Logo

Taufstein mit vier Tiergestalten

Ident. Nr.: AE 438

ObjID: obj:869536

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1150
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 46 x 122,5 x 131 cm
Durchmesser: 115 cm
Erwerbung
Erworben 1918 als Geschenk aus dem Kölner Kunsthandel (Peter Jos. Worms).

Objektbeschreibung

Es handelt sich um eine runde, relativ flache und auffallend breite Kuppa eines Taufsteins mit figürlicher Darstellung. Der stark beschädigte und weitgehend erneuerte obere Rand der Kuppa ist grob durch eine Hohlkehle profiliert, die in regelmäßigem Abstand von vier Männerköpfen (einer fehlt) unterbrochen wird. Unter diesen ragt jeweils – als Verlängerung der ursprünglich dort ansetzenden vier kleineren Säulen – eine Blattzunge vom leicht eingezogenen unteren Rand nach oben. Die Fläche zwischen den Köpfen wird von je einem Drachen eingenommen, der seine Vorderkrallen auf einem die gesamte Kuppa umziehenden Grat legt.
Die vier Köpfe in Verlängerung der Säulen sind sicher als Symbol der vier Paradiesflüsse zu verstehen, die zum festen Darstellungskanon an Taufbecken gehören. Drachen sind als Symbol des Bösen gleichfalls ein geläufiges Motiv an Fünten und verweisen vor allem auf dessen Überwindung durch die Taufe bzw. den Kampf zwischen Himmel und Hölle um die Seelen der noch nicht Getauften und somit auf ein zentrales Thema der Taufliturgie.
Taufbecken als Schauplatz des Sakraments der Taufe gehörten notwendigerweise zur primären Ausstattung einer mittelalterlichen Kirche mit Pfarrechten. Sie standen in der Regel in der Nähe des Eingangs, manchmal in eigenen Räumen, etwa im Untergeschoss des Westturms. In bestimmten Regionen, wie Gotland, wo zunächst Westtürme nicht üblich waren, standen Taufen im Zentrum der Landkirchen, auf Höhe des Eingangs an der Langhaussüdwand, und konnten auch in andere Liturgien einbezogen werden. Die sehr hohe Zahl erhaltener Objekte und ihre häufig ins 12. und 13. Jahrhundert datierbare Entstehungszeit zeigen, dass man die schwer bewegbaren Objekte – anders als etwa Altäre und Retabel – oft auch dann beibehielt, wenn die Kirche umfassend erneuert wurde.
Wie der markante bläulich-schwarze Stein, aber auch die Gestalt des Taufsteins zeigen, entstand der Taufstein im mittleren Maastal, wo vor allem in Namur eine große Zahl solcher Objekte besonders im 12. Jahrhundert auch für den Export geschaffen wurde. Die Berliner Variante mit vier Drachen und vor allem vier Köpfen am oberen Rand findet sich allerdings recht häufig. Stilistisch mit dem Berliner Stück vergleichbar ist ein Taufstein im Kölner Museum Schnütgen (Inv. K 112), der möglicherweise aus St. Kolumba stammt.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

Bei den zwei Fragmenten handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Sie zeigen einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten, die aus gebündelten Ranken bestehen, die herzförmig zusammenlaufen und in fächerförmigen Palmetten enden. Sie stammen aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)