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Heiliger Michael

Ident. Nr.: 370

ObjID: obj:870718

Details (Expert)

Datierung
Datierung: Anfang 15. Jahrhundert
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 138 x 64 x 45 cm
Erwerbung
Erworben 1881 vom Nürnberger Bildhauer Jakob Rotermundt (1837–1921), der an verschiedenen Instandsetzungen von Bauwerken der Stadt (Frauenkirche u. a.) beteiligte war und in der Halbwachsengasse 6 auf der Sebalder Seite eine Sammlung alter Skulpturen angelegt hatte. Nach Rotermundt stammt die Figur „aus dem Innern eines Nürnberger Hauses“, wobei es sich nur um einen sekundären Zusammenhang gehandelt haben kann. 1945–90 Ost-Berlin. Derzeit Dauerleihgabe im Burgmuseum Ziesar.

Objektbeschreibung

Auf einer flachen, unregelmäßig polygonalen Plinthe steht der Erzengel Michael aufrecht, fast säulenhaft gerade und stößt eine nur in ihrer mittleren Partie noch ursprüngliche Lanze in das Maul des samt Hals vollständig erneuerten Drachenkopfs. Während das linke Standbein mitsamt dem Fuß gänzlich unter dem Gewand verschwindet, ist das rechte Bein leicht nach außen gestellt, sodass sich das Knie durch den Stoff drückt. Somit wird der Tritt des rechten Fußes (Zehen erneuert) auf den Schwanz des Drachen betont, dessen Spitze sich um den Engel windet und in dessen Rücken wieder emporrankt. Abgesehen von diesen knappen Berührungen sind Erzengel und Drachen weitgehend separiert komponiert, Spannung durch Interaktion oder gar Dramatik fehlt. Zu unterlegen und geradezu wehrlos ist der relativ kleine Drachen mit kurzen Vogelkrallen und verkümmerten Flügeln mit schneckenartig eingerollten Spitzen. Das wird auch mit dem originalen Kopf kaum anders gewesen sein – zumal der breitschultrige Michael mit seinen ursprünglich höher und weiter ausgespannten Flügeln noch imposanter und kraftvoller gewirkt hat als mit den schematisch geraden und viel zu bescheidenen heutigen Flügeln des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Hinzu kommt die ehemals längere Lanze.

Ruhig und überlegen wirken auch die Handgriffe, die der Erzengel zum tödlichen Stoß benötigt: Der Kraft ausübende rechte Arm ist knapp angewinkelt, der linke locker nach unten gelegt, um die Richtung des Stoßes zu lenken. Das Haupt ist nach rechts gewandt, der Lanze folgend, und leicht gesenkt. Gegenläufig zur Stoßrichtung sind die Falten des langen Mantels arrangiert, der von der rechten Schulter über den Körper gezogen und unter dem linken Arm eingeklemmt ist, sodass von dort aus strahlenförmige Bahnen nach links verlaufen. Im linken Halbprofil wirkt die Figur massig und wenig strukturiert, von rechts sind unbewegte und kleinteilige Faltenkaskaden hinter dem Drachen zu sehen. Auffällig sind die voluminöse Mantelschließe in Form eines Kleeblattkreuzes auf der Brust und die Schnürung des Wamses unmittelbar darunter. Die Schließe ist nicht waagerecht, sondern scheint durch Haltung und Lanzenstich des Engels verrutscht – eine der wenigen Andeutungen von Anstrengung.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 13.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM