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Johannes der Täufer in der Einöde

Ident. Nr.: 1631

ObjID: obj:869372

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Geertgen tot Sint Jans (um 1460 - um 1495),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1480/90
Weitere Titel
Sammlungstitel: Johannes der Täufer in der Einöde
Übersetzung: John the Baptist in the Wilderness
Geografische Bezüge
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 41,5 x 27,9 cm
Erwerbung
1902 Ankauf aus der Sammlung Percy Macquoid, Crowood, Ramsbury

Objektbeschreibung

Nach Aelbert van Ouwater begegnet uns mit Geertgen tot Sint Jans erneut ein Künstler, der die Entwicklung der Malerei in den nördlichen Niederlanden maßgeblich geprägt hat. Der Name Geertgen tot Sint Jans weist auf die enge Beziehung zu den Johanniter-Rittern hin, für die er manches Kunstwerk geschaffen hat. Vermutlich diente die Darstellung des Schutzpatrons der Johanniter einst einem der Haarlemer Ordensritter zu frommer Andacht. Wir sehen den Heiligen, der sich im Wald auf einer grasbewachsenen Felsbank niedergelassen hat. Sinnend stützt er den Kopf in die rechte Hand, den Blick ins Unbestimmte gerichtet. Er trägt das dunkelbraune Gewand aus Kamelhaar und einen blauen Mantel, der über die Schultern herabfällt. Goldene Strahlen umgeben das Haupt des Heiligen. Seine bloßen Füße, die er gedankenverloren an ein anderreibt, künden von langer Wanderschaft und einem entbehrungsreichen Leben. Die stille Melancholie, die aus der Haltung des Heiligen spricht, steht in eigentüm lichem Kontrast zur grünenden Landschaft, die ihn umgibt. Es ist Sommer, die Zeit, in der alles blüht und lebt. Am Himmel ziehen Mauersegler ihre Bahn. Kaninchen knabbern an den frischen Blättern. Ein Hase springt im Übermut herum, während eine Elster durch das Gras hüpft, Fasane aus den Büschen auffliegen, Hirsche unter schattenspendenden Bäumen äsen und ein Reiher am Ufer eines sumpfigen Teiches nach Nahrung sucht. Über die Bodenwellen, den sich durch das Wiesengelände schlängelnden Bach, das Wasser, in dem sich der Himmel spiegelt, und die Bäume wird der Blick schrittweise in die Tiefe geführt. Erst in der Ferne, vor einer blauen, im Dunst verschwimmenden Bergkette, erblickt man die Türme einer Stadt. An der Seite des Heiligen ruht ein weißes Lamm, von dessen Haupt goldene Strahlen ausgehen. Das Tier ist ein Symbol für Christus, den Johannes selbst mit den Worten bezeichnete: »Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt« (Johannes 1, 29). Die Meditation des Heiligen gilt deshalb vor allem dem Leidensweg Christi und der Gnade der Sündenvergebung. Die zu seinen Füßen wachsende Akelei mit den dunkelblauen Blüten sowie die dornige Distel weisen ebenfalls symbolhaft darauf hin. Es ist nicht die vegetationslose Wüste, in der sich Johannes auf seine Aufgabe als Wegbereiter und Vorläufer Christi vorbereitet, sondern die ebenso menschenleere Wildnis des Waldes, die von Geertgen wie von vielen anderen Künstlern des Nordens mit der Wüste, der Einöde, gleichgesetzt wurde. Aus der Gegenüberstellung von stiller, friedvoller Landschaft und dem von bitteren Gedanken bewegten Heiligen erwächst die geheimnisvolle, lyrisch-dramatische Stimmung des Bildes. Seit altchristlicher Zeit hat man die Geburt Christi und Johannes’ des Täufers mit den großen Wendepunkten im Lauf des Jahres verknüpft und auf die Winter- und Sommer sonnenwende verlegt. Die ergreifenden Worte Johannes’ des Täufers: »Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen« (Johannes 3, 30) sind dabei stets auf die unterschiedliche Länge der Tage bezogen worden. Es hat den Anschein, als habe Geertgen tot Sint Jans auch diesen Aspekt, die Johannes geburt im Sommer, in seiner sommerlich grünenden Landschaft anklingen lassen, um so das tragische Ende des Täufers mit dem Tod Christi unauflöslich zu verbinden. Bemerkenswert ist vor allem die Wiedergabe der freien Natur, die eine bis dahin unerreichte künstlerische Neuerung darstellt. Daher gilt das kleine Bild zu Recht als Inkunabel der abendländischen Landschaftsmalerei. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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After considering Albert van Ouwater, we now encounter Geertgen tot Sint Jans, an artist who decisively shaped the development of painting in the northern Netherlands. The name Geertgen tot Sint Jans points up the artist’s close relationship to the Knights of Saint John, for whom he produced a number of works. Presumably, this depiction of the patron saint of the order served to facilitate the pious devotions of a knight of the order, living in Haarlem.

In this picture, we see the saint seated in a forest on a rocky shelf that is overgrown with grass. Absorbed in meditation, he supports his head with his right hand, his gaze directed into an indefinite distance. He wears a dark-brown camel hair robe and a blue cloak, which is drawn around his shoulders. His head is surrounded by golden rays. His naked feet, which he rubs together absentmindedly, tell of his extended peregrinations and a life of privation. The silent melancholy of John’s attitude stands in peculiar contrast to the verdant landscape that surrounds him. It is summertime, when everything blossoms and comes to life. Swifts fly back and forth in the sky. Rabbits nibble on fresh leaves. A hare leaps exuberantly, while a magpie hops along on the grass, pheasants fly up from the bushes, deer graze, shaded by trees, and a heron search for food at the edge of a marshy pond. Step-by-step, the eye is led into the distance, from the hilly terrain, to the brook that meanders through the meadow landscape, to the water’s surface, which mirrors the sky, and finally to the trees. Only in the far distance, in front of a chain of mountains that is enveloped in blue haze, do we catch a glimpse of the towers of a town.

Resting at John’s side is a white lamb, its head emanating golden rays. This creature is a symbol of Christ, to whom John himself refers with the words: “Behold the Lamb of God, who takes away the sins of the world” (John 1:29). The saint’s meditations, then, are devoted in particular to the Passion of Christ and to the grace of the forgiveness of sins. Symbolic references to these themes are the aquilegia that grows at his feet, with its dark-blue blossoms, and the thorny thistles. In this image, John does not prepare himself for his tasks as the forerunner and harbinger of Christ in a desert that is denuded of vegetation, but instead in a forested wilderness that is equally devoid of people, and which is equated by Geertgen, along with many other transalpine artists, with the desert, the wasteland. And it is the juxtaposition between this silent, tranquil landscape and the bitter thoughts that preoccupy the saint that give rise to the mysterious, lyrical yet dramatic atmosphere of this image.

Ever since the early Christian era, the birth of Christ and that of John the Baptist have been associated with the major turning points that occur in the course of the year, and have been aligned with the inception of wintertime and summertime respectively. The moving words of John the Baptist, “He must increase, I must decrease.” (John 3:30), have been consistently related to the differing lengths of the day. It appears as though Geertgen tot Sint Jans also allows this aspect, namely John’s summertime birth, to resonate in this blooming, summer landscape, thereby indissolubly linking John the Baptist’s tragic end with the death of Christ. Remarkable first and foremost is the rendering of the natural surroundings, which represents a hitherto unmatched artistic innovation. For this reason, this little picture is regarded with justice as the incunabulum of European landscape painting. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Trauernden einer Kreuzabnahme

Die Trauernden einer Kreuzabnahme

Das in Tempera auf Leinwand gemalte Bild gehört zu den wenigen in dieser Technik ausgeführten Gemälden, den sogenannten Tüchlein, die aus dem 15. Jahrhundert erhalten sind. Der empfindliche Farbauftrag und Bildträger sowie das feuchte Klima diesseits der Alpen haben dazu beigetragen, daß die Zahl der Tüchlein gering und ihr Erhaltungszustand oft nicht sehr gut ist. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der halbfigurigen Kompositionsform verdient dieses von Hugo van der Goes geschaffene Werk besondere Beachtung. Dargestellt ist die Gruppe der nächsten Angehörigen Christi, die seinen Tod betrauern. Dicht gedrängt stehen sie beieinander, vereint in ihrem gemeinsamen Schmerz, dem der Künstler auf höchst subtile Weise Ausdruck verliehen hat. Im Vordergrund steht die jugendliche Gottesmutter, die ihre Hände in einer Gebärde tiefer Ergebenheit vor der Brust kreuzt und ihr gesenktes Haupt leicht zur Seite neigt. Bei ihr ist Johannes, der Lieblingsjünger Christi, der ihre Schultern berührt, sie stützt und zu trösten sucht. Lebhafter in den Äußerungen ihrer Trauer erscheint Maria Magdalena, die rechts daneben steht, ihre Hände ringt und den Kopf mit den verweinten Augen zur Seite wendet. Die Gruppe beschließen die beiden anderen Marien, Maria Salome und Maria Jacobi, von denen eine die Hände klagend emporhebt, während sich die andere die Tränen aus den Augen wischt. Den Hintergrund bilden der Hügel Golgathas und ein schmaler Streifen blauen Himmels. Die Farbigkeit des Bildes, in der einst der leuchtendrote Mantel des Johannes und das blaue Kleid Marias die Akzente setzten, wirkt heute matt und gedämpft. Die Komposition und die geschilderte Begebenheit sind unvollständig ohne den Bezugspunkt der Klage und Trauer: die Darstellung des toten Christus, die einst das Gegenstück zu unserem Tüchlein gebildet hat. Die Kopien der beiden Kompositionen, insbesondere die bemerkenswerte Neufassung des Werkes durch Hans Memling (Granada, Capilla Real), vermitteln eine gute Vorstellung von dem ursprünglichen Eindruck der beiden Tüchlein. Erst 1950 ist das vermißte Gegenstück mit der Kreuzabnahme aufgetaucht. Die Darstellung ist hier ganz auf die Präsentation des von drei Männern gehaltenen und dem Betrachter vorgewiesenen Körpers Christi abgestimmt. Den Mittelpunkt bildet der entseelte Leib mit der Seitenwunde und den kraftlos herabhängenden Armen. Der Hügel Golgathas und die Leiter, mit deren Hilfe Christus vom Kreuz abgenommen wurde, sind die einzigen Hinweise auf den Ort der Handlung und den Zeitpunkt des Geschehens. Für das Tüchlein-Diptychon hat sich in der Forschung die Bezeichnung Kleine Kreuzabnahme eingebürgert, im Gegensatz zur sogenannten Großen Kreuzabnahme, einer breitformatigen Komposition des Künstlers, deren originale Fassung nicht mehr erhalten, jedoch durch zahlreiche Kopien überliefert ist. Die anhaltende Bewunderung für die von Hugo van der Goes geschaffenen Kompositionen ist gewiß auch damit zu erklären, daß der Künstler die Bildform des Halbfigurenbildes konsequent auf ein handlungs- und figurenreiches Thema übertragen hat. Es war dies eine kompositionelle und thematische Bereicherung, die die Entwicklung des »erzählenden Halbfigurenbildes« in den Niederlanden bis weit ins 16. Jahrhundert hinein bestimmt hat. | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010_____________________________________________________________________This picture in tempera on canvas is one of the few 15th-century paintings using this technique to have survived. It shows Christ’s followers mourning his death. In the foreground is the Mother of God, crossing her hand over her breast and inclining her lowered head slightly to the side. Next to her is John, supporting her and trying to comfort her. The group is completed by Mary Magdalene and the two other Marys. In the background the hill of Golgotha and a narrow strip of blue sky can be seen. The composition the event depicted are incomplete without the reference point for the lamentation and mourning. The former companion piece is a depiction of the dead Christ (New York, private collection).| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Simson und Delila

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Verse aus dem alttestamentarischen Buch der Richter, die von List und Verrat bestimmt sind, wurden hier von dem preußischen Hofmaler Antoine Pesne bildkünstlerisch umgesetzt. Danach (AT) war der Israelit Simson von Gott dazu auserwählt, sein Volk von der Fremdherrschaft der Philister zu befreien. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Kraft kämpfte Simson erfolgreich gegen die Besatzer. Seine Stärke verdankte er seinen ungeschorenen Haaren, denn Gott hatte verfügt, dass kein Schermesser je sein Haupt berühren solle. Die bei den altorientalischen Völkern verankerte Vorstellung, dass üppiger Bart- und Haarwuchs Gewähr für männliche Kraft bietet, fand hier ihren Niederschlag.Simson verliebt sich in die schöne Delila und verrät ihr das Geheimnis seiner übermenschlichen Kraft. Delila verrät Simson an die Fürsten der Philister und gewährt ihnen Zugang zum schlafenden Geliebten. Die Philister schnitten Simson im Schlaf seine Locken ab und nahmen ihm so seine Stärke.Die Gruppe der Hauptfiguren bildet ein gedachtes Dreieck, das auf einem Postament angeordnet ist. Hierdurcch wird eine stabile Komposition geschaffen, welche der Unruhe der Assistenzfiguren entgegenwirkt. Unverkennbar sind die koloristischen Anregungen der flämischen und italienischen Malerei des 17. Jahrhunderts.  Der Franzose Pesne, welcher zu diesem Zeitpunkt bereits in Berlin lebte und für den Preußischen Hof arbeitete, bemühte sich 1719/20 um die Aufnahme in die Pariser Académie royale de peinture et de sculpture. Vorab schickte er seinem Freund, dem Maler und Akademiemitglied Nicolas Vleughels, zur Einschätzung eine Skizze dieser Komposition nach Paris. Möglicherweise studierte auch Jean Antoine Watteau Pesnes Federzeichnung. In der Folge entschloss sich Pesne, eine veränderte Gemäldefassung zu schaffen, mit der er sich dann im Juli 1720 erfolgreich um die Mitgliedschaft in der Pariser Akademie bewarb. Es darf angenommen werden, dass Pesne die Berliner Erstfassung nie nach Paris schickte. Sie dürfte sich später im Eigentum seines bedeutenden Schülers Christian Bernhardt Rode befunden haben.

Maria mit dem Kind

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Die künstlerische Zusammenarbeit war ein zentrales Thema der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts. So spezialisierten und konzentrierten sich einige Maler auf ganz bestimmte Aufgabenbereiche. Auch in der großen Antwerpener Werkstatt von Peter Paul Rubens kam es häufig zu einem Teamwork von Spezialisten. Ein treffliches Beispiel für diese Form der Zusammenarbeit bietet das Gemälde Maria mit dem Kind.Die Bildidee geht zweifelsohne auf Rubens selbst zurück, der die stehende Gottesmutter hinter einer mit einem persischen Blumenteppich bedeckten Balustrade präsentiert. Sie blättert in einer reich ausgestatteten Handschrift und hält locker mit ihrer rechten Hand das stehende Christuskind, dem sie ihre Brust gibt. Zunächst legte wohl ein Mitarbeiter aus Rubens` gut besetzter Werkstatt, möglicherweise nach einer heute nicht mehr existierenden Skizze des Meisters, das Bild in groben Zügen an. Der Bereich der Gottesmutter und des Christuskindes wurde dann von Rubens` eigener Hand zu guter Letzt noch einmal gründlich überarbeitet. Dadurch erfuhr die Mutter-Kind-Gruppe entscheidende, eigenhändige Veränderungen, so dass sie erst unter Rubens` Pinselführung zur jetzigen Einheit zusammenwachsen konnte.Für die Rosenranken und die mit Frühlingsblumen bestückte Blumenvase bediente sich Rubens eines Spezialisten, dessen Identifizierung bis zum heutigen Zeitpunkt Probleme bereitet. Zur Diskussion stehen Jan Brueghel d. Ä. (1568-1625) und sein Sohn Jan Brueghel d. J. (1601-1678). Lange Zeit datierte man das Gemälde kurz vor Mitte der 20er Jahre und sah bezüglich der Blumen den Schöpfer in Jan Brueghel d. Ä. Heute hält man das Gemälde aus stilistischen Gründen für ein Rubenswerk der Jahre 1625/28. Da mit dem 12. Januar 1625, dem Todestag Jan Brueghels d. Ä., ein terminus ante quem für die Mitarbeit an dem Gemälde vorhanden ist, müsste man die Blumen konsequenter Weise dem Sohne zuschreiben. An der ausführenden Hand des Fruchtkorbes im rechten Vordergrund bestand hingegen in der Forschung nie ein Zweifel. Einhellig sehen in ihm die Experten den Pinselstrich des Stilllebenmalers Frans Snyders (1579-1657), mit dem Rubens eine freundschaftliche Beziehung verband und den er des Öfteren als Spezialisten für Stillleben und Tiere bei seinen Gemälden heranzog.

Roelof de Vos van Steenwijk

Roelof de Vos van Steenwijk

In ungewöhnlich großen goldenen Lettern fasst die Inschrift den Kopf des Dargestellten  (um 1504 - um 1564) ein. Dass der goldene Ring am linken Ringfinger das Wappen der holländischen Familie de Vos van Steenwijk zeigt, wurde schon im 19. Jahrhundert erkannt, allerdings herrschte lange keine Klarheit über die genaue Identität des Porträtierten. Die Identifizierung mit einem gewissen Roelof geht auf den Historiker und Genealogen Albrecht Nicolaas Baron de Vos van Steenwijk (1976) zurück. Diesem zufolge wurde Roelof 1505 als unehelicher Sohn von Reynalt de Vos van Steenwijk und Agnes van Ittersum geboren, im Februar 1537 wurde in Brüssel die Abstammung des damals etwa 31-Jährigen formal in einem Brief von Kaiser Karl V. anerkannt. Bald darauf heiratete er die Kölnerin Catharina Bellinckhausen, 1543 wird eine gemeinsame Tochter erwähnt. Vor 1548 ließ Roelof sich in Antwerpen nieder, wo er vor 1564 gestorben ist. Die aufrecht nach rechts gewandte Haltung des de Roelof Vos van Steenwijk, der aus dem Bild nach rechts und nicht auf den Betrachter blickt, spricht sehr dafür, dass dieses Porträt ursprünglich auf ein Gegenstück hin konzipiert war. Denkbar ist in Anbetracht der Tatsache, dass Roelof zwischen 1537 und 1543 geheiratet hat, dass es als Verlöbnisbild oder aber anlässlich der Eheschließung – mit einem möglichen Pendant der Gattin – in Auftrag gegeben wurde.| Christine SeidelSIGNATUR / INSCHRIFT: ANNO 1541 ETATIS SUAE 37

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633