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Susanna und die beiden Alten

Ident. Nr.: 828E

ObjID: obj:870320

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 - 1669),
Maler*in
Ausführung: Sir Joshua Reynolds (1723 - 1792),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1647
Weitere Titel
Sammlungstitel: Susanna und die beiden Alten
Übersetzung: Susanna and the Elders
Geografische Bezüge
Amsterdam,
Stadt
Material / Technik
Tropenholz (Amaranth)
Abmessungen
Bildmaß: 76,7 x 92,9 cm

Objektbeschreibung

Rembrandts Darstellung der keuschen Susanna zählt zu den bedeutendsten Werken des Malers in der Berliner Gemäldegalerie. Das Thema entstammt dem Alten Testament, demzufolge in Babylon ein reicher Mann namens Jojakim zusammen mit seiner schönen und frommen Frau Susanna lebte. In seinem Haus verkehrten auch zwei alte, hochangesehene Richter, die in Begierde zu Susanna entbrannten und ihr schließlich beim Baden auflauerten. Gerade als Susanna ihre Dienerinnen fortgeschickt hatte, traten die beiden Alten aus ihrem Versteck hervor und bedrängten sie, ihnen zu Willen zu sein. Sie drohten ihr, sie im Falle der Verweigerung des Ehebruchs mit einem Jüngling zu bezichtigen. Susanna erkannte ihre ausweglose Situation: willigte sie ein, sündigte sie gegen Gott, verweigerte sie sich, drohte ihr die Todesstrafe. Sie blieb jedoch standhaft, weigerte sich und schrie. Auch die beiden Alten riefen lautstark und erklärten, Susanna beim Ehebruch überrascht zu haben, worauf hin diese angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Als man sie zur Hinrichtung führte erkannte der junge Daniel durch eine Eingebung Gottes schließlich ihre Unschuld und entlarvte die Richter, welche an Susannas Stelle hingerichtet wurden.

Rembrandt erfasste die Szene in ihrem dramatischen Höhepunkt. Susanna hat ihr Gewand abgelegt und ist soeben im Begriff ins Wasser zu steigen, als sie von den beiden Alten überrascht wird. Ein Richter ist von hinten an sie herangetreten und hat ihr Lendentuch ergriffen, mit dem sie schützend ihre Blöße zu verdecken sucht, während der zweite sich durch die Gartentür nähert und ihren Körper mit lüsternem Blick betrachtet.
Für die Verwirklichung dieses besonderen Bildes bedurfte es insgesamt dreier Anläufe, bevor es 1647 von Rembrandt vollendet wurde. Der langwierige, sich wahrscheinlich über mehr als 12 Jahre hinziehende Malprozess wurde begleitet von einem regen Austausch innerhalb der Werkstatt. Eine erstaunliche Vielzahl von Zeichnungen und Ölstudien belegen die intensive Auseinandersetzung des Meisters und seiner Schüler mit diesem Thema. Nicht zuletzt zeigt sich, wie dicht sich Rembrandt zunächst noch an das Vorbild seines Lehrers Pieter Lastman hielt. Für sein Susanna-Gemälde orientierte sich Rembrandt an der Komposition Pieter Lastmans, verdichtete jedoch die psychologische Durchdringung des Themas, indem er den Betrachter zum unmittelbaren Zeugen von Susannas auswegloser Situation machte.

In der ersten, vermutlich um 1635 begonnenen Version des Bildes reichte ein ursprünglich strahlend blauer Himmel tief nach unten. Auf der Gartenmauer war ein nach rechts gewandter Pfau und links neben ihm die Figuren der zwei Dienerinnen von Susanna sichtbar. Auf dem Boden und von rechts ins Bild ragend war Vegetation zu erkennen. Susannas Gesicht, mit nach hinten gerichtetem Blick und leicht geöffnetem Mund, war zunächst noch direkt an Lastmans Vorbild angelehnt und dem Betrachter frontal zugekehrt. Sie trug Perlenohrringe und ihre Haare fielen seitlich herab. Ihr abgelegter Mantel war in dieser Version bläulich-weiß gefärbt und mit einer blauen Schärpe versehen. Auch die Figur des Alten hinter Susanna war ursprünglich anders gestaltet. Vermutlich reichte sein vorgestreckter, linker Arm weiter nach oben, so dass er Susannas Schulter ergriffen haben dürfte.
Für die zweite Version ergänzte Rembrandt im Hintergrund die Darstellung mit einer turmartigen Architektur, vor der sich ein hoher Baum befand. Zusätzlich wurden auf dem Wasser ein flatternder Schwan und zwei kleinere Wasservögel eingefügt. Susannas Kopf wurde, mit Blick aus dem Bild, ins Dreiviertelprofil gedreht. Gleichzeitig ordnete Rembrandt ihren linken, in der ersten Version noch eng an den Körper gepressten Unterarm mehr waagerecht an, so dass der Oberarm mit einem größeren Abstand zum Körper fast senkrecht nach unten führte. Entsprechend wurde auch der Alte hinter Susanna korrigiert, so dass er Susanna nun, unter ihrem Arm hindurch, direkt an die Brust griff. Auch Susannas Mantel wurde verändert, indem Rembrandt den Stoff gelb übermalte und mit einer breiteren, roten Schärpe versah. Gleichzeitig wurde rechts das Motiv der roten auf ebener Erde stehenden Pantöffelchen der Susanna hinzugefügt.

Für die dritte und letzte Version des Bildes verkleinerte Rembrandt den hohen Baum vor der Palastarchitektur und färbte den Himmel in einem kühlen Grau. Der aufgeschreckte Schwan und die zwei Wasservögel wurden von ihm entfernt und direkt hinter Susanna in den Felsen eine Aushöhlung in Muschelform eingefügt. Unterhalb von Susannas abgelegtem Mantel fügte Rembrandt eine Steinstufe ein, so dass die Pantöffelchen nun kippelig auf dem Rand zu stehen kamen. Sehr grundlegend beschäftigte sich Rembrandt nochmals mit der Figur der Susanna. Ihr linker Arm wurde erneut beschützend dicht an den Körper herangeführt. Ihr linkes Bein wurde stärker angewinkelt, sodass ihr abgesetzter Fuß nun auf der gerundeten Stufe des Wasserbassins ruht. Auch ihren abgelegten Mantel veränderte Rembrandt nochmals, indem er diesen mit rotem Farblack übermalte. Auch der Alte hinter Susanna wurde nochmals korrigiert. Sein linker Arm wurde zurückgenommen, so dass er nun mit seiner linken Hand ihr Lendentuch ergreifen und es ihr vom Körper zieht. Abschließend dunkelte Rembrandt das gesamte Bild ab. In diesem Zustand signierte und datierte Rembrandt an der unterhalb von Susannas Mantel neu hinzugefügten Stufe sein Gemälde.
Ein Reproduktionsstich von Richard Earlom nach dem Berliner Bild aus dem Jahr 1769 dokumentiert die Version des Gemäldes, die Rembrandt 1647 der Nachwelt hinterließ. Ein Vergleich offenbart schnell, dass an dem Gemälde nach 1769 nochmals umfangreiche Überarbeitungen vorgenommen wurden. Zum großen Erstaunen fanden sich bisher nicht erkannte, umfangreiche Überarbeitungen des Gemäldes aus dem 18. Jahrhundert, die sehr wahrscheinlich Sir Joshua Reynolds vornahm, als sich das Bild von 1769-1792 in seinem Besitz befand. Reynolds eliminierte dabei nicht nur diverse auf dem Schabkunstblatt noch sichtbare Details, sondern griff auch sonst gründlich in das Werk ein. Teilweise entfernte er die ursprünglich sichtbare Malerei von Rembrandt vollständig, bevor er die Partien neu bemalte. In anderen Bereichen dünnte er die vorhandenen Farbschichten, bevor er auch diese übermalte. In einigen kleineren Partien entfernte er nur obere Farbschichten, um sich durch das Freilegen von Malschichten an verschiedenen Stellen Einblicke in das Bild zu erlauben. Abschließend legte er über große Bereiche des Bildes eine dünne grünlichbraune Farbe und veränderte so den ursprünglich kühlen Farbwert des Bildes. Da der Zustand des Bildes auch heute noch sehr gut ist, kann im 18. Jahrhundert keine Notwendigkeit für eine Restaurierung bestanden haben. Es ist daher davon auszugehen, dass es sich bei den Überarbeitungen somit nicht um eine Restaurierung, sondern um eine Art von „Verbesserung“ gehandelt haben dürfte.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: rechts unten: Rembrandt.f.[1]647
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Rembrandt’s painting of the chaste Susanna is among his most important works in the Berlin Gemäldegalerie. The subject is taken from the Old Testament, which reports that a rich man named Joakim lived in Babylon with his beautiful, godly wife Susanna. Two old, respected judges who are visitors to his house ardently desire Susanna, and finally lie in wait when she is bathing. Just as Susanna sends away her maids, the two old men emerge from their hiding place and importune her to let them have their way with her. They threaten to accuse her of adultery with a young man if she refuses. Susanna realises the hopelessness of her situation: if she consents, she commits a sin against God, but if she denies them, she faces a sentence of death. However, she stands firm, refuses and shouts out. The two old men also call out loudly and declare that they have surprised Susanna in the act of committing adultery. At this, she is put on trial and condemned to death. As she is being led to her execution, the young Daniel by divine inspiration realises that she is innocent and reveals the guilt of the judges, who are executed instead of Susanna. Rembrandt captured the scene at its dramatic climax. Susanna has taken off her robe and is about to enter the water when the two old men take her by surprise.
One judge has approached her from behind and grabbed the cloth around her waist with which she is trying to cover her nakedness, while the second comes through a garden gate and eyes her body with a lustful gaze.

For the execution of this remarkable painting, a total of three attempts were necessary before Rembrandt completed it in 1647. The laborious process of painting it, which was probably drawn out over more than twelve years, was accompanied by a lively exchange of ideas within the studio. An astonishingly large number of drawings and studies in oil demonstrate the intensity with which the master and his pupils explored the theme. It is evident that Rembrandt at first closely followed the example of his teacher Pieter Lastman (fig. left). For his painting of Susanna, Rembrandt was guided by Pieter Lastman’s composition, but handled the theme with increased psychological insight by making the beholder an immediate witness to Susanna’s hopeless situation.

In the first version of the painting, probably begun in 1635, a sky that was originally radiant blue extended far down. On the garden wall was a peacock, facing right, and to the left of it Susanna’s two maidservants could be seen. Vegetation was visible on the ground and projecting into the scene from the right. Susanna’s face, as she looked behind her with a slightly open mouth, was at first directly based on Lastman’s model and faced the viewer full-on. She was wearing pearl earrings, and her hair tumbled down at the side. Her discarded robe was coloured blue-white in this version and had a blue sash. The figure of the old man behind Susanna, too, took a different form originally. His outstretched left arm is thought to have extended higher, so that he may have grasped Susanna’s shoulder.

For the second version, Rembrandt added in the background the tower-like architecture, in front of which stood a tall tree. In addition to this, a swan with flapping wings and two smaller waterfowl were placed on the water. Susanna’s head was turned, looking out of the picture in three-quarter profile. At the same time Rembrandt arranged her left hand, still closely held to her body in the first version, in a more horizontal position so that her upper arm pointed almost vertically downwards, further away from her body. To match this, an alteration was made to the old man behind Susanna so that he now directly reached through beneath her arm to touch her breast. Susanna’s robe, too, was changed: Rembrandt overpainted the fabric in yellow and gave it a wider sash in red. At the same time, the motif of Susanna’s red slippers placed on flat ground was added on the right.

For the third and final version of the painting, Rembrandt reduced the size of the tall tree in front of the palace like building and gave the sky a cool grey colour. He removed the startled swan and the two waterfowl, and inserted a shell-shaped cavity into the rock right behind Susanna. Beneath Susanna’s cast-off robe, Rembrandt added a stone step, so that the slippers now stood precariously on the edge. He also devoted himself once more to the figure of Susanna, in an extremely fundamental way. Her left arm was again pressed close to her body in a protective gesture. Her left leg was bent more, so that her raised foot now rested on the curved step of the pool of water. Rembrandt also altered her discarded robe once again by overpainting it in red varnish. The old man behind Susanna, too, was amended once more. His left arm was drawn back so that he now takes hold of the cloth around her waist with his left hand and pulls it from her body. Finally, Rembrandt made the whole
picture darker. In this condition, he signed and dated his painting on the newly added step below Susanna’s robe.

A reproduction engraving by Richard Earlom of 1769 based on the work now in Berlin records the version of the painting that Rembrandt left to posterity in 1647 (fig. right). A comparison quickly reveals that extensive alterations were undertaken again after 1769. Most astonishingly, far-reaching, previously unidentified changes to the work were made in the 18th century, in all probability by Sir Joshua Reynolds when it was in his possession between 1769 and 1792. Reynolds not only eliminated various details that were visible on the mezzotint, but also intervened in the work thoroughly in other ways. In places, he completely removed Rembrandt’s originally visible painting and then newly painted these areas. In other places, he made the existing layers of paint thinner before overpainting them. In a few small areas, he removed the upper layers of paint only in order to gain insights into the picture by uncovering painted layers in various places. Finally, he coated a large surface of the work with thin, green-brown paint, thus changing the originally cool colouring of the scene. As the work remains in an excellent condition to this day, there can have been no need for restoration in the 18th century. It may therefore be assumed that these alterations must have been a kind of “improvement” rather than a restoration.| 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754