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Die junge Mutter

Ident. Nr.: KFMV.269

ObjID: obj:869931

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Gerrit Dou (1613 - 1675),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1655/60
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die junge Mutter
Übersetzung: The Young Mother
Geografische Bezüge
Leiden,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 49,2 x 37,4 cm oben halbrund

Objektbeschreibung

Eine junge Mutter hält ihr Kind zum Stillen im Arm. Eine bezaubernde Unterbrechung erfährt der Vorgang durch ein junges Dienstmädchen dahinter, das durch den fröhlichen Klang seines Schellenspiels die Aufmerksamkeit des Kindes von der Brust der Mutter ablenkt. Schauplatz ist ein anspruchsvoll möbliertes Bürgerzimmer, an das sich links hinten ein weiterer Raum anschließt. Ein Arzt, erkennbar an dem Uringlas, das er im Seitenlicht des Fensters prüft, wird dort von einer wohl älteren Patientin konsultiert – ein merkwürdiger Handlungsaspekt, der zu dem, was davor geschieht, nicht zu passen scheint. Mittelpunkt des Gemäldes bildet, im wahrsten Sinne des Wortes, die Figur des Säuglings, der eben aus der Wiege gehoben, den Beginn des irdischen Daseins wiederspiegelt. Mit ihm auf Engste verknüpft ist die Gestalt der jungen Mutter, die – wie die volle Brust, ihre rosigen Wangen und ihr Lachen zeigen- in der Blüte ihres Lebens steht. Die Arztszene im Hintergrund dagegen, spielt auf den Niedergang des Lebens und sein Ende an. In der Abfolge präsentiert Gerard Dou dem Betrachter damit, beginnend mit der Babywiege vorne rechts, über den Säugling im Schoß seiner Mutter mittig, hin zu der Arztszene links hinten die verschiedenen Lebensstationen bzw. -alter.
Das Bild zählt zu den herausragenden Beispielen der zur vollen Reife entwickelten Kunst Gerard Dous. Bei glatt vertriebenen Farben, ohne sichtbare Spuren des Pinselduktus, treten die Motive in ihrer jeweils eigenen Gestalt und Stofflichkeit hervor: nicht in zeichnerischer Härte, sondern in einem atmosphärisch gestuften Helldunkel. Das Messing der Deckenkrone, deren dekoratives Lineament den Vorgang im wahrsten Sinne des Wortes bekrönt, reflektiert das Licht in wärmerem Schimmer als das Silber des Tischleuchters. Die samtene Hausjacke der Mutter unterscheidet sich fühlbar von der rauhen Webstruktur des Vorhangs. Joachim von Sandrart berichtet, der Maler habe »mit Hülf der Augengläser« gearbeitet. So erklärt sich vielleicht die kaum zu überbietende, detaillierte Wiedergabe der Holzmaserung auf den Dielenbrettern oder das glänzende Flechtwerk der Korbwiege. Dou gilt als der Begründer und zugleich als der wichtigste Vertreter der sogenannten »Leidener Feinmalerei«. Bereits die Zeitgenossen haben die Akribie seiner Gestaltgebung bewundert. Der Leidener Bürgermeister Orlers schrieb: »Jeder, welcher seine Arbeiten sah, konnte nicht anders als staunen vor der Sorgfalt und Merkwürdigkeit der Ausführung«. Die reichen Wechselbeziehungen zwischen Form, Farbe und Licht hat er mit der Andacht eines Stillebenmalers ausgekostet. In seinen besten Bildern hat Dou Feinmalerei nicht einfach praktiziert, sondern zelebriert. Dem an sich alltäglichen Beieinander von Mutter und Kind ist auf diese Weise der Anschein des Außergewöhnlichen verliehen, das der barock zur Seite drapierte Teppichvorhang – ein von Dou häufig verwendeter Kunstgriff – dem Auge des Betrachters enthüllt. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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A young mother holds her child to give it the breast. This is charmingly interrupted by a young servant girl behind them, who diverts the child’s attention from the mother’s breast with the merry tinkling bells of a toy. The scene is set in an expensively furnished room of a middle-class home, with a second room adjoining on the left. A doctor, recognisable by the jar of urine that he is inspecting in the light entering laterally from a window, is being consulted by a female patient, who appears to be elderly – a strange feature of the narrative that appears not to match what is happening in the foreground. The centre point of the painting is literally the figure of the child, which has just been raised from its cot and reflects the beginning of an existence on earth. Intimately connected to the child is the figure of the young mother, who is in the full flower of her life, as her ripe breast, rosy cheeks and laughter show. The medical scene in the background, by contrast, refers to the decline and end of life. In this sequence, Gerard Dou thus presents to the beholder the various stages of life and old age, beginning with the baby’s cradle in the right foreground, then going on to the child in the mother’s lap at the centre, and in the background on the left the scene with the doctor.

This painting is an outstanding example of Gerard Dou’s art at its most mature stage of development. With smoothly applied paints, without visible traces of the brushstrokes, each motif stands out in its own form and materiality: not in hard draughtsmanship but in atmospheric gradations of darkness and light. The brass of the ceiling chandelier, whose decorative outline truly crowns the proceedings,
reflects the light with a warmer gleam than the silver of the table candlestick. The mother’s velvet housecoat is tangibly different from the rough woven texture of the curtain. Joachim von Sandrart reported that the artist worked “with the help of eye glasses”. This may explain the almost unsurpassable detailed rendering of the grain in the wood of the floorboards and the shining basketwork of the cradle. Dou is regarded as the founder and at the same time the most important exponent of what is called “Leiden fine painting”. Contemporaries admired his meticulous shaping
of forms. Mayor Orlers of Leiden wrote that “No one who saw his work could help being astonished at the care and curiosity of its execution”. He savoured opulent interrelationships between form, colour and light with the reverence of a still-life painter. In his best works, Dou not merely practised fine painting, he celebrated it. In this way, he imparted to the everyday companionship of the mother and child the appearance of something out of the ordinary, which the tapestry hanging, draped to the side in Baroque manner – a device frequently used by Dou – reveals to the beholder’s eye. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 16.04.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)