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Totenschild für Walter Haug d. J. (+1380) aus der Nürnberger Sebalduskirche

Ident. Nr.: AE 335

ObjID: obj:869489

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1380
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 94 x 92,5 x 19 cm
Erwerbung
Erworben 1913 vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.

Objektbeschreibung

Der runde Schild zeigt in der Mitte einen einfarbigen Grund (ursprünglich blau) und am Rand einen relativ schmalen, durch plastische Bänder jeweils außen und innen abgesetzten Streifen mit Umschrift. Appliziert wurde das weit in den unteren Randstreifen hineinragende, unten spitz zulaufende, schräg gestellte Wappen der Haug, eine – hier plastisch ausgebildete – liegende Mondsichel auf nachträglich ornamental gestaltetem Hintergrund. Auf der hochstehenden Wappenecke sitzen ein Topfhelm und als Helmzier bzw. Helmkleinod die plastische Büste eines jungen bärtigen Mannes mit langem gelockten Haar und mützenartiger Kopfbedeckung – beide nach halb links gewandt. Der Hals des Mannes geht in die weit ausgespannte lederne Helmdecke mit gezaddeltem Rand über. Die Umschrift in gotischen Minuskeln lautet: „von crist gepurt • m • ccc • lxxx • jar an sant petrus tag ketenveir [Petri Kettenfeier, 1. August] do starb walter hug der ivnger“.

Walter Haug d. J. war eines der frühen in den Quellen greifbaren Mitglieder der Nürnberger Familie, die im 15. Jahrhundert größere Bedeutung erlangte; danach hatte Jobst Haug 1422 das einzige in Nürnberg erhaltene Turmhaus, das sogenannte Nassauerhaus gegenüber der Lorenzkirchenfassade, besessen. Walter Haug d. J. wurde 1360 und 1369–80 im „Genanntenbuch des Größeren Rats“ der Stadt gelistet. Die Familie gehörte damals also zwar nicht zum ratsfähigen Patriziat, aber immerhin zu der wichtigen Schicht der ebenfalls ehrbaren gerichtsfähigen Familien, aus denen sich seit dem frühen 14. Jahrhundert die Mitglieder des sogenannten Rats der Genannten (oder Großen Rats) rekrutierten.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 10.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)