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Die drei Musikanten

Ident. Nr.: 413F

ObjID: obj:870321

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Diego Rodríguez de Silva y Velázquez (1599 - 1660),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1616 - 1618
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die drei Musikanten
Übersetzung: The Three Musicians
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 90,4 x 113,2 cm

Objektbeschreibung

Bevor Diego Velázquez 1623 in Madrid zum Hofmaler ernannt wurde, schuf er in Sevilla zahlreiche Genrebilder mit stillebenhaften Elementen, so genannte »bodegones«. Bereits Francisco Pacheco pries die außergewöhnlichen Fähigkeiten seines Schülers und Schwiegersohnes in dieser vermeintlich niederen Gattung und stellte dessen Bilder in eine Tradition mit der antiken Malerei. Wie erfolgreich die »bodegones« schon damals waren, wird dadurch belegt, dass allein von den „Drei Musikanten" fünf Versionen überliefert sind. Obwohl das Berliner Bild als das qualitätvollste gilt, wurde auf Grund der uneinheitlichen Lichtführung und der unstimmigen Raumkonstruktion an der eigenhändigen Ausführung durch Velázquez gezweifelt. Andere Autoren erkennen hingegen gerade hierin ein Indiz dafür, dass es sich um eines der frühesten von ihm erhaltenen Gemälde handelt, das noch während seiner Ausbildung in der Werkstatt Pachecos entstand.
Drei junge Musikanten drängen sich in einem engen, dunklen Raum um einen spärlich gedeckten Tisch. Ihre markanten, mit kräftigen Licht- und Schattenpartien modellierten Gesichter zeichnen sich hart von den dunkelgrauen Wandflächen hinter ihnen ab. Schelmisch grinsend und in der linken Hand ein bis zum Rand gefülltes Glas balancierend, fordert der vor dem Tisch stehende Knabe den Betrachter auf, dem angeregten Musizieren seiner Begleiter zu lauschen. Der Musiker an der Rückseite der Tafel singt mit weit geöffnetem Mund und ekstatisch verdrehten Augen zum Spiel der Gitarre, während ein etwa gleichaltriger Geigenspieler versucht, ihn zu begleiten. Auf dem grünen Tischtuch sind mehrere Gegenstände stillebenhaft arrangiert. Auf einer akkurat gefalteten weißen Stoffserviette, unter der ein glänzender Silberteller hervorlugt, liegt ein knuspriges Brötchen. Darunter klemmt griffbereit ein Messer. Ein weiteres Messer steckt in der Mitte einer flachen runden Dose, neben der ein halbvolles trichterförmiges Glas steht. Vervollständigt wird die Szene durch ein Äffchen, das links hinter dem Knaben hockt und eine Birne hält. Den Jungen imitierend, schaut es nach vorne aus dem Bild.
Auf den ersten Blick mutet die Szene wie die Schilderung einer alltäglichen Begebenheit an. Drei Musikanten haben sich zur Unterhaltung der Gäste in einer einfachen Taverne, einer so genannten »bodega«, eingefunden. Bei genauerer Betrachtung entzieht sich die Darstellung jedoch einer eindeutigen Interpretation. Das gerahmte Gemälde an der Wand, auf dem Versatzstücke einer Landschaft zu erahnen sind, könnte ebenso auf ein wohlhabendes Ambiente hindeuten. Als Bild im Bild thematisiert es das eigene Tun des Malers und verweist, wie auch die herausfordernden Blicke des Affen und des Knaben, auf das Sehen im Allgemeinen. Durch das Musizieren wird das Hören evoziert. Die mimetisch genaue Schilderung der auf dem Tisch dargebotenen Gegenstände fordert den Tastsinn heraus, und durch das Brot und die Getränke sind das Schmecken und Riechen angesprochen. Demzufolge kann das Gemälde als allegorische Darstellung der Sinne verstanden werden. Zugleich ist aber auch eine moralisierende Deutung nicht auszuschließen: Der eine Frucht essende Affe ist ein häufig verwendetes Sinnbild für die niederen Instinkte und die Triebhaftigkeit des Menschen. Das hingebungsvolle Musizieren der jungen Männer kann auf den übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke zurückgeführt werden. Doch stellt das Gemälde tatsächlich ein aus moralischer Sicht verwerfliches Tun vor Augen und ermahnt den Betrachter dadurch zu einem vorbildlicheren Handeln? Sollte die Betrachtung solcher Bilder, wie Pacheco schreibt, nicht doch vor allem der Belustigung des Publikums dienen? Fest steht, dass dieses neuartige, nicht an Konventionen gebundene Sujet einem jungen Maler wie Velázquez die Möglichkeit bot, sein Können und seine Kreativität unter Beweis zu stellen.| Sven Jakstat
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Before being appointed court painter in 1623, Diego Velázquez created numerous "bodegones" – genre paintings featuring still-life elements – in Seville. Francisco Pacheco extolled the exceptional talents of his student and son-in-law in this supposedly inferior genre and placed his pictures in the tradition of the painting of classical antiquity. The existence of no fewer than five versions of "The Three Musicians" shows just how popular the "bodegones" were even at that time. Although the Berlin painting is regarded as the best of the five, the lack of uniformity in the direction of the light and the discrepancies in the spatial construction have raised doubts about Velázquez’s authorship. For other art historians, however, these very factors indicate that the work is Velázquez’s oldest surviving painting.
Three young musicians are crowded into a small, dark room around a sparsely laid table. Their distinctive faces, modelled in strong light and shadow, contrast starkly with the dark grey surfaces of the wall behind them. Grinning mischievously and balancing a glass filled to the brim in his left hand, the boy standing at the table challenges the viewer to listen to the animated playing of his companions. The musician at the back of the panel strums his guitar and sings with his mouth thrown open and his eyes rolling ecstatically, while a violinist of a similar age accompanies him. On the green tablecloth a number of objects are arranged like a still life. A fresh bread roll sits atop a neatly folded, white linen napkin that reveals the edge of the shiny silver plate beneath it. A knife protrudes from under the bread roll, ready to be grasped. Another knife is sticking into the middle of a flat, round box placed next to a half-filled, funnel-shaped glass. The scene is completed by a monkey which squats behind the boy on the left with a pear in its hand. In imitation of the boy, it gazes straight ahead out of the painting.
At first glance, the scene seems to depict an everyday event. Three musicians have gathered in a "bodega", a simple tavern, to entertain the guests. On closer inspection, however, the image resists unequivocal interpretation. The framed painting on the wall, in which one can make out fragments of a landscape, could equally suggest an affluent setting. As a painting within a painting, it addresses the artist’s own undertaking and refers – like the confrontational gazes of the monkey and the boy – to the act of seeing in general. The musicians evoke the sense of hearing, the exact mimetic depiction of the objects on the table references the sense of touch, and the bread and drinks address taste and smell. The painting can thus be interpreted as an allegory of the senses. At the same time, however, a moralistic interpretation cannot be ruled out. The monkey eating a piece of fruit is a common symbol of humankind’s baser, animal instincts; the young men’s ardent music making can be attributed to immoderate alcohol consumption.
But is the painting really a display of morally reprehensible behaviour intended to exhort viewers to conduct themselves more commendably? Do such pictures, as Pacheco suggests, not serve primarily as entertainment? What we know for certain is that the novel subject matter, which was not bound by convention, provided a painter like Velázquez with an opportunity to demonstrate his skills and creativity.| Sven Jakstat

Letzte Aktualisierung: 13.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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