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Clarissa Strozzi im Alter von zwei Jahren

Ident. Nr.: 160A

ObjID: obj:869327

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Tizian (1488/90 - 1576),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1542
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Clarissa Strozzi im Alter von zwei Jahren
Übersetzung: Clarissa Strozzi at the Age of Two
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Venedig,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 121,7 x 104,6 cm
Erwerbung
1878 Ankauf aus der Sammlung Principe Ferdinando Strozzi, Palazzo Strozzi, Florenz

Objektbeschreibung

Das Bildnis der zweijährigen Clarissa Strozzi entstand in Venedig im Jahre 1542, wie die Inschrift im Bild auf der oben links an der Wand angebrachten Tafel ausweist. Es ist eines der wenigen reinen Kinderporträts in Tizians Oeuvre und eines der frühesten autonomen Kinderporträts in der italienischen Malerei, zusammen mit den etwa gleichzeitig entstandenen Porträts der Medici-Kinder von Bronzino. Clarissa Strozzi (1540-1581) war die älteste Tochter von Roberto Strozzi und Magdalena de’ Medici aus Florenz und erhielt ihren Namen vermutlich nach ihrer Großmutter Clarissa de’ Medici. Sie wurde in Venedig geboren, wo sich ihre Eltern von 1536 bis 1542 im Exil befanden. Pietro Aretino, der Schriftsteller und Freund Tizians, bewunderte in einem Brief an den Maler vom 6. Juli 1542 die Schönheit und Naturwahrheit des eben fertiggestellten Bildnisses. Das Mädchen steht an einem Steintisch, dessen Sockel ein antikisierendes Marmorrelief tanzender Putten zeigt, und füttert sein Hündchen mit einer Brezel. Es trägt ein langes seidenes Kleid, von einem Gürtel hängt an einer fast bis zu den Füßen reichenden Kette ein Duftdöschen, ein sogenannter Bisam apfel, herab. Eine Fensteröffnung rechts oben, oberhalb des Steintisches, gibt den Blick frei auf eine ferne Parklandschaft mit zwei Schwänen an einem Wasser. Die Gebirgszüge über dem Horizont hat Tizian offenbar nachträglich übermalt und dem blauen Himmel zugeschlagen. Sind die größten Helligkeitswerte in der Bildmitte, in der Gestalt des Kindes, in den Fleischtönen und dem seidenen Gewand konzentriert, so stellt die weinrote Draperie, die rechts am Rand des Steintisches herabhängt, den stärksten Farbakzent dar, der mit dem Dunkelgrün der Landschaft und dem Blau des Himmels einen zurückhaltenden farbigen Dreiklang in der rechten Bildhälfte bildet. Die linke Bildhälfte ist dagegen ohne farbigen Akzent und liegt weitgehend im Dunkel, das nur von der Inschrifttafel oben links unterbrochen wird, die das Gegengewicht zum Puttenrelief unten rechts bildet. Die an der senkrechten Mittelachse orientierte, posierende Mädchengestalt, deren Blick am Betrachter vorbei in die Ferne geht, strahlt kühles Selbstbewußtsein aus. Der untere Rand der Fensteröffnung bzw. die Steintischplatte markieren die Querachse. Im Koordinatensystem der Achsen wächst der scheinbar ungezwungen spielerischen Haltung des Kindes Standfestigkeit und Würde zu. Noch im gleichen Jahr, als das Bild fertig war, mußte die Familie Strozzi die Republik Venedig verlassen, der sie durch die enge Verbindung mit dem französischen Hof unbequem war. Spätestens 1544 ließ sie sich in Rom nieder, wo Clarissa 1557 mit Cristofano Savelli vermählt wurde. Nach ihrem Tod blieb das Bild im Familienpalast in Rom. 1641 war es in einer der jährlichen Kunstausstellungen in der Vorhalle von S. Giovanni Decollato zu sehen. 1770 wurde es von Domenico Cunego gestochen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte man das Bild aus Rom in den Palazzo Strozzi in Florenz, aus dem Wilhelm Bode es 1878 für die Berliner Galerie erwarb. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Vorderkannte der Steinplatte des Tisches rechts: TITIANVS. F Auf einer links oben an der Wand angebrachten Tafel: ANNOR. II. MDXLII
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As indicated by the inscription on the plaque that is depicted on the wall on the upper left, this picture of the two-year-old Clarissa Strozzi was executed in Venice in the year 1542. It is one of the few portraits of children in Titian’s oeuvre, and – together with Bronzino’s roughly contemporary portraits of the Medici children – one of the earliest autonomous children’s portraits in Italian painting.

Clarissa Strozzi (1540–81) was the eldest daughter of Roberto Strozzi and Magdalena de’ Medici, both natives of Florence, and presumably received her name from her grandmother Clarissa de’ Medici. She was born in Venice, where her parents lived in exile from 1536 until 1542. In a letter addressed to the painter and dated July 6, 1542, the writer Pietro Aretino, who was a friend of Titian’s, expresses admiration for the beauty and truth to nature of the recently completed portrait.

The little girl stands at a stone table whose base displays antique-style marble reliefs of dancing putti, feeding her little dog with a pretzel. She wears a long silk dress; hanging from her belt from a chain that reaches almost all the way down to her feet is a fragrance box, a so-called apple of amber. A window opens on the upper right, above the stone table, offering a view onto a distant park landscape where a pair of swans glides along the water’s surface. Evidently, Titian subsequently painted over a mountain range that appeared above the horizon, adding the blue sky. While the brightest values are concentrated at the centre of the picture, in the figure of the child, in the flesh tones and the silken garment, the wine-red draperies that hang down from the right at the edge of the stone table represent the strongest colour accent, forming a restrained chromatic triad on the right-hand side of the picture together with the dark green of the landscape and the blue of the sky. In contrast, the left-hand side of the picture is devoid of colouristic accents, and lies for the most part in a darkness that is interrupted only by the plaque with inscription on the upper left, which forms a counterweight to the relief of the putti on the lower right. The figure of the girl, her pose oriented along the vertical central axis, her gaze gliding past that of the beholder and into the distance, radiates cool self-confidence. Marking the transverse axis is the lower edge of the window opening and the stone tabletop. Within the axial system of coordinates, the child’s seemingly casual, playful attitude acquires a certain steadfastedness and dignity.

In the same year the present picture was completed, the Strozzi family was obliged to leave the Republic of Venice, which had become uncomfortable by virtue of their close relations to the French court. At the latest in 1544, they took up residence in Rome, where Clarissa married Cristofano Savelli in 1557. After her death, the picture remained in the family’s Roman palace. In 1641, it was shown at one of the annual art exhibitions held in the vestibule of San Giovanni Decollato. In 1770, it was engraved by Domenico Cunego. In the early 19th century, it was transferred from Rome to the Palazzo Strozzi in Florence, where Wilhelm Bode purchased it in 1878 for the Berlin gallery. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 02.10.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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