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Das Glas Wein

Ident. Nr.: 912C

ObjID: obj:870774

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan Vermeer (1632 - 1675),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1658/60
Weitere Titel
Sammlungstitel: Das Glas Wein
Übersetzung: The Glass of Wine
Geografische Bezüge
Delft,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 67,7 x 79,6 cm

Objektbeschreibung

Im Widerschein kühlen Tageslichts, das von links vor allem durch das vordere der beiden Fenster dringt, sitzt eine junge Frau an einem Tisch und trinkt Wein. Sie hat das Glas zur vollen Neige gegen ihr Antlitz gekehrt, als wolle sie sich dem abwartenden Blick des eleganten Kavaliers entziehen, der mit dem Weinkrug in der Hand, jedoch ohne eigenes Glas, zum Nachschenken bereitsteht. Eine amouröse Beziehung zweifelhaften Charakters ist angebahnt. Dennoch haftet dem Vorgang nichts Derbes, nichts vordergründig Erotisches an.
Auf Stuhl und Tisch wurde eine Cister und Noten beiseitegelegt, möglicherweise ein Hinweis auf das gemeinsame Musikzieren des Paares. Vermeer transformierte hier ein gängiges Thema der holländischen Genremaler. Möglicherweise wurde er von seinem Malerkollegen Gerard ter Borch inspiriert, der ebenfalls das Motiv eines Kavaliers malte, der, die Hand an der Flasche, einer Dame beim Trinken zusieht. Während der Herr in dem Gemälde ter Borchs seiner Dame jedoch den Arm um die Schulter legt, liefert Vermeer keinen expliziten Hinweis auf die Natur der Beziehung seines Paares. Ob der Alkoholgenuss in Ausschweifung enden wird, bleibt ungewiss.
Auf der linken Seite ist ein leicht geöffnetes Fenster mit farbigem Wappen dargestellt, auf der eine Frauengestalt mit verschlungenen Bändern in der Hand zu erkennen ist. Eine entsprechende Figur findet sich unter den Emblemen, die G. Rollenhagen 1617 ediert hat. Die Bänder erweisen sich dort als Zaumzeug, neben dem Winkelmaß ein Attribut der »Temperantia « (Mäßigkeit). Der begleitende Text des Emblems lautet: »Mens Servare Modum, rebus sufflata secundis, / Nescit, et affectus fraena tenere sui.« (Das Herz weiß das Maß, wenn es vom Glückshauch getroffen wird, nicht zu wahren und den Gefühlen Zügel anzulegen.) Dieser Hinweis bezieht sich nicht nur auf das Weintrinken, sondern insgesamt auf die Beziehung der dargestellten Akteure und der absehbaren, fehlenden Zurückhaltung beider. Es ist eine Warnung das rechte „Maß zu wahren“. Noch in einem zweiten Bild verwendete Vermeer die Darstellung dieses Emblems in demselben Kontext. In dem Gemälde „Mädchen mit Weinglas“ (Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig) sind die anzüglichen Avancen des Herren jedoch weitaus expliziter hervorgehoben.

Die Nahsicht der Dinge ist im Berliner Werk erstmals aufgegeben. Vermeer lässt den Betrachter zurücktreten, indem er diesen durch den leeren Stuhl am Tisch abgrenzt. Der gewonnene Abstand weitet den Blickwinkel. Das Interieur wird nicht länger als Teil des Figurenausschnitts wahrgenommen, vielmehr sind die Figuren nun Teil des Interieurausschnitts. Neuerungen dieser Art weisen auf den Einfluss der ersten Meisterwerke Pieter de Hoochs, des um drei Jahre älteren Delfter Malerkollegen Vermeers. De Hoochs Interieurdarstellungen der Zeit um 1658 sind in erster Linie von der Architektur des Innenraums her erdacht und gestaltet. Was allerdings Vermeer aus einem Interieur de Hoochschen Typs zu machen imstande war, verdeutlicht gerade das Berliner Bild, das durch seinen streng kalkulierten Aufbau beeindruckt, auch durch den Illusionismus der Malweise, der selbst in der Differenzierung von Oberflächenwerten erhalten bleibt, ohne sich in dieser rein sachbezogenen Bestimmung bereits zu erschöpfen. Im überall gegenwärtigen Licht erlangen die Dinge den Anschein einer höheren Qualität. Jan Kelch, Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Illuminated by cool daylight entering through two windows, mainly through the front one, a young woman sits at a table and drinks wine. She presses the glass to her face to empty it completely, as if she wanted to avoid the expectant look of the elegant cavalier, who stands with the jug in his hand but no glass of his own, ready to pour more wine. An amorous relationship of a dubious nature has been initiated. Nevertheless, the events are not imbued with anything crude or superficially erotic.

On the chair and table, a cittern and sheets of music have been set aside, a possible reference to the couple having made music together. Here, Vermeer transforms a common subject of Dutch genre painters. He may have been inspired by his colleague Gerard Ter Borch, who also painted the motif of a cavaliers who watches a lady drinking, his hand on the bottle. Whereas the gentleman in Ter Borch’s painting has laid his arm around the lady’s shoulder, Vermeer provides no explicit clue to the nature of the couple’s relationship. It remains unclear whether the enjoyment of alcohol will end in debauchery.

On the left, on a slightly open window with a colourful coat of arms, the figure of a woman with interlacing straps in her hand can be discerned. A figure of this kind is among the emblems that G. Rollenhagen published in 1617. Here the straps prove to be harnesses, which alongside the set square are an attribute of “La Temperantia” (temperance). The text that accompanies the emblem is “Mens Servare Modum, rebus sufflata secundis, / Nescit, et affectus fraena tenere sui.” (The heart knows not how to maintain moderation and rein in the feelings when it is touched by a breath of fortune.) This statement relates not only to drinking the wine, but in general to the relationship between the two persons depicted and their foreseeable lack of restraint. It is a warning to “maintain moderation”. In a second work, Vermeer applied a depiction of this emblem to the same context. In the painting Girl with a Wine Glass (Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum) the indecent advances of the gentleman are emphasised much more explicitly, however.

In this work in Berlin, the close-up view is abandoned for the first time. Vermeer makes viewers stand back, separating them by means of the unoccupied chair at the table. The distance thus gained widens the angle of view. The interior is no longer perceived as part of an excerpt of figures, but rather the figures are now part of this excerpt from the interior. Innovations of this kind point to the influence of the first masterpieces by Pieter de Hooch, a painter colleague of Vermeer from Delft who was three years older. De Hooch’s interiors of around 1658 are primarily conceived and designed starting from the interior architecture. What Vermeer, however, was able to achieve with an interior of the type painted by de Hooch is demonstrated particularly by this painting. The Berlin work is impressive in its austerely calculated structure and also in the illusionistic manner of painting, which is retained even
in the differentiation of surface characteristics but without being reduced to this purely item-related purpose. In the ubiquitous light, objects take on the appearance of possessing a higher quality. Jan Kelch, Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 18.05.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)