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Parklandschaft mit Schloss

Ident. Nr.: M.508

ObjID: obj:870385

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hans Bol (1534 - 1593),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1589
Weitere Titel
Sammlungstitel: Parklandschaft mit Schloss
Übersetzung: Park Landscape with Castle
Geografische Bezüge
Material / Technik
Wasserfarbe & Pergament
Abmessungen
Bildmaß: 23,7 x 33,1 cm

Objektbeschreibung

Von einem erhöhten Standpunkt aus fällt der Blick auf eine prächtige Schloßanlage inmitten eines gepflegten Parks, der in eine weite sommerliche Flachlandschaft mit Wiesen, Baumreihen, Kanälen und ausgedehnten Wasserflächen übergeht. Am Horizont sind die Türme einer fernen Stadt zu erkennen. Schloß und Park bilden die Kulisse für das bunte Treiben unzähliger Bildfiguren. Ein am linken Bildrand aufragender Baum und ein vom rechten Bildrand stark überschnittenes Gebäude rahmen auf beiden Seiten den Blick in die Weite. Sie wirken versatzstückhaft und erinnern an Kulissen auf der Bühne eines Theaters. Auf diese Weise entsteht der Eindruck, als blicke man in einen Guckkasten, der für den Betrachter ebenso vielfältige wie überraschende Einblicke bereithält. Die Nahsichtigkeit der bunten Szenerie trägt mit dazu bei, die Distanz zum Betrachter zu verringern. In der Schloßanlage glaubte man den Binnenhof und Rittersaal in Den Haag zu erkennen, während die am Horizont aufragende Stadt an die Ansicht Delfts erinnert. Der Schloßbereich und seine nähere Umgebung sind von vornehm gekleideten Menschen, von Pferden, Hunden und Kutschen belebt. Im Vordergrund findet ein Fest mit Musikanten, tanzenden Paaren und Höflingen statt, die sich unterhalten oder als Zuschauer einem Ballspiel beiwohnen. Wir sehen neun Spieler, die, in zwei Gruppen geteilt, einander meh rere Bälle zutreiben. Es ist ein Spiel, das, ähnlich wie das Faustballspiel, Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit erfordert. Der schwere lederne Ball wird mittels einer hölzernen Armwehr über eine Linie geschlagen, die ein Diener mit dem Stock im Gras markiert. Daneben sieht man einen Balljungen, der einen schlaffen Lederball aus dem Spiel holt, während ein anderer einen Reserveball aufpumpt. Das in der dargestellten Form seit dem 16. Jahrhundert in Italien als »giuoco del pallone« bekannte »Ballonspiel« hatte sehr bald an den Höfen aller europäischen Länder Aufnahme gefunden, wo es sich als sportlicher Zeitvertreib des Adels größter Beliebtheit erfreute. Diener, die mit Getränken und Speisen über das Spielfeld eilen, sorgen für das Wohl einer vornehmen Tischgesellschaft. Diese hat sich bei Musik zur zwanglosen Unterhaltung in einem von Rosen berankten Gartenpavillon eingefunden, den ein Standbild der Göttin Fortuna bekrönt. In den Höfen und Gärten des Schlosses sieht man lustwandelnde Menschen. Andere üben sich im Bogenschießen, reiten zur Jagd aus oder haben sich den Bootspartien auf den Schloßteichen angeschlossen. Auf einer Insel im hinteren Teich erkennt man ein kreisrundes Labyrinth aus niedrigen Hecken. Möglicherweise verbindet sich damit eine Warnung an die galante Gesellschaft, sich nicht in den Irrgarten der Liebe und Leidenschaft zu begeben, in dem man sich leicht verliert, dem man aber nur schwer entrinnen kann. Vielleicht soll auch das Standbild Fortunas an die Unbeständigkeit des Glücks gemahnen. In die gleiche Richtung weist das Ballspiel, das oft als Sinnbild der Unbeständigkeit und der Wechselfälle des Lebens gedeutet wurde. Daneben galt das Aufblasen des Balles als ein erotisches Motiv, das in der Emblemliteratur der Zeit als Hinweis auf das Liebesspiel und dessen Folgen verstanden wurde. Das Liebespaar im Rücken des mit der Pumpe hantierenden Balljungen läßt keinen Zweifel an der Interpretation aufkommen. In einer anderen, vier Jahre zuvor entstandenen Miniatur hatte Hans Bol einen volkstümlichen Wettkampf auf dem Weiher in Den Haag geschildert, bei dem die in leichten, schwankenden Kähnen stehenden Gegner versuchen, einander mit hölzernen Stangen ins Wasser zu stoßen. Hans Bol gehört neben Hieronymus Cock (1507-1570) und Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525/30-1569) zu den Hauptvertretern der niederländischen Landschaftskunst im 16. Jahrhundert. Die Malerei mit Wasserfarben auf Leinwand hatte der Künstler in Mecheln erlernt. Neben den »gemalten Tüchlein« entstanden später in seiner Werkstatt in Antwerpen sowie zuletzt in Amsterdam Miniaturbilder in Aquarell- und Temperatechnik auf Pergament, die er als besondere Kunstrichtung weiterentwickelte. Die in der sogenannten Gouachemalerei ausgeführten Bilder stellen eine eigene Gattung der Malerei dar, die man als »Kabinettminiatur« bezeichnet. Den Bildtyp der Flachlandschaft hat Hans Bol in seinem reifen Schaffen in zahlreichen Miniaturen mit Schloßansichten und bunter Figurenstaffage auf unverwechselbare Weise gestaltet. Seine miniaturhaften Landschaftsbilder waren gesuchte und begehrte Sammelobjekte, die sich schon früh in den Kunstkammerinventaren fürstlicher Sammlungen nachweisen lassen. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten am Baumstamm: HANS:BOL / 1589
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From an elevated standpoint, our gaze falls downward onto a splendid palace, set in the middle of a well-maintained park, which merges into a flat, expansive summer landscape with meadows, rows of trees, canals, and extensive bodies of water. Recognisable on the horizon are the towers of a distant town. Palace and park form the backdrop for the busy doings of countless figures.

This view into the distance is framed along the left-hand side of the image by a towering tree, and on the right by a building, nearly all of which is cut off from view. They function here as set pieces, and recall the scenery of a theatre stage. As a result, one has the impression of gazing into a peep box, which holds various and astonishing views ready for the beholder’s enjoyment. The detail with which the colourful
scenery has been rendered does much to reduce a sense of distance from the viewer.

The palace itself seems reminiscent of the Binnenhof and Ridderzaal in The Hague, while the town that looms up on the horizon seems to recall a view of Delft. The palace and environs are enlivened by elegantly dressed people, along with animals, dogs, and coaches. Taking place in the foreground is a celebration with musicians, dancing couples, and courtiers, who engage in conversation or watch a ballgame. We see nine players, divided into two groups, who drive a number of balls towards one another. Not unlike fist ball, this game requires strength, endurance, and skill. The heavy, leather ball is hit across the line by means of a curved wooden stick, and is marked in the grass by a servant with a stick. Next to him, we see a ball boy, who removes a limp leather ball from the game, while another pumps up a reserve ball.

The “ball game”, familiar in Italy beginning in the 16th century as the “gioco del pallone”, was taken up at courts throughout Europe, where it enjoyed great favour as a sporting diversion among the aristocracy. The servants, who hurry across the playing field with drinks and food, ensure the well-being of a genteel dinner party. This group has arrived, accompanied by music, at a garden pavilion that is overgrown with roses and crowned by a statue of the goddess Fortuna, and its members are
now engaged in relaxed conversation. Visible in the courtyards and gardens of the palace are promenading figures. Others practice archery, go hunting on horseback, or join boating parties on the palace ponds.

Recognisable on an island situated in the middle of the rearmost pond is a circular labyrinth consisting of low hedges. Conceivably, this motif may be interpretable as an admonition to this gallant society to avoid entering the maze of love and passion, where one readily loses oneself, and from which escape can be difficult. It may be that the statue of Fortuna warns as well of the impermanence of happiness. Pointing in the same direction is the ball game, which often serves as a symbol for the volatility and vicissitudes of life. The inflation of the ball, meanwhile, serves as an erotic motif, serving in the emblem literature of the time as a reference to lovemaking and its consequences. The romantic pair visible behind the ball boy who is busy with the pump leaves little doubt about this interpretation. In another miniature produced four years before the present picture, Hans Bol depicts a popular contest on the court pond in The Hague, where the antagonists stand on lightweight, unsteady rowboats, attempting to push each other into the water with wooden poles.

Alongside Hieronymus Cock (1507–70) and Pieter Bruegel the Elder (circa 1525/30–69), Hans Bol is among the key representatives of Netherlandish landscape in the 16th century. In Mechelen, he learned the art of painting with watercolour on canvas. Produced later alongside such “painted cloths” in his workshop in Antwerp, and finally in Amsterdam, were miniature paintings in watercolour and tempera on parchment, which he developed further as a specialised art form. The painting executed in so-called gouache represented an independent genre which is referred to as the “cabinet miniature”. During his late period, Hans Bol placed his unmistakable stamp on the pictorial type of the flat landscape, producing numerous miniatures featuring palaces with colourful accessory figures. His miniature-style landscape paintings were sought after and coveted by collectors, and their early presence in the inventories of princely art collections is well documented. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019