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Die Verherrlichung der heiligen Ottilie

Ident. Nr.: 2054

ObjID: obj:870766

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Otto Gebhardt (1700 - 8.3.1773),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1735
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Verherrlichung der heiligen Ottilie
Übersetzung: The Glorification of Saint Odile
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 78 x 57,5 cm
Erwerbung
1928 Schenkung von Dr. Adolf Gottschewski, Hamburg/Berlin

Objektbeschreibung

Herzog Athich, der Vater der blind geborenen Ottilie beabsichtigte, diese wegen ihres schweren Leidens töten zu lassen. Auf Betreiben der Mutter Bethsvinda wurde aber das grausame Ansinnen verhindert. Während eines klösterlichen Asyls erhielt Ottilie auf wunderbare Weise das Augenlicht zurück. Nach der später erfolgten Aussöhnung mit dem Vater, schenkte dieser der Tochter ein exponiertes Grundstück, auf dem sie das Kloster Odilienberg (in Obernai bei Straßburg gelegen) bauen ließ. Als Äbtissin stand Ottilie auch einer zweiten Klostergründung am Fuß der Hohenburg (Neumünster) vor. Sie gilt als Patronin des Elsass und wird vornehmlich von Blinden und an den Augen Leidenden angerufen.
Himmlisches Licht fällt durch die zentrale Kuppelöffnung in einen phantastisch anmutenden Tambour-Raum. Auf dem Gesims versammeln sich Aussätzige und Krüppel unter dem Geläut des Heiligen Antonius Eremita, ihres Schutzpatrons. Verzückt wenden sie ihre Blicke nach oben, wo die Heilige Ottilie im Äbtissinnengewand mit Krummstab, umringt von der Trinität ihrer christlichen Tugenden, auf einem Wolkenflor sitzt. Der Engel im roten Kleid mit einem glühenden Herzen in der Rechten verkörpert die Nächstenliebe (Caritas), die teilweise verdeckte Engelsfigur mit dem Kreuz stellt den Glauben (Fides) dar, die grün gewandete Figur mit dem Anker in der Rechten präsentiert die Hoffnung (Spes). Zwei Engel weisen im rechts angrenzenden Gesimsbereich den weiteren Weg dieser „Himmelfahrt“. Christus kündigt mit einer Geste des rechten Armes Gott empfehlend die fromme Frau an. Mit dem Zepter über den Erdball weisend, gebietet dieser ihre Aufnahme in das Reich, das nicht von dieser Welt ist. Gemeinsam mit der darüber in der Kuppelöffnung sichtbaren Taube, dem Symbol des Heiligen Geistes, befindet sich dort sowohl im theologischen Sinn als auch in der Komposition die höchste Sphäre. Die Auserwählte wird von einer Trinität in die nächst vollkommenere getragen.
Das Berliner Gemälde ist der Entwurf für das Langhausfresko der Wallfahrtskirche St. Ottilia in Hellring (Markt Langquaid/ Kreis Kehlheim), welches im Auftrag des Andechser Benediktinerabtes Maurus III. Braun entstand.

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Thronende Maria mit dem Kind

Thronende Maria mit dem Kind

Schützend hält die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus, während sie gleichzeitig eine Rose von ihm fernhält. Trotz ihres Ausdrucks tiefster Schwermut hat sie die fundamentale Aufgabe angenommen, ihren Sohn auf seinem Weg zu begleiten. Der Jesusknabe wiederum hält lächelnd zwei Weinbeeren in der linken Hand. Sie verweisenebenso wie die Rose auf seinen künftigen Leidensweg: Der Rosenzweig deutet symbolisch auf die Dornenkrone hin, wohingegen die Trauben auf jene Episode beim Letzten Abendmahl anspielen, in der Jesus seinen Jüngern Wein reicht und dabei sagt: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.« (Lukas 22,20)Robust und majestätisch wie ein Thron wirkt Maria wie ein integraler Bestandteil der Architektur. Das rote Samtkleid spiegelt die Rottöne der Steine wider und ihr Umhang zeigt dieselbe umfassende Geste wie die hinter ihr liegende Nische. Gleich einem stützenden Schemel faltet er sich zugleich unter den Füßen des Kindes undbegrenzt die Intimität der mütterlichen Szene ebenso wie das Brüstungssims aus weißem Marmor den Vordergrund von der Landschaft im Hintergrund trennt. Nur ihr Blick erinnert uns daran, dass sie trotz dieser Transformation immer noch auch eine Mutter ist.Die leuchtende Farbpalette und der Zug zur exakten Wiedergabe der Details ließen anfänglich Flandern als Ursprungsort dieser Tafel vermuten. Auf einen italienischen Urheber schienen hingegen die Monumentalität der Figuren, das Einbinden architektonischer Ruinen und die elaborierte perspektivische Landschaftsdarstellunghinzudeuten. Die Lösung dieses Rätsels findet sich vermutlich in der Entwicklung der spanischen Malerei des 15. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum existierten auf der iberischen Halbinsel neben- und gegeneinander flämische und italienische Einflüsse, die sukzessive dem spanischen Geschmack angepasst und zu einer eigenenDarstellungsweise zusammengeführt wurden.Einer der Protagonisten dieses Prozesses war Pedro Berruguete, der um das Jahr 1445 nahe Palencia in Paredes de Nava geboren wurde und vermutlich 1503 in Madrid verstarb. Ausgebildet wurde er wahrscheinlich bei einem Meister der spanisch-flämischen Tradition mit guten Kenntnissen der aktuellen Entwicklungenin Flandern. Konkrete Anhaltspunkte für einen eigenen Aufenthalt Berruguetes in Flandern gibt es nicht, dafür deutet vieles darauf hin, dass er im Zeitraum zwischen etwa 1473/74 und 1483 am Hof Federico da Montefeltros in Urbino wirkte. Die um das Jahr 1475 datierte Tafel könnte somit von ihm in Italien gefertigt worden sein.Hierfür spricht auch das offenkundige Interesse an einer exakten Wiedergabe der verschiedenen Marmorsorten und der architektonischen Details, denn Vergleichbares findet sich in Berruguetes späteren, nach seiner Rückkehr in Kastilien geschaffenen Arbeiten nicht wieder. Das Bild hängt seit 2019 im spanischen Kabinett des Bode-Museums. Maria López-Fanjul | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________The Virgin Mary protectively holds her son Jesus, at the same time holding a rose away from him. Despite her expression of deep sadness, she has accepted her fundamental task of accompanying her son on his path. The Child, for his part, smiles and holds two grapes in his left hand. Like the rose, they point to his future suffering: the rose branch refers symbolically to his crown of thorns, the grapes to the episode at the Last Supper in which Jesus serves wine to his apostles, saying: “This cup is the new covenant in my blood, which is shed for you.” (Luke 22:20)Robust and majestic as a throne, Mary seems to be an integral part of the architecture. Her red velvet dress mirrors the red tones of the stones, and her cloak displays the same enclosing gesture as the niche behind her. Like a supporting stool, the cloak is also folded beneath the feet of the child, limiting the intimacy of the scene of mother and child, just as the white marble parapet separates the foreground from the landscape in the background. Only the look in Mary’s eyes reminds us that, despite this transformation, she is still a mother.The palette of glowing colours and the tendency to exact reproduction of detail initially led to the assumption that this panel was painted in Flanders. The monumentality of the figures, the incorporation of architectural ruins and the elaborate representation of the landscape in perspective, on the other hand, seemed to suggest an Italian artist. The solution to this riddle is probably to be found in the development of Spanish painting in the 15th century. In this period in the Iberian peninsula, there existed competing and co-existing Flemish and Italian influences, which were successively adapted to Spanish taste and combined to form a characteristically Spanish manner of depiction.One of the protagonists in this process was Pedro Berruguete, who was born in about 1445 in Paredes de Nava near Palencia and probably died in 1503 in Madrid. He was presumably trained by a master of the Spanish Flemish tradition who had a good knowledge of the latest developments in Flanders. There is no specific indication that Berruguete himself spent time in Flanders, but much to suggest that he was active at the court of Federico da Montefeltro in Urbino between 1473/74 and 1483. The panel dating from approximately 1475 could therefore have been painted by him in Italy. This is suggested by his obvious interest in the exact rendering of different kinds of marble and the architectural details, as comparable traits are not present in Berruguete’s later work, produced after his return to Castile. Since 2019, the picture hangs in the Spanish room of the Bode-Museum. Maria López-Fanjul | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019