Logo

Bildnis einer jungen Dame

Ident. Nr.: 532

ObjID: obj:870214

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Petrus Christus (um 1410/20 - um 1475),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1470
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis einer jungen Dame
Übersetzung: Portrait of a Young Lady
Geografische Bezüge
Brügge,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 29,1 x 22,7 cm
Erwerbung
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Objektbeschreibung

Das Berliner Frauenporträt, das einzige, das wir von Petrus Christus kennen, zeigt die Dargestellte in einem Innenraum, der durch eine graubraune Wand mit brauner Holztäfelung angedeutet ist. Das von links vorn einfallende Licht trägt mit dazu bei, die Dargestellte und ihren Standort im Raum begreifbar werden zu lassen. Die junge Frau, die sich dem Betrachter zuwendet und ihn aufmerksam anblickt, trägt eine Haube aus schwarzem Samt, die mit einer Goldborte und kleinen Perlen verziert ist. Den Hals schmückt eine kostbar gearbeitete dreireihige Goldkette. Das blaue Kleid ist mit Hermelin besetzt. Eine Lasche aus schwarzem Samt ragt in die Stirn, aus der das Haar nach der Mode der Zeit zurückgekämmt ist, um die klaren Konturen des Kopfes zur Geltung kommen zu lassen. Es ist eine eigentümliche Faszination, die von dem blassen Gesicht mit den dunklen Augen und den fein geschwungenen Lippen ausgeht. Die schmalen Schultern, der schlanke Hals und der zarte Körper lassen die Dargestellte trotz ihrer aristokratischen Würde merkwürdig zerbrechlich erscheinen. Dies alles unterstreicht ihre fremdartig anmutende, fraulich-kindliche Ausstrahlung. Wen dieses Porträt darstellt, wissen wir nicht. An Versuchen, die junge Dame zu identifizieren, hat es nicht gefehlt. So ist vermutet worden, daß es sich um Isabella von Bourbon (gest. 1465), die zweite Gattin Karls des Kühnen von Burgund handeln könne. Man hat die Dargestellte ferner mit Alice, der Gattin von Edward Grymeston, identifizieren wollen, dessen Porträt (London, National Gallery) Petrus Christus im Jahre 1446 gemalt hat. Bei seiner Erwerbung 1821 trug unser Bildnis noch den originalen Rahmen, auf dem sich eine Inschrift befand, die von Gustav Waagen 1824 als »Opus Petri Christophori« transkribiert wurde. Waagen bezeichnete die junge Dame als »Nichte des berühmten Talbot«. Gemeint war Lord John Talbot (gest. 1453), der erste Earl of Shrewsbury. Allerdings kann es sich kaum um dessen Nichte gehandelt haben, da diese bereits 1421 verstorben ist. Es kämen viel eher Talbots Enkelinnen Anne und Margaret in Frage, die Töchter des zweiten Earl of Shrewsbury. Die Tante der beiden Mädchen, Elizabeth Talbot, Herzogin von Norfolk, hielt sich 1468 anläßlich der Hochzeit Karls des Kühnen mit Margarete von York in Brügge auf. Es ist reizvoll zu vermuten, daß die beiden jungen Mädchen sie begleiteten und eines von ihnen bei dieser Gelegenheit von Petrus Christus porträtiert wurde; eine Hypothese, die nicht ganz unwahrscheinlich ist. Man hat die rätselhafte junge Dame nicht nur nach England, sondern auch nach Frankreich lokalisiert. Im Inventar der Sammlung Lorenzo de’Medicis (1449-1492) in Florenz befand sich das Bildnis einer französischen Dame (»una testa di dama franzese «), das ausdrücklich als Werk des Petrus Christus (»opera di Pietro Cresti da Bruggia «) bezeichnet wird. Ein sicherer Nachweis für die Provenienz konnte damit jedoch nicht erbracht werden, wie auch die bislang vorgeschlagenen Namen jedes sicheren Beweises entbehren. Die früher oft vertretene Datierung in die vierziger Jahre wird inzwischen nicht mehr aufrechterhalten. Das Werk ist vielmehr der späten Schaffenszeit um 1470 zuzurechnen. Ein Vergleich mit Memlings Bildnis der Maria Baroncelli von 1470/71 (New York, The Metropolitan Museum of Art) oder dem Porträt der Maria Hoose vom Brügger Meister von 1473 (Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts) bestätigt die Datierung auch angesichts der kostümkundlichen Übereinstimmungen. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
__________________________________________________________________________________

The portrait of a woman in Berlin – the only one by Petrus Christus that is known presents the sitter in an interior which is indicated by a greyish-brown wall with brown wooden panelling. The light that enters from the left contributes to the tangible impression made by the subject and her position in space. The young woman, who turns towards the beholder and regards him attentively, wears a black
velvet bonnet embellished with a gold border and tiny pearls. Her neck is decorated with a precious, elaborate gold chain in three rows. The blue dress is bordered with ermine. A black velvet loop projects downward onto her forehead, from which the hair has been combed back in accordance with the fashion of the times, allowing the contours of the head to emerge prominently. Emanating from her pale face, with its dark eyes and delicately curving lips, is a peculiar fascination. Despite her
aristocratic dignity, the narrow shoulders, slender neck, and delicate body make the sitter seem remarkably fragile. These qualities are underscored by an aura that is somehow strange, womanly yet childlike.

Despite numerous attempts to identify this young woman, her identity remain unknown. One supposition is that she was Isabella of Bourbon (died 1465), the second wife of Charles the Bold of Burgundy. Another proposed identity is Alice, the wife of Edward Grymeston, whose portrait (London, The National Gallery) Petrus Christus painted in 1446. When it was acquired in 1821, the picture was still attached to the putatively original frame, which bore an inscription that was
transcribed by Gustav Waagen in 1824 as “Opus Petri Christophori”. Waagen identified
the young woman as the “niece of the famous Talbot”. Referred to was Lord John Talbot (died 1453), the first Earl of Shrewsbury. The young woman can hardly have been his niece, however, since she had died already in 1421. More plausible candidates would be Talbot’s granddaughters Anne and Margaret, the daughters of the Second Earl of Shrewsbury. In 1468, Elizabeth Talbot, the Duchess of Norfolk, and their aunt, stayed in Bruges in 1468 on the occasion of the wedding of Charles
the Bold and Margaret of York. It is tempting to assume that her two young nieces accompanied her, and that one of them was portrayed by Petrus Christus on this occasion; a hypothesis that is not entirely improbable.

This enigmatic young woman has been situated geographically not just in England, but in France as well. Listed in the inventory of the collection of Lorenzo de’ Medici (1449–92) in Florence, and explicitly identified as a work by Petrus Christus (“opera di Pietro Cresti da Bruggia”), was a portrait of a French lady (“una testa di dama franzese”). Secure authentication for this provenance has however never been produced, just as the names proposed continue to lack reliable evidence up to the present. Meanwhile, a dating of the work to the 1440s, which was advocated earlier, has proven unsustainable. Instead, it must be dated to circa 1470, positioning it within the late phase of this artist’s career. A comparison with Memling’s portrait of Maria Baroncelli of 1470–71 (New York, The Metropolitan Museum of Art) or the portrait of Maria Hoose by the Bruges Master of 1473 (Brussels, Musées Royaux des Beaux-Arts) supports this later dating with regard to correspondences between the costumes as well. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645