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Thronende Maria mit dem Kind, die Schlüsselübergabe an den Apostel Petrus und die Heiligen Johannes Capistranus, Emidius, Franziskus, Ludwig von Toulouse, der selige Giacomo della Marca und ein heiliger Bischof

Ident. Nr.: 1156A

ObjID: obj:870136

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Carlo Crivelli (um 1435 - 1495),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1488
Weitere Titel
Sammlungstitel: Thronende Maria mit dem Kind, die Schlüsselübergabe an den Apostel Petrus und die Heiligen Johannes Capistranus, Emidius, Franziskus, Ludwig von Toulouse, der selige Giacomo della Marca und ein heiliger Bischof
Thronende Madonna mit der Schlüsselübergabe an den Apostel Petrus
Übersetzung: Mary enthroned with the child, the handing over of the keys to the Apostle Peter with the Saints Johannes Capistranus, Emidius, Francis, Louis of Toulouse, the Blessed Giacomo della Marca and a holy bishop
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 191 x 196 cm

Objektbeschreibung

Carlo Crivelli wird 1457 als Meister in Venedig erwähnt. 1465 ist er als Bürger und Einwohner von Zara (Dalmatien) nachweisbar, bald darauf scheint er nach Italien zurückgekehrt zu sein. Spätestens 1468 ließ er sich in den Marken nieder, zuerst in Fermo, dann in Ascoli Piceno, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Sein letztes datiertes Bild stammt von 1493. Zunächst wurde er von Antonio Vivarini und dem jungen Giovanni Bellini beeinflußt, vor allem aber von dem Paduaner Francesco Squarcione und seinem Schüler Giorgio Schiavone. Von ihnen übernahm er die harte Plastizität der Formen, die er zu großer Schärfe der Zeichnung und metallischer Glätte der Modellierung steigerte, verfeinerte und mit Freude am Dekorativen und Preziösen und an abstrakt-ornamentalen Elementen zu hoher handwerklicher Meisterschaft verband. Seine bizarre Phantasie führte ihn zu einer oft expressiv übersteigerten Charakterisierung der Figuren. Seine archaisierende Kunst blieb im Grunde immer der Spätgotik verhaftet und nahm an der Entwicklung der zeitgenössischen venezianischen Malerei der siebziger und achtziger Jahre (Giovanni Bellini) nicht teil. Im Gegensatz zu den vielen zwei- oder dreigeschossigen spätgotischen Polyptychen in der Nachfolge der Vivarini hat Crivelli in seiner Spätzeit auch große einheitliche rechteckige Altartafeln (pale) mit Kompositionen des Sacra Conversazione-Typus ge - schaffen. Zu diesen gehört auch die 1488/89 entstandene Berliner Tafel, die nach F. Zeri (1961) ursprünglich seitlich von Pilastern mit je drei über einander angeordneten schmalen Tafeln mit stehenden Heiligenfiguren in gotischer Rahmung flankiert war. Zwei dieser Tafeln befinden sich ebenfalls in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, weitere in der Sammlung Colonna in Rom, im Museum of Fine Arts in Worcester / Mass. und im Dienst Verspreide Rijkscollecties in Den Haag (vormals Amsterdam, Sammlung Lanz). Das Berliner Bild ist identisch mit der 1488 bei Crivelli in Auftrag gegebenen und 1489 vollendeten Altartafel für die Franziskanerkirche S. Pietro degli Osservanti in Camerino in den Marken. Crivelli hatte schon 1483 versprochen, ein Altarwerk für die Kirche zu schaffen. Die Haupttafel stellt die Schlüsselübergabe an Petrus durch das von der thronenden Madonna auf dem Schoß gehaltene Christuskind mit jeweils drei flankierenden stehenden Heiligen bzw. Seligen dar. Die Darstellung der Madonna auf einem erhöhten Thron in der Mitte des Bildes, die von je drei Heiligen flankiert wird, die als Zeugen dem Vorgang der Schlüsselübergabe beiwohnen, hat den Charakter einer Sacra Conversazione, wie sie in Venedig vor allem durch Antonello da Messinas Altartafel von S. Cassiano um 1475 eingeführt war. Von den sechs Heiligen bzw. Seligen, die der Szene beiwohnen, sind vier Angehörige des Franziskanerordens, denn für eine Kirche dieses Ordens war das Altarbild bestimmt. Links vorn steht der heilige Emidius, der erste Bischof von Ascoli und Schutzpatron der Stadt, rechts hinter ihm der heilige Franziskus von Assisi, links am Bildrand der Franziskaner-Bußprediger Johannes von Capestrano (1386-1456), noch als Seliger mit Strahlennimbus dargestellt. Rechts vorn sieht man den heiligen Ludwig von Toulouse (1274-1297), Erzbischof von Toulouse, aus dem Hause Anjou, worauf die Lilien auf seinem Pluviale hindeuten; unter dem Bischofs ornat trägt er die Franziskanerkutte. Hinter ihm links stehen ein nicht identifizierter heiliger Bischof (Ambrosius?) und der selige Giacomo della Marca (Franziskanermönch, 1391-1474). Die Haupttafel war wahrscheinlich von der ebenfalls signierten Lünette mit der Beweinung Christi (Rom, Pinacoteca Vaticana) bekrönt. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Mitte unten: OPVS•CAROLI•CRIVELLI•VENETI, rechts oben in einem Medaillon: IHS
______________________________________

Carlo Crivelli is mentioned in 1457 as a master in Venice. In 1465, he appears as a citizen and resident of Zara in Dalmatia, and seems to have returned to Italy a short time later. In 1468 at the latest, he settled in Marche, at first in Fermo and later in Ascoli Piceno, where he remained until the end of his life. His last dated work is from 1493. Initially, he was influenced by Antonio Vivarini and the young
Giovanni Bellini, but especially by Francesco Squarcione from Padua and his pupil Giorgio Schiavone. From them, he adopted a hard three-dimensionality of form that he enhanced to great sharpness in draughtsmanship and metallic smoothness in modelling, refined and combined in great technical mastery with love of the decorative and precious, and of abstract ornamental elements. His bizarre imagination led him to a characterisation of figures that was often expressively exaggerated.
His archaic art remained essentially grounded in the late Gothic style and did not reflect the development of contemporary Venetian painting of the 1470s and 1480s (Giovanni Bellini).

In contrast to his numerous two-storey or three-storey late Gothic polyptychs in the tradition of the Vivarini, in his late period Crivelli also made large, uniform, rectangular altar panels (pale) with compositions of the sacra conversazione type. Among these are the Berlin panel of about 1488, which according to F. Zeri (1961) was originally flanked by pilasters with three narrow panels on each side, placed one above the other, showing standing figures of saints with Gothic framing. Two of these panels are in Berlin, others in the Colonna Collection in Rome, the Museum of Fine Arts in Worcester, Massachusetts and in the Dienst Verspreide Rijkscollecties in The Hague (formerly Amsterdam, Lanz Collection).

The Berlin work was initially made for the Franciscan Church of San Pietro degli Osservanti near Camerino (Marche), which was commissioned from Crivelli in 1488 and completed in 1489. Crivelli had already promised to paint an altarpiece for the church in 1483. The main panel depicts the handing of a key to Saint Peter by the Christ Child, held on the lap of the enthroned Madonna, flanked on each side by three standing saints or beatified persons. The depiction of the Madonna on a raised throne in the middle of the picture, flanked by six figures who are present as witnesses to the handing over of the key, possesses the character of a sacra conversazione, as this theme was introduced to Venice, above all by Antonello da Messina’s altarpiece at San Cassiano in about 1475. Of the six saints or blessed persons who are present at the scene, four are Franciscans, as the altarpiece was intended for a church of the Franciscan order. Front left stands Saint Emidius, the first bishop of Ascoli and patron saint of the town, on the right behind him Saint Francis of Assisi, on the far left the Franciscan preacher of penitence Giovanni da Capestrano (1386–1456), here presented as beatified with a radiant nimbus. Front right, we see Saint Louis of Toulouse (1274–97), archbishop of Toulouse, from the
house of Anjou, as indicated by the lilies on his cope; beneath his episcopal robes, he wears the Franciscan habit. On the left behind him stand an unidentified canonized bishop (Ambrose?) and – far right – the Blessed Giacomo della Marca (a Franciscan monk, 1391–1474). The main panel was probably crowned by the lunette of the Lamentation over the Dead Christ, also signed, now in the Pinacoteca Vaticana in Rome. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

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