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Die junge Mutter

Ident. Nr.: KFMV.269

ObjID: obj:869931

Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Gerrit Dou (1613 - 1675),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1655/60
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die junge Mutter
Übersetzung: The Young Mother
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Leiden,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 49,2 x 37,4 cm oben halbrund
Erwerbung
1974 Ankauf aus der Kunsthandlung Thomas Agnew & Sons, London

Objektbeschreibung

Eine junge Mutter hält ihr Kind zum Stillen im Arm. Eine bezaubernde Unterbrechung erfährt der Vorgang durch ein junges Dienstmädchen dahinter, das durch den fröhlichen Klang seines Schellenspiels die Aufmerksamkeit des Kindes von der Brust der Mutter ablenkt. Schauplatz ist ein anspruchsvoll möbliertes Bürgerzimmer, an das sich links hinten ein weiterer Raum anschließt. Ein Arzt, erkennbar an dem Uringlas, das er im Seitenlicht des Fensters prüft, wird dort von einer wohl älteren Patientin konsultiert – ein merkwürdiger Handlungsaspekt, der zu dem, was davor geschieht, nicht zu passen scheint. Mittelpunkt des Gemäldes bildet, im wahrsten Sinne des Wortes, die Figur des Säuglings, der eben aus der Wiege gehoben, den Beginn des irdischen Daseins wiederspiegelt. Mit ihm auf Engste verknüpft ist die Gestalt der jungen Mutter, die – wie die volle Brust, ihre rosigen Wangen und ihr Lachen zeigen- in der Blüte ihres Lebens steht. Die Arztszene im Hintergrund dagegen, spielt auf den Niedergang des Lebens und sein Ende an. In der Abfolge präsentiert Gerard Dou dem Betrachter damit, beginnend mit der Babywiege vorne rechts, über den Säugling im Schoß seiner Mutter mittig, hin zu der Arztszene links hinten die verschiedenen Lebensstationen bzw. -alter.
Das Bild zählt zu den herausragenden Beispielen der zur vollen Reife entwickelten Kunst Gerard Dous. Bei glatt vertriebenen Farben, ohne sichtbare Spuren des Pinselduktus, treten die Motive in ihrer jeweils eigenen Gestalt und Stofflichkeit hervor: nicht in zeichnerischer Härte, sondern in einem atmosphärisch gestuften Helldunkel. Das Messing der Deckenkrone, deren dekoratives Lineament den Vorgang im wahrsten Sinne des Wortes bekrönt, reflektiert das Licht in wärmerem Schimmer als das Silber des Tischleuchters. Die samtene Hausjacke der Mutter unterscheidet sich fühlbar von der rauhen Webstruktur des Vorhangs. Joachim von Sandrart berichtet, der Maler habe »mit Hülf der Augengläser« gearbeitet. So erklärt sich vielleicht die kaum zu überbietende, detaillierte Wiedergabe der Holzmaserung auf den Dielenbrettern oder das glänzende Flechtwerk der Korbwiege. Dou gilt als der Begründer und zugleich als der wichtigste Vertreter der sogenannten »Leidener Feinmalerei«. Bereits die Zeitgenossen haben die Akribie seiner Gestaltgebung bewundert. Der Leidener Bürgermeister Orlers schrieb: »Jeder, welcher seine Arbeiten sah, konnte nicht anders als staunen vor der Sorgfalt und Merkwürdigkeit der Ausführung«. Die reichen Wechselbeziehungen zwischen Form, Farbe und Licht hat er mit der Andacht eines Stillebenmalers ausgekostet. In seinen besten Bildern hat Dou Feinmalerei nicht einfach praktiziert, sondern zelebriert. Dem an sich alltäglichen Beieinander von Mutter und Kind ist auf diese Weise der Anschein des Außergewöhnlichen verliehen, das der barock zur Seite drapierte Teppichvorhang – ein von Dou häufig verwendeter Kunstgriff – dem Auge des Betrachters enthüllt. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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A young mother holds her child to give it the breast. This is charmingly interrupted by a young servant girl behind them, who diverts the child’s attention from the mother’s breast with the merry tinkling bells of a toy. The scene is set in an expensively furnished room of a middle-class home, with a second room adjoining on the left. A doctor, recognisable by the jar of urine that he is inspecting in the light entering laterally from a window, is being consulted by a female patient, who appears to be elderly – a strange feature of the narrative that appears not to match what is happening in the foreground. The centre point of the painting is literally the figure of the child, which has just been raised from its cot and reflects the beginning of an existence on earth. Intimately connected to the child is the figure of the young mother, who is in the full flower of her life, as her ripe breast, rosy cheeks and laughter show. The medical scene in the background, by contrast, refers to the decline and end of life. In this sequence, Gerard Dou thus presents to the beholder the various stages of life and old age, beginning with the baby’s cradle in the right foreground, then going on to the child in the mother’s lap at the centre, and in the background on the left the scene with the doctor.

This painting is an outstanding example of Gerard Dou’s art at its most mature stage of development. With smoothly applied paints, without visible traces of the brushstrokes, each motif stands out in its own form and materiality: not in hard draughtsmanship but in atmospheric gradations of darkness and light. The brass of the ceiling chandelier, whose decorative outline truly crowns the proceedings,
reflects the light with a warmer gleam than the silver of the table candlestick. The mother’s velvet housecoat is tangibly different from the rough woven texture of the curtain. Joachim von Sandrart reported that the artist worked “with the help of eye glasses”. This may explain the almost unsurpassable detailed rendering of the grain in the wood of the floorboards and the shining basketwork of the cradle. Dou is regarded as the founder and at the same time the most important exponent of what is called “Leiden fine painting”. Contemporaries admired his meticulous shaping
of forms. Mayor Orlers of Leiden wrote that “No one who saw his work could help being astonished at the care and curiosity of its execution”. He savoured opulent interrelationships between form, colour and light with the reverence of a still-life painter. In his best works, Dou not merely practised fine painting, he celebrated it. In this way, he imparted to the everyday companionship of the mother and child the appearance of something out of the ordinary, which the tapestry hanging, draped to the side in Baroque manner – a device frequently used by Dou – reveals to the beholder’s eye. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 16.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

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Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. 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Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P

Ansicht von Nijmegen

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Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

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Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.