrobed lady of the Saxon electoral court. On the left next to Venus stands her son Cupid in a dance-like pose on a low pedestal. He is holding his bow in his left hand, while raising the arrow purposefully with his right.

The depiction of Venus und Cupid draws its legitimacy from the tradition of astrological, literary and classical humanist speculation. Cranach received a humanist education during his time in Vienna between 1501 and 1504, while the Venetian Jacopo de’ Barbari, his predecessor at the Court of Frederick III of Saxony, was a source of inspiration. Cranach himself was in the service of the elector from 1504 onwards. A painting in the Hermitage in Saint Petersburg that he created in 1509 is among the earliest depictions of Venus and Cupid north of the Alps. The artist, who was fluent in Latin, inscribed the picture as follows: “PELLE CVPIDINEOS TOTO CONAMINE LVXVS NE TVA POSSIDEAT PECTORA CECAVENVS” (Use all your strength to drive out carnal lust so that Venus does not rule you and make you blind). Venus is thus warning the viewer to be cautious of the power of Eros and not to succumb to desire.

The Berlin painting shows the two figures in a similar, but slightly altered pose. In the Saint Petersburg version, Venus is preventing Cupid from shooting his arrow; here she is more passive. Cupid’s threatening gesture with the taut bow and carefully placed arrow is here interpreted more as a warning than as an intention to actually use the harmful weapon. In addition, the figure of Venus gains additional weight with her striking striding attitude and raised head. She shows herself to the viewer
with a serene composure. The real message of the scene, however, lies not so much in the vivid gestures as in the symbolism. The picture has a double meaning: on the one hand, it is an allegory with a moral message communicated clearly as a warning to the viewer; on the other hand, its sensual appeal, tantamount to a demonstration of the sensual and the erotic, is unmistakable. This dualism also characterises the theme of Venus and Cupid as a honey thief, which Cranach used in several works.
The young man who has been stung trying to satisfy his greed for the bees’ sweet honey is a warning of how a brief moment of lust is bought at the price of deep pain. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)