Logo

Tafel mit Szenen aus dem Leben heiliger Einsiedler

Ident. Nr.: 1086

ObjID: obj:870535

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Bartolo di Fredi (ca. 1330 - 1410),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1380 - 1390
Weitere Titel
Sammlungstitel: Tafel mit Szenen aus dem Leben heiliger Einsiedler
Übersetzung: Scenes from the Life of Sacred Hermits
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 32,7 x 88,2 cm

Objektbeschreibung

Teilstück einer Predella


Vgl. Kat. 1085
aus: Geschichten auf Gold, Berlin 2005, Kat. 9: Autor, S. Weppelmann

Die beiden Tafeln zeigen Szenen aus der Legende der Einsiedler Antonius Abbas und Paulus des Eremiten. Die Textgrundlage für Darstellungen des Einsiedlerlebens sind die Lebensbeschreibungen der „Heiligen Väter des Mönchtums“ des Fra Domenico Cavalca (1270-1342). In Bezug auf das Antoniusleben ist speziell die Vita Antonii zu nennen (um 356), auf die Cavalca rekurriert. Die Berliner Tafeln weisen jedoch eine besondere Ikonographie auf, die sich nicht aus diesen Quellen allein erklärt. Für sie ist die Vita Pauli des Hieronymus relevant sowie die teils darauf fußende Legende von Patras, die ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Umlauf war. Angesichts dieser Textgrundlagen ergibt sich folgende Bilderzählung für die Berliner Stücke:

9a. Antonius trifft Agathon, die Begegnung von Antonius und Paulus, das Mahl der Einsiedler Antonius gründet in Patras einen Konvent. Ihm wird im Traum die Existenz des Eremiten Paulus offenbart. Diesen heiligen Einsiedler aufzusuchen und von ihm zu lernen, macht Antonius sich auf den Weg. In der Einöde sieht er eine durstige Wölfin, der er folgt. Unterwegs trifft er auf Agathon, einen Eremiten, der dem Leben in Einsamkeit und den damit verbundenen Entbehrungen nicht hat entsprechen können. Die Patras-Legende berichtet, Agathon sei der Sodomie verfallen und habe sich in unlauterer Absicht einer Hirschkuh genähert. Zur Strafe musste er fortan das Geweih eines Hirsches tragen. In der darauf folgenden Szene erfährt Antonius von Agathon den rechten Weg und gelangt an die Eremitengrotte des Paulus, der ihn zunächst für einen Eindringling hält und abweist. Als er schließlich von der Redlichkeit des Ankömmlings überzeugt ist, empfängt er Antonius. Die beiden Heiligen setzen sich gemeinsam an eine Quelle deren Wasser die Wölfin angezogen hatte. Dort reicht ihnen ein von Gott gesandter Rabe einen Brotlaib. Nach dem Mahl offenbart Paulus seinem Gast, dass sein Ende nahe sei und bittet, dass Antonius den Leichnam Pauli in einen Mantel einschlage, und zwar jenen, den Antonius einstmals durch den Bischof Athanasius erhalten hatte.

Tod des Hl. Paulus, Antonius bestattet Paulus, Antonius kehrt mit Agathon in den Konvent zurück
Antonius kehrt daraufhin zu seiner Abtei zurück, um dieses Kleidungsstück zu holen. Inzwischen stirbt Paulus, kniend im Gebet vor seiner Grotte, und seine Seele fährt zum Himmel auf. Der Maler stellt die Seele als kleine menschliche Gestalt – gemeint ist ein Neugeborenes als Bild des im Tode neu beginnenden Lebens – in der linken oberen Ecke der Bildtafel dar. In der nächsten Begebenheit trifft Antonius mit dem Mantel des Athanasius ein, in den er den Verstorbenen einschlägt. Er kann den Toten jedoch angesichts des harten Bodens nicht beisetzen. In seiner Not kommen ihm zwei Löwen zur Hilfe, die mit ihren Klauen ein Grab ausheben. In Begleitung Agathons, der nach der Beichte von den Hirschgeweih befreit wird, kehrt Antonius in sein Kloster zurück.
Die Landschaft bildet Barrieren aus, mit denen die einzelnen Szenen voneinander separiert werden. Gesten und Haltungsmotive unterstreichen das Geschehen. Um die Erzählung klar zu gestalten, hat der Maler die beiden Hauptfiguren in der Haartracht sowie in den Gewandungen differenziert, auffallend ist der Habit des Paulus, der, so die Quellen, aus Palmenblättern geflochten war.
Die Autorschaft dieser Tafeln blieb bislang ungeklärt: 1987 bekräftigte Miklòs Boskovits, dass es sich – wie zuvor von anderen vermutet – um Arbeiten handle, die von der Hand eines pisanischen Künstlers stammten und zeitlich um 1370 anzusetzen seien. Mojmír S. Frinta sprach die beiden Bildwerke 1998 hingegen als „florentinische“ bzw. „florentinisch-pisanische“ Arbeiten an.
Ikonographische wie formale Voraussetzung für die Berliner Werke sind die sogenannten Thebaidendarstellungen – Bilder also, welche das Leben der heiligen Einsiedler zum Thema haben. Dies dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass seit 1885 eine Verbindung zur pisanischen Kunst gesehen wurde, denn dort befindet sich die berühmteste und bei Weitem monumentalste Darstellung der Thebais (Camposanto). Allerdings müssen wir den Blick über Pisa hinaus weiten, zumal das Bildthema nicht dort entsteht, sondern aus byzantinischen Koimësis-Darstellungen, den Schilderungen von Tod, Exequien und Himmelfahrt heiliger Personen also, hervorgeht und sich dann rasch innerhalb der Toskana verbreitet. Wichtige Zentren sind Florenz und besonders Siena, wo sich Wandbildzyklen vom Einsiedlerleben im ehemaligen Hospital Santa Maria della Scala (um 1350) und im Kreuzgang von Santa Marta (um 1400) erhalten haben. Insbesondere die verschiedenen Antonitengemeinschaften, die in Siena und dessen Umland diverse Konvente unterhielten, gaben Thebaiden in Auftrag. Hervorzuheben sind die Benediktiner- und auch die Augustiner-Eremiten, die, zum Teil durch die Sieneser Bischöfe mit besonderen Privilegien ausgestattet, große Abteien unterhielten.
Unser Maler zeigt keine Reminiszenz an bestimmte toskanische Wand- oder Tafelmalereien mit Thebais-Thematik. Zumindest latente formale Bezüge zu den Fresken des Camposanto wären jedoch zu erwarten, würde es sich beim Autor der Berliner Stücke um einen Pisaner Meister handeln.
Eine Neubewertung der Tafeln wird durch die unlängst erfolgte Restaurierung möglich. Tatsächlich sind beide Bilder der Sienesischen Kunst zuzurechnen. Betrachtet man die reiche Tierwelt, die eine Verwendung von Musterbüchern impliziert, muss sich das Augenmerk auf die Werkstatt des Bartolo di Fredi (um 1330 – 1410) richten, der zeitweise auch dessen Sohn Andrea und diverse Gehilfen angehörten. Deutliche stilistische Parallelen ergeben sich zu zwei kleinen Täfelchen, die sich heute in der Pinakothek zu Siena befinden und – darin ist sich die Forschung einig – Bartolos Werkstatt entstammen. Diese zeigen die Eremiten Antonius und (?) Onophrius. Besonders die Darstellung des Hl. Onophrius ist aussagekräftig. Der Heilige erscheint zwar, seiner traditionellen Ikonographie entsprechend nackt und frontalansichtig, doch finden wir in seinen graphisch überzeichneten Händen, auf deren Rücken sich die Knochen markant unter der Haut abzeichnen eine augenfällige Parallele zur Bildung der Hände bei den Figuren auf den Berliner Stücken. Auch die Anlage des Barthaars des Sieneser Eremiten verweist auf die Predella der Gemäldegalerie. Hier wie dort ist die Barttracht von hellem, fast metallisch zu nennenden Glanz, und die Strähnen sind so angeordnet, dass sie mittig geteilt fast horizontal abstehen. Für unseren Zuschreibungsvorschlag kommen uns die Elemente der Landschaft besonders zu Pass. Gerade im Bereich dieses, für die Handlung nur mittelbar relevanten „Beiwerks“ offenbart sich der individuellen Stil eines Künstlers. Der links neben Onophrius stehende Baum ist in seiner Binnenstruktur von sternförmig angeordneten Blattknospen geprägt und einzelne kleine Blättchen ragen über den Kontur seiner Krone hinaus, so dass diese wie vom Wind bewegt erscheint. In genau dieser Weise sind einige der Bäumchen angelegt, die auch auf den Berliner Tafeln zu sehen sind. Auch der rechte Baum neben Onophrius, jener, dessen Krone wie von aufgesetzten Grasbüscheln strukturiert ist, findet sich analog auf den Berliner Stücken: rechts neben dem Gebäude, vor dem Antonius steht und am linken Bildrand der zweiten Tafel, vor dem knienden Paulus. Mühelos ließen sich des Weiteren die Felsformationen von der Onophrius-Tafel in die Eremitenszenen transponieren, hier wie dort prägt sie ein graugrünes Kolorit, das, wo verschattete, gratige Eintiefungen erscheinen, bis ins Grauschwarz geführt wird, und auffallend ist auch der hier wie dort leicht kurvenförmige Anstieg der Gesteinsmassen. Die Felsen sind von kleinen, vereinzelt stehenden Gräsern bewachsen, deren Halme manchmal ein dreieckiges Blatt bekrönt; zuweilen liegen sie flach über dem Boden und tragen dann kleinste Blättchen. Das Vorkommen genau dieser Pflanzen in den Berliner Tafeln kommt einer Signatur desjenigen Malers gleich, der auch die Sieneser Onophrius-Darstellung schuf. Jedoch weisen die Predellen der Gemäldegalerie eine über das Sieneser Stück hinausgehende Qualität auf, gerade auch wegen der hier präsenten reichhaltigen Fauna, die an Bartolos Fresken in der Collegiata zu San Gimignano denken lässt. Es wird sich somit tatsächlich um Werke handeln, die Bartolos Werkstatt entstammen und die unter maßgeblicher Beteilung des Meister selbst geschaffen wurden; eine Mitarbeit eines Sohnes Andrea ist allerdings nicht auszuschließen. Die Tafeln dürften Bartolos reifer Schaffenszeit, genauer dem Jahrzehnt zwischen 1380 und 1390 zuzurechnen sein, in dem er mit seiner Werkstatt auch das riesige Altarwerk für die Annunziata-Kapelle in San Francesco zu Montalcino schuf (dokumentiert zwischen 1383-1388). Auch zu diesem Werk ließen sich, mit Blick auf die Berliner Tafeln, zahlreiche Parallelen hinsichtlich der Figurenbildung und Haltungsmotivik aufzeigen.
Dass wir es bei den Berliner Werken tatsächlich mit einem Produkt dieser spezifischen Werkstatt zu tun haben, attestiert schließlich die Analyse der Motivstempel, mit denen der Goldgrund punziert ist. Bartolo kollaboriert gegen Ende des Jahrhunderts, gemeinsam mit seinem Sohn Andrea, auch mit dem Sieneser Maler Luca di Tommè. Diese dokumentierte Kooperation ist von großer Bedeutung für unseren Zusammenhang, da einer der punktierten Vierpass-Motivstempel, der in den Aureolen auf den Berliner Stücken vorkommt, von Luca di Tommè stammt. Wir können deshalb nicht ausschließen, dass die Berliner Tafeln einstmals zu einem größeren Retabel gehörten, das ein Gemeinschaftsprodukt der Werkstatt Lucas und jener Bartolos war. Da wir die malerische Ausführung der beiden Berliner Bilder jedoch allein Bartolos Umfeld zurechnen können, ist eher wahrscheinlich, dass die Präsenz einer Motivpunze des Luca di Tommè dem gängigen Austausch solcher Werkzeuge zwischen befreundeten Meistern (Austausch inter vivos) geschuldet ist. In Bezug auf die Ornamentierung des Goldgrundes lässt sich schließlich feststellen, dass die Punzierung, wie sie am oberen Bildrand der Berliner Bildplatten erscheint, mehrfach analog in anderen Predellenstücken begegnet, die Bartolo di Fredi schuf.
Die beiden Tafeln weisen typische Ecküberrahmungen auf und rekapitulieren damit eine seit der zweiten Hälfte des Trecento in der Toskana gängige Predellenform, für die der Strozzi-Altar des Andrea Orcagna (Abb. – Aufsatz Mädger) das bekannteste Beispiel ist. Problematisch bleibt allerdings die Rekonstruktion des Retabels, zu dem sie gehörten.

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019