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Die Versuchung des heiligen Antonius

Ident. Nr.: 651

ObjID: obj:869712

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Frans Francken (der Jüngere) (1581 - 1642),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1600/42
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Versuchung des heiligen Antonius
Übersetzung: The Temptation of Saint Anthony
Geografische Bezüge
Flandern,
Region
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 46,8 x 36,3 cm

Objektbeschreibung

Kein apokalyptisches Landschaftspanorama wie bei Bosch und keinen Kampf mit bedrängenden Höllengeistern stellt die Tafel aus dem Umkreis des Antwerpener Malers Frans Francken d. J. dar. In der grottenartigen Höhle sitzt der heilige Antonius vor einem felsartigen Pult und blättert sinnierend in einem Buch. Um ihn herum verteilen sich verschiedene Personifikationen der Sünde: Die links von dem Eremiten sitzende Frau präsentiert einen prunkvollen Deckelpokal. Als Sinnbild der Unreinheit kann sie mit der Hure Babylon gleichgesetzt werden, die, gemäß der Apokalypse des Johannes, überladen von Schmuck einen goldenen Becher in der Hand hält (Apk 17,4). Es folgen die durch einen Handspiegel ausgewiesene Eitelkeit bzw. Verführung und eine männliche Figur mit dem Gestus der Überredung. Rechts von Antonius sitzt eine geflügelte engelsgleiche Gestalt, jedoch mit teuflischen Spitzohren, die mit einem Trickbrett zur Spielsucht verführen will. Im hinteren Höhlenraum wendet sich eine Gruppe den kulinarischen Genüssen zu. In der Landschaft verweist ein Leichenzug auf die Vergänglichkeit der Welt. Ohne Vergleichsbeispiel in der Ikonographie des heiligen Antonius sind die beiden schwebenden männlichen Gestalten, die eine durchsichtige Kugel präsentieren: Sie ist mit Brillen und Musikinstrumenten, darunter Flöten, Trommeln und Maultrommeln, gefüllt. Sinnbildhaft repräsentieren diese Gegenstände die verstellte Erkenntnis und die Narrheit der Welt.
Im Gegensatz zu der Vielzahl an allegorischen Anspielungen und Personifikationen, wurden die Höllengeister auf ein Mindestmaß reduziert: So versucht rechts unten ein kleiner Teufel, die Meditation des Emeriten mit einer Glocke zu stören, während ein anderer auf einer Weltkugel sitzt und in hochmütiger Verkennung seiner intellektuellen Fähigkeiten ein Buch studiert. Zu den wenigen direkten Anspielungen auf das Werk von Jheronimus Bosch gehört das mittig im Bildvordergrund stehende Kompositwesen, das obszön seinen Hintern nach oben reckt und auf dem Rücken einen Pantoffel präsentiert. Der nach unten gebeugte, kopflose Oberkörper ist in Bosch’scher Manier von einem Ei umschlossen, das in der Symbolsprache der Versuchungen für Sexualität und Sünde schlechthin steht.
Die monochrome Malerei auf dem Rahmen setzt eine Tradition aus dem 16. Jahrhundert fort und ist typisch für viele Werke aus dem Umfeld der Werkstatt von Frans Francken d. J. In lockerer Anordnung werden auf rotbraunem Grund verschiedene Szenen gezeigt: Unten sitzt der Einsiedler zwischen einem Knochenmann und einem Gerät aus zwei Mühlsteinen, das Symbole der Vergänglichkeit wie eine Sanduhr transportiert. Auf der rechten Rahmenseite ist zusammen mit zwei weiteren musizierenden Gestalten ein teuflisches Wesen mit einer Klarinettennase zu sehen. In der linken oberen Ecke bekräftigt der Dudelsack als Instrument mit phallischer Konnotation nochmals die Gefahren sexueller Ausschweifung, während auf dem oberen Rahmenschenkel der Luftkampf zwischen Engeln und Teufeln stattfindet, der während der himmlischen Entrückung des Antonius um dessen Seele geführt wird.| Johannes Rössler

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)