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Die Utrechter Domherren Cornelius van Horn und Anthonis Taets van Ameronghen

Ident. Nr.: 585A

ObjID: obj:869591

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Anthonis Mor (um 1520 - um 1576),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1544
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Utrechter Domherren Cornelius van Horn und Anthonis Taets van Ameronghen
Übersetzung: The Utrecht canons Cornelius van Horn and Anthonis Taets van Ameronghen
Geografische Bezüge
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 74 x 96 cm
Erwerbung
1859 Ankauf aus der Sammlung Andreas von Stolberg zu Söder

Objektbeschreibung

Anthonis Mor, der nur wenige religiöse Darstellungen geschaffen hat, war so gut wie ausschließlich als Porträtmaler tätig. Die Mächtigen seiner Zeit haben ihn umworben und sich von ihm malen lassen, so unter anderen Philipp II. von Spanien, Kardinal Granvella, Margarete von Parma, der Herzog von Alba, Willem von Oranien und Maria Tudor. Anthonis Mor stammte aus Utrecht, wo er als Schüler Jan van Scorels (1495-1562) seine künstlerische Karriere begründete. 1547 ließ er sich in Antwerpen als freier Meister nieder. Wenig später trat er in Brüssel in den Dienst von Antoine Perrenot de Granvella (1517-1586), dem Bischof von Arras, späteren Kardinal und Minister unter Karl V., Philipp II. und Margarete von Parma. Seiner Protektion verdankte Anthonis Mor zahlreiche Aufträge bedeutender Persönlichkeiten aus den höchsten Kreisen des Adels. 1548 ist er im Gefolge Granvellas nach Augsburg gereist, wo er Tizian begegnet sein dürfte. Die Bildniskunst Tizians hat seine eigene Porträtauffassung jedenfalls entscheidend beeinflußt, wie das um 1562 geschaffende Bildnis der Herzogin Margarete von Parma unterstreicht. 1550 unternahm Anthonis Mor eine Reise nach Spanien und Portugal, die ihn nacheinander an die Höfe in Valladolid, Lissabon und Madrid führte. 1553 kehrte er in die Niederlande zurück. Im darauffolgenden Jahr reiste er als Hofmaler Philipps II. von Spanien nach London, anläßlich dessen Vermählung mit Maria Tudor, der Königin von England. Nach einer erneuten Reise nach Spanien lebte und arbeitete er in Utrecht und Antwerpen. Die dort tätigen Künstler Frans Pourbus (um 1540-1581) und Adriaen Thomasz. Key (um 1544-1584) wurden durch ihn ebenso beeinflußt wie die spanischen Hofmaler Alonso Sánchez Coëllo (1531/32-1588) und Juan Pantoja de la Cruz (1553-1608). Das Doppelporträt der Utrechter Domherren aus dem Jahre 1544 ist das früheste datierte Werk, das wir von Anthonis Mor kennen. Es steht noch ganz unter dem Eindruck der Kunst seines Lehrers Jan van Scorel und erinnert an dessen Reihen der Jerusalemfahrer in Utrecht und Haarlem. Bemerkenswert ist die plastische Erscheinung der beiden Männer, die sich prägnant vom dunkelgrauen Hintergrund abheben. Hell leuchten ihre weißen Chorhemden, deren Faltenwurf und sorgsam abgestufte Modellierung viel von der Sensibilität des Künstlers verraten. Das größte Gewicht ist jedoch auf die Gesichter der Dargestellten gelegt, die zugleich auch einen farblichen Akzent innerhalb der ansonsten sehr zurückhaltenden, beinahe monochrom anmutenden Tonskala des Bildes darstellen. Auf höchst ungewöhnliche Weise sind die Einzelformen der Ge sichter, die vom Licht getroffenen und im Schatten liegenden Partien, mit kurzen, feinen Pinselstrichen herausgearbeitet. Dem lebendigen Spiel von Licht und Schatten verdanken die Gesichter ihre Unmittelbarkeit, die selbst durch die strenge Wendung ins reine Profil nicht ganz verlorengeht. In dieser Hinsicht greift Anthonis Mor bereits deutlich über Jan van Scorel hinaus. Die auffallende Distanz zu den späteren Porträts Anthonis Mors war zweifellos auch durch die Forderungen der Auftraggeber bedingt, die dem Künstler nicht allzuviel Spielraum ließen. Die Form des Halbfigurenbildes, die prozessionsartige Reihung der Dargestellten sowie die genauen Angaben zu deren Person, die im Bild mit untergebracht werden mußten, waren durch den Auftrag vorgegeben. So findet sich unterhalb der beiden Männer eine gemalte Inschrifttafel, die deren Familienwappen trägt und zwei vierzeilige Gedichte, die der Nachwelt ihre Namen, ihren Stand und das Datum ihrer Reise nach Jerusalem überliefern. In der Mitte des weißen Feldes ist das rote Jerusalem-Kreuz wiedergegeben. Bei den Dargestellten handelt es sich um die Utrechter Domherren Cornelis van Horn und Anthonis Taets van Ameronghen, die beide als Mitglieder der Utrechter Jerusalem-Bruderschaft Pilgerreisen ins Heilige Land und nach Jerusalem unternommen hatten. Anthonis Taets ist darüber hinaus noch in Rom, in Santiago de Compostela und an verschiedenen anderen Orten gewesen, die freilich nicht einzeln genannt werden. Das Datum der Reise van Horns ist mit 1520 angegeben, lag also zum Zeitpunkt der Entstehung des Porträts, das die Erinnerung daran wachhalten sollte, schon lange zurück. Die andächtig zum Gebet gefalteten Hände, die geschulterten Palmwedel sowie die Inschrift künden von der frommen Hoffnung, sich durch die Pilgerreise das Seelenheil und den ewigen Frieden erwirkt zu haben. Das Doppelporträt Anthonis Mors bezeichnet ebenso wie die von Jan van Scorel geschaffenen Reihenporträts eine wichtige Etappe innerhalb der Entwicklung des holländischen Gruppenporträts, das im 17. Jahrhundert in den Regenten- und Schützenstücken von Frans Hals und Rembrandt seinen Höhepunkt erleben sollte. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Am oberen Rand der Inschrifttafel unter den Dargestellten, auf dem auch die Wappen angebracht sind: Anthonis mor fecit 1544
Auf der Inschrifttafel: Meister cornelis van horn Doctor wt weest vrieslant gheboren/Canonick in den dom thutrecht was the iherusalem in de heilichge stee./ Domen screef dusent vyfhondert en tuyntich so ghi mocht horen/ hy hebbe daervoor hier naemals den euichghe vree/ heer Anthonis taets van Ameronghen wel becant/ gheboren van vtrecht canonick in den Dom/ is gheweest the iherusalem in dat heylich lant/ the romen sant iacops ende al om end om.
_________________________________________________

Anthonis Mor, who produced only a small number of religious pictures, was a portrait painter almost exclusively. The most powerful personalities of his time sought to commission portraits from him, among them Philip II of Spain, Cardinal Granvella, Margaret of Parma, the Duke of Alba, William of Orange, and Mary Tudor. Anthonis Mor came from Utrecht, where he launched his career as an artist as a student of Jan van Scorel (1495–1562). In 1547, he settled in Antwerp as an independent
master. Slightly later, he appeared in Brussels in the service of Antoine Perrenot de Granvella (1517–86), Bishop of Arras, and later a Cardinal and Minister under Charles V, Philip II, and Margaret of Parma. Anthonis Mor owed his patronage to numerous commissions from leading personalities who occupied the highest circles of the nobility. In 1548, he travelled with Granvella’s entourage to Augsburg, where he may have met Titian. In any event, Titian’s portraiture influenced his own conception of portrait painting in decisive ways, as underscored by his likeness of the Duchess Margaret of Parma, which dates from 1562. In 1550, Anthonis Mor travelled to Spain and Portugal, stopping at the courts in Valladolid, Lisbon, and Madrid. He returned to the Netherlands in 1553. The following year, he journeyed from Spain to London as the court painter of Philip II of Spain on the occasion of Philip’s marriage to Mary Tudor, Queen of England. Following another trip to Spain,
he lived and worked in Utrecht and Antwerp. Frans Pourbus (circa 1540–81) and Adriaen Thomasz Key (circa 1544–84), both active in Antwerp, were influenced by Mor, as were the Spanish court painter Alonso Sánchez Coëllo (1531/32–88) and Juan Pantoja de la Cruz (1553–1608).

The double portrait of the Utrecht canons, which dates from 1544, is the earliest dated work by Anthonis Mor to have survived. In this painting, he remains under the influence of the art of his teacher Jan van Scorel, whose series of Jerusalem pilgrims in Utrecht and Haarlem it recalls. Remarkable here is the sculptural appearance of the two men, who are set off strikingly against the dark grey background. The bright, white surplices worn by the two sitters, their drapery folds and painstakingly graduated modelling, reveal much about this artist’s sensibility. The emphasis, however,
is on the faces of the two men, which also serve as colouristic accents within the otherwise extremely restrained, almost monochromatic tonal scale of this image. The individual elements of the faces – whether exposed to strong illumination or submerged in shadow – are elaborated in an extremely unusual manner by means of short, fine brushstrokes. This lively play of light and shadow accounts for a sense of immediacy that remains effective even with the face that is turned into pure profile.

In this respect, Anthonis Mor goes far beyond Jan van Scorel. This picture’s striking distance from the later portraits of Anthonis Mor was doubtless also a function of the demands of clients, which did not allow the artist a great deal of latitude. The form of the half-figure image, the procession-style sequencing of the sitters, as well as the precise information about the sitters as individuals which had to be accommodated in the picture: all were stipulated by the commission. Situated below the two men for this reason is a painted panel with inscriptions, which bears the family crests of the men along with two four-line poems, which transmit to posterity their names, social ranks, and the dates of their journeys to Jerusalem. Set at the middle of the white field is the red Jerusalem Cross. The depicted individuals are the Utrecht canons Cornelis van Horn and Anthonis Taets van Ameronghen, both
of whom undertook pilgrimages to the Holy Land and to Jerusalem as members of the Utrecht Brotherhood of Jerusalem. Beyond this, Anthonis Taets also visited Rome, Santiago de Compostela, and other places, which could of course not be named individually. The date of van Horn’s journey is given as 1520, which is to say, far earlier than the date of this portrait, which was intended to keep memories of the pilgrimage alive. The hands, folded devoutly in prayer, the palm fronds carried on the shoulders, as well as inscription testify to the pious hopes for salvation and everlasting peace that would be effected, it was hoped, by the pilgrimage.

Like the group portraits of Jan van Scorel, this double portrait by Anthonis Mors represents an important step in the development of the Dutch portrait, which would experience its highpoint during the 17th century with the group portraits of regents and militia members by Frans Hals and Rembrandt. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.08.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die heilige Cäcilie

Die heilige Cäcilie

Nachdem Rubens am 30. Mai 1640 verstarb, ging von insgesamt 300 hinterlassenen Gemälden eine Tafel mit der Darstellung einer Heiligen Cäcilia als Dank für vermittelnde Tätigkeiten an Jacob van Ophem aus Brüssel. Es ist anzunehmen, dass es sich bei diesem Werk um das Berliner Gemälde handelte, das somit zu einem der letzten von Peter Paul Rubens ausgeführten Werken zu zählen ist und ohne Auftrag entstand.Dargestellt ist in lebensgroßer Gestalt die heilige Cäcilie, Schutzheilige der Musik und des Orgelspiels, wie sie am Virginal musiziert. Inspiriert und bewegt, mit großen gen Himmel gewandten Augen, geöffneten Lippen und geröteten Wangen lauscht sie den Klängen überirdischer Musik. Alles scheint in Entzückung und Bewegung: ihr braunes lockiges Haar, die seidig glänzenden und zarten Stoffe ihrer Kleidung. Ihre Finger berühren kaum die Tasten des Instruments, sogar ihr rechter Fuß hat sich aus dem Pantöffelchen gelöst. Sie ist umgeben von Putten, die ebenfalls von den himmlischen Klängen ergriffen zu sein scheinen. Inszeniert hat Rubens diese Szene in einem monumentalen Innenraum, der sich nach links hin zu einem Ausblick in die Weite einer sonnendurchfluteten Landschaft öffnet. Am rechten Bildrand ist eine übermächtig proportionierte Säule, Symbol ihrer unbeirrbaren Glaubensstärke, zu erkennen, an deren Postament sie auf einer Steinbank sitzt. Das rechts zu ihren Füßen schlafende Hündchen dürfte dagegen als allgemein gebräuchliches Treuesymbol auf das Eheverhältnis Cäcilies zu ihrem Gatten Valerian zu deuten sein, den sie am Tage der Hochzeit zum wahren Glauben und zu einer keuschen ehelichen Bindung bekehrte. Der Legenda aurea zufolge erlitten beide zusammen den Märtyrertod.In seiner Darstellung der heiligen Cäcilia präsentiert Rubens das eigentlich ungegenständliche Phänomen des Erklingens und Aufsteigens von Musik. Unwillkürlich assoziiert man bei dem Bild mit dem Reichtum der Farbklänge auch Musiktöne, die Rubens als herausragender Kolorist in einer Art von sinnlichem Rausch in zahllosen Farbnuancierungen und -facetten umsetzt. Zugleich gestaltete er in dem Bild jedoch auch eine der empfindsamsten Darstellungen seiner zweiten Frau, Hélène Fourment (1614-1673), die er 1630, vier Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, als Sechzehnjährige heiratete. Nachdem er 1635 den alten Landsitz „Het Steen“ unweit von Mechelen erwarb, lebte das Paar dort bis zu Rubens Tod 1640.Der Eindruck, dieses großformatige, ausdrucksstarke Bild sei aus einem Guss gefertigt, trügt. Auch hier liegt dem Kunstwerk ein längerer Entstehungsprozess mit eindrucksvollem Arbeitsverlauf zugrunde. Zunächst als Halbfigurenbild angelegt wurde es in einem Anlauf nach unten hin zu einem Ganzfigurenbild erweitert, um anschließend nochmals nach links und rechts ergänzt zu werden. Die komplexe Konstruktion der Tafel setzt sich damit aus insgesamt sieben Brettern zusammen.In bestimmten Bereichen lassen sich Farbaufträge feststellen, die erst ganz zum Schluss in schneller und technisch nachlässiger Manier aufgetragen wurden und lange Laufspuren dünnflüssiger Farbe aufweisen. Es ist vermutet worden, dass die Ursache hierfür in Gichtanfällen, an denen er seit 1626 zu leiden hatte und die kurz vor seinem Tod schließlich zur vollständigen Lähmung der Hände führten, liegen könnte. Inwiefern es sich hierbei um Partien handelte, die noch weiter ausgeführt hätten werden sollten, ob Rubens – aus welchen Gründen auch immer - der frühere Anspruch an die technische Qualität seiner Malerei unwichtiger geworden war oder sogar andere Hände zur Vollendung beigetragen haben, muss offen bleiben. Katja Kleinert und Babette Hartwieg | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019_________________________________________________________________________Rubens died on 30 May 1640, leaving behind 300 paintings. One of these, a panel entitled Saint Cecilia was gifted to Jacob van Ophem from Brussels in recognition of his services. It can be assumed that this picture is the Berlin painting, which would make it one of the last works completed by Peter Paul Rubens and suggests that it was not painted for a commission.The picture portrays Saint Cecilia, the patron saint of music and organ playing, showing her sitting and playing a virginal. Inspired and moved, she looks up towards heaven with large, limpid eyes, open lips and flushed cheeks, listening to the sound of divine music. Every detail speaks of rapture and delighted motion: her wavy brown hair, the silky sheen and delicate flow of the fabrics of her gown. Her fingers barely touch the keys of the instrument and even her right foot has slipped out of her shoe. She is surrounded by cherubs who also seem enraptured by the heavenly sound of the music. Rubens presents this scene inside a monumental interior, with a window to the left opening out onto a wide, sun-dappled landscape. On the right edge of the painting, there is a massive column, a symbol of Cecilia’s unwavering and strong faith. The saint is shown sitting on a stone bench next to the pedestal. The small dog, shown asleep beside her right foot, can be understood as a commonly used symbol of marital fidelity and it applies to the marriage between Cecilia and her husband, Valerian, whom she converted to the true faith and a chaste marriage on the day of their wedding. According to the Legenda aurea they suffered martyrdom together.In his portrayal of Saint Cecilia, Rubens attempts to depict the immaterial phenomenon of the sound of music and how it rises up. Involuntarily, upon seeing the painting, one associates the richness of the colour tones in the picture with musical tones, which Rubens, as an outstanding colourist, translates into a kind of sensual intoxication by using countless shades and nuances. At the same time, this painting is also one of the most penetrating and perceptive portraits of his second wife, Hélène Fourment (1614–73), whom he married four years after the death of his first wife, in 1630 when she was 16. In 1635, he purchased the old country mansion “Het Steen” not far from Mechelen, where the couple lived until Rubens’ death in 1640.The impression that this large, highly expressive picture was painted successively on the basis of a set composition is deceptive. This is another Rubens painting that was the result of a very long period of creation with an astonishing genesis. Initially composed as a half-figure picture, it was extended downwards to form a full-figure and then details and figures were subsequently added on the left and right. The complex structure of the panel consists of seven boards.In specific sections there are areas where the paint was obviously applied rapidlyright at the very end and in a slightly slap-dash manner, even to the extent that there are long drips or runs of thin paint. A likely explanation for this is the gout in his hands that had afflicted Rubens since 1626, and which shortly before his death had almost fully paralysed his hands. Whether these are sections that would have been corrected at a later point, or whether for whatever reason the technical quality of his paintings had simply become less important for the artist, or even whether others helped to complete the picture are all matters for conjecture. Katja Kleinert und Babette Hartwieg | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Brustbild eines Apostels

Brustbild eines Apostels

Vor dunklem Hintergrund ist ein braunhaariger Mann mit Vollbart wiedergegeben, der sein markantes Kinn leicht erhoben hat und den Betrachter direkt anblickt. Seinen braunen Mantel über einem schlichten weißen Hemd hat er großzügig um die Schultern drapiert. Van Dycks energische Pinselführung unterstreicht den eindringlichen Gesichtsausdruck. Es handelt sich hierbei um die vorbereitende Studie eines Kopfes für das großformatige Gemälde „Christus im Hause von Simon“. Dieses entstand um 1618 in der Rubenswerkstatt und befindet sich heute in der Petersburger Eremitage. Van Dyck, der um 1615 bereits selbstständig arbeitete, wurde erst 1618 als Meister Mitglied der Antwerpener Gilde. In dieser Zeit war er u.a. als Mitarbeiter von Rubens aktiv und hatte wesentlichen Anteil am Simon-Gemälde.| Britta Bode________________________________________________________________________________A brown-haired man with a full beard is portrayed in front of a dark background, his distinct chin slightly raised and looking directly at the viewer. His brown coat, over a simple white shirt, is generously draped over his shoulders. Van Dyck’s vigorous brush strokes emphasize the intense facial expression. This is a preparatory study of a head for the large painting “Christ in the House of Simon”, which was painted in 1618 in Rubens’ workshop, now in the Hermitage in St. Petersburg. Although, Van Dyck joined the painter’s Guild of Antwerp to become a master as late as 1618, he had already worked independently by 1615. In that time, amongst other things, he worked with Rubens and is responsible for a substantial portion in the Simon painting.| Britta Bode

Vanitas-Stillleben

Vanitas-Stillleben

Vanitas, lateinisch für „Eitelkeit“, war ein zentrales Konzept in Literatur und bildender Kunst des Barock. In der niederländischen Malerei bildete sich mit den Vanitasstilleben im 17. Jahrhundert eine eigene Untergattung heraus. Immer neue Kombinationen von symbolisch besetzten Gegenständen gemahnten an die Vergänglichkeit des Lebens und der irdischen Güter. Potter arrangiert hier vor einem großen Himmelsglobus einen Totenkopf, einen Geldsack und ein Stundenglas. Die davor aufgeschichteten Bücher und Papiere sind charakteristisch für die Leidener Ausprägung der Stillebenmalerei. Die Universitätsstadt galt als Hochburg der Wissenschaft und bildete zugleich ein Zentrum der Vanitasmalerei. Potter arbeitete dort ab 1628 für einige Jahre, was sich in der Wahl der Motive für dieses Bild widerspiegelt.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf einem Blatt Papier: P Potter f 1636___________________________________________________________________________________________________________________________Vanitas, Latin for „vanity“, was a central concept in literature and the visual arts of the Baroque period. Vanitas still-lifes evolved into an independent genre in 17th century Dutch art. Continually new combinations of symbolic objects developed, reminding of the transience of life and earthly belongings. Potter arranges a skull, a money bag and an hourglass in front of a large celestial globe. The layered books and papers are characteristic of the Leiden variant of still-life paintings. The city, with a large university, was considered to be the center of sciences and also of vanitas still-life painting. Potter worked there from 1628 for a couple of years, which is reflected in the choice of motifs in this work.| Britta Bode