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Altarkreuz des Presbyters Wolfram

Ident. Nr.: 2649

ObjID: obj:869485

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1150
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 30,5 x 16,8 x 3,9 cm (Kreuz)
Höhe x Breite x Tiefe: 16,8 x 16,8 x 3,7 cm (Christus)
Höhe x Breite x Tiefe: 40,2 x 8 x 8 cm (Transportmaß mit Holzsockel)

Objektbeschreibung

Christus hängt an einem schlichten lateinischen Kreuz mit einfacher breiter Rahmung, dessen unterer Teil in unbestimmter Zeit verkürzt wurde. Auf der Vorderseite befindet sich kein regelmäßiges Ornament, sondern direkt über dem Haupt des Gekreuzigten eine nicht sehr große und nur schwach erkennbare gravierte Rosette mit vier Blüten, alternierend mit je einer Pfeilspitze. Am oberen Rand des Kreuzes wurde in unregelmäßiger Form eine vierzeilige Inschrift angebracht: WOLFRA / MVS • PE¯R / IVSIT • ME / FACERE („Wolfram Presbyter hat befohlen mich zu machen“). Außerdem wurden die Umrisse von Armen und Corpus bis zum unteren Rand des Lendentuchs auf dem Kreuz eingraviert. Dies geschah vielleicht erst deutlich später, möglicherweise im Zuge der Positionsverschiebung des Corpus, um die alte Position zu markieren; doch bleibt der Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme letztlich im Ungewissen.

Der schlanke Corpus hängt mit kraftlosen Gliedern am Kreuz, die Füße ruhen auf einem sehr schmalen Suppedaneum (Fußbrett) , die eng nebeneinander liegenden Beine (Waden berühren sich) sind leicht nach links geknickt, die Hüfte nach rechts; der Bauch ist nach vorn gewölbt, Oberkörper und Kopf nach rechts geneigt. Der ursprüngliche Verlauf der Arme zeigte kraftlos eingeknickte und markierte Beugen; die Hände waren gerade ausgestreckt, mit eingeknicktem Daumen. Die anatomische Ausbildung ist zum Teil sehr sorgfältig, etwa an den Knöcheln oder Waden, und auch bei der ziselierten Binnenzeichnung war man um realistische Wiedergabe bemüht. Der Brustkorb besitzt die Form zweier nach unten kreisförmig schließender Schilde mit spiralförmigen Brustwarzen; die Rippen sind durch eine recht dichte Abfolge schräger Linien markiert. Ausdrucksstark ist das von fein ziseliertem, langem Haar und gelocktem Bart gerahmte Gesicht mit geschlossenen Augen, markanten Wangenknochen und schmalem Mund. Ein schmaler, schlichter Kronreif sitzt auf dem stark gesenkten Haupt. Sehr differenziert ist die Binnenzeichnung des oben horizontal schließenden, bis knapp oberhalb der Knie reichenden Lendentuchs. Während die Falten über den Schenkeln konventionell als halbkreisförmige Doppellinien auftreten, ist der Stoff seitlich unter Überwürfen sehr eng und fast virtuos plissiert.

Kreuz und Kruzifixus scheinen ursprünglich zusammenzugehören, wie die weitgehend identische Legierung und auch die Übereinstimmung der Veränderungen an beiden Teilen nahe legen. Dies ist angesichts der immer wieder bemerkten qualitativen Divergenz erstaunlich.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 02.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Junge Frau

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)