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Friedrich der Große als Kronprinz

Ident. Nr.: 489

ObjID: obj:870872

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Antoine Pesne (1683 - 1757),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1739 - 1740
Weitere Titel
Sammlungstitel: Friedrich der Große als Kronprinz
Übersetzung: Frederick the Great as Crown Prince
Geografische Bezüge
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 80,8 x 63,3 cm
Erwerbung
1841 Ankauf von Schulrat Eggers, Neustrelitz

Objektbeschreibung

Antoine Pesne wurde als Sohn eines Bildnismalers am 23. Mai 1683 in Paris geboren. Stationen seiner frühen künstlerischen Ausbildung waren der Vater, der Onkel Charles de La Fosse sowie die Pariser Akademie. Studienreisen führten ihn in den Jahren 1705 bis 1710 nach Italien. In Venedig porträtierte er 1707 den preußischen Gesandten Freiherrn von Knyphausen. Dieses 1893 verbrannte Bildnis war von der großen französischen Barockmalerei Hyacinthe Rigauds und Nicolas de Largillierres geprägt. Es sollte der Anlass zu Pesnes Bestallung als preußischer Hofmaler am 6. Mai 1711 werden. In der Lagunenstadt pflegte er einen freundschaftlichen Kontakt zu dem Maler Andrea Celesti. Dessen Anregungen entdeckt man im Kolorit sowie im Helldunkel von Pesnes Frühwerk. Der Romaufenthalt des Franzosen ist für 1709 durch das großartige, datierte und signierte Bildnis des Marquis Corbelli belegt. Als einer der wenigen Hofkünstler blieb Antoine Pesne nach der Thronbesteigung des sparsamen Soldatenkönigs 1713 im Amt. Vermutlich verdankt er dies der Königin Sophie Dorothea, die seine Bildnisse sehr schätzte. 1720 wurde Pesne Mitglied der Pariser Akademie (Rezeptionsstück: Samson und Delila, Carcassonne, Musée des Beaux-Arts). Seit 1732 unterhielt er ein Atelier im de Règeschen Haus auf dem Friedrichswerder in Berlin. Der Maler arbeitete seit 1736 häufig am kronprinzlichen Hof in Rheinsberg. Beim Ausbau des dortigen Schlosses eröffnete sich ihm ein reiches Betätigungsfeld.
Pesnes Freundschaft mit dem preußischen Thronfolger Friedrich (1712-1786) verdanken wir auch das berühmte Bildnis. Es präsentiert ihn im geschwärzten Kürass mit darübergelegter orangefarbener Schärpe des Schwarzen Adlerordens sowie dem prächtigen hermelingesäumten Krönungsmantel, der von einer mit Brillanten besetzten Fibel gehalten wird. Darunter trägt der Kronprinz eine malerische Paraphrase der Uniform seines 1. Bataillons Leibgarde, Infanterie Regiment Nr. 15 I, welches in (Neu-) Ruppin stationiert war. Man sieht den Porträtierten en face, den Oberkörper allerdings fast ins Profil gewendet. Unterstützt von der stimmungsvollen Wolkenlandschaft besitzt das Bildnis eine große Suggestionskraft. Wie eine Röntgenaufnahme zeigt, hatte Pesne den Kompositionsplan ursprünglich an einem Dreiviertelfigurbild des Kronprinzen von 1736 (Huis Doorn bei Utrecht) orientiert. Allein die Tatsache, dass er sich gewissermaßen über die Reduzierung der Vorlage zu einem Brustbild allmählich an die endgültige Fassung herangearbeitet hatte, belegt die künstlerische Vitalität des Malers und seiner Werkstatt überzeugend im Detail.
Dieses sollte das letzte authentische Porträt Friedrichs bis 1763 bleiben. 1746 reproduzierte der preußische Hofkupferstecher und Freund Pesnes, Georg Friedrich Schmidt, das Gemälde mit geringen Veränderungen. Es ist u. a. in des Malers Atelier häufig variantenreich kopiert worden. Antoine Pesne hatte hiermit bereits am kronprinzlichen Hof zu Rheinsberg einen normativen Herrschertopos geschaffen. Die Berliner Gemäldegalerie konnte das Bild im Jahre 1841 für 15 Louis d’or erwerben. Es gehört zu den bedeutendsten Leistungen des friderizianischen Rokoko. Rainer Michaelis | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Bildträgerrückseite: „Original. De S.A.R Monseigneur le/Prince. R. Peint a Reinsberg./parant: Pesne en L’année. 1739./ [a] parvenu. Au. Trone le 31.‘ may. 174(0)“ (die letzte Zeile wurde später hinzugefügt)
______________________________________

Antoine Pesne was born in Paris on 23 May 1683 as a son of a portrait painter. He received his early artistic training from his father and from his uncle Charles de La Fosse, and at the Paris Academy. In 1705 and 1710, study trips took him to Italy. In Venice, he portrayed the Prussian ambassador Freiherr von Knyphausen in 1707. That painting, which was burned in 1893, was influenced by the great French Baroque painters Hyacinthe Rigaud and Nicolas de Largillierre. It led to Pesne’s appointment as Prussian court painter on 6 May 1711. In the city on the lagoon, he cultivated friendly contacts with the painter Andrea Celesti. Stimuli from this artist are detectable in the colouration as well as the chiaroscuro of Pesne’s early works. A stay in Rome in 1709 is documented by the marvellous, signed and dated portrait of the Marquis Corbelli. Pesne was one of a few court artists who remained in his office after the accession to the throne of the thrifty Soldier King in 1713. He may have owed this circumstance to Princess Sophie Dorothea, who prized his pictures highly. In 1720, Pesne became a member of the Paris Academy (reception piece: Samson and Delila, Carcassonne, Musée des Beaux-Arts). Beginning in 1732, he maintained a studio in de Rège’s home on Friedrichswerder in Berlin. Beginning in 1736, he worked frequently at the court of the crown prince Rheinsberg. Opening up for him with the erection of a palace there was a rich field of activity.
We owe this celebrated portrait to Pesne’s friendship with the successor to the Prussian throne. He presents Frederick in a blackened cuirass, over which lies the orange sash of the Order of the Black Eagle, as well as a splendid ermine-lined coronation robe, which is closed with a clasp set with diamonds. Beneath it, the crown prince wears a picturesque paraphrase of the uniform of his 1st Battalion of Bodyguards, Infantry Regiment no. 15 I, which was stationed in (Neu-)Ruppin. He is shown en face, while the upper body is turned almost into profile. Enhanced by the cloudy, atmospheric landscape, the portrait is highly evocative. Originally, as shown by X-ray images, Pesne planned his composition with an orientation towards the three-quarters figure of the crown prince from 1736 (Huis Doorn near Utrecht). Only the circumstance that he worked towards the final version gradually through a reduction of his model to a half-length portrait allowed the artistic vitality of the painter and his workshop to be documented in convincing detail.
This would remain the last authentic portrait of Frederick until 1763. In 1746, Georg Friedrich Schmidt, the Prussian court engraver and a friend of Pesne’s, reproduced the painting with minimal modifications. Richly varied copies were also produced, among others by the artist’s own studio. Already at the court of the crown prince at Rheinsberg, Antoine Pesne created a normative image of the ruler. The Berlin Gemäldegalerie acquired the picture in 1841 for 15 Louis d’or. It is among the key achievements of Frederickian Rococo. Rainer Michaelis | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Maria mit dem Kind

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Die künstlerische Zusammenarbeit war ein zentrales Thema der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts. So spezialisierten und konzentrierten sich einige Maler auf ganz bestimmte Aufgabenbereiche. Auch in der großen Antwerpener Werkstatt von Peter Paul Rubens kam es häufig zu einem Teamwork von Spezialisten. Ein treffliches Beispiel für diese Form der Zusammenarbeit bietet das Gemälde Maria mit dem Kind.Die Bildidee geht zweifelsohne auf Rubens selbst zurück, der die stehende Gottesmutter hinter einer mit einem persischen Blumenteppich bedeckten Balustrade präsentiert. Sie blättert in einer reich ausgestatteten Handschrift und hält locker mit ihrer rechten Hand das stehende Christuskind, dem sie ihre Brust gibt. Zunächst legte wohl ein Mitarbeiter aus Rubens` gut besetzter Werkstatt, möglicherweise nach einer heute nicht mehr existierenden Skizze des Meisters, das Bild in groben Zügen an. Der Bereich der Gottesmutter und des Christuskindes wurde dann von Rubens` eigener Hand zu guter Letzt noch einmal gründlich überarbeitet. Dadurch erfuhr die Mutter-Kind-Gruppe entscheidende, eigenhändige Veränderungen, so dass sie erst unter Rubens` Pinselführung zur jetzigen Einheit zusammenwachsen konnte.Für die Rosenranken und die mit Frühlingsblumen bestückte Blumenvase bediente sich Rubens eines Spezialisten, dessen Identifizierung bis zum heutigen Zeitpunkt Probleme bereitet. Zur Diskussion stehen Jan Brueghel d. Ä. (1568-1625) und sein Sohn Jan Brueghel d. J. (1601-1678). Lange Zeit datierte man das Gemälde kurz vor Mitte der 20er Jahre und sah bezüglich der Blumen den Schöpfer in Jan Brueghel d. Ä. Heute hält man das Gemälde aus stilistischen Gründen für ein Rubenswerk der Jahre 1625/28. Da mit dem 12. Januar 1625, dem Todestag Jan Brueghels d. Ä., ein terminus ante quem für die Mitarbeit an dem Gemälde vorhanden ist, müsste man die Blumen konsequenter Weise dem Sohne zuschreiben. An der ausführenden Hand des Fruchtkorbes im rechten Vordergrund bestand hingegen in der Forschung nie ein Zweifel. Einhellig sehen in ihm die Experten den Pinselstrich des Stilllebenmalers Frans Snyders (1579-1657), mit dem Rubens eine freundschaftliche Beziehung verband und den er des Öfteren als Spezialisten für Stillleben und Tiere bei seinen Gemälden heranzog.

Roelof de Vos van Steenwijk

Roelof de Vos van Steenwijk

In ungewöhnlich großen goldenen Lettern fasst die Inschrift den Kopf des Dargestellten  (um 1504 - um 1564) ein. Dass der goldene Ring am linken Ringfinger das Wappen der holländischen Familie de Vos van Steenwijk zeigt, wurde schon im 19. Jahrhundert erkannt, allerdings herrschte lange keine Klarheit über die genaue Identität des Porträtierten. Die Identifizierung mit einem gewissen Roelof geht auf den Historiker und Genealogen Albrecht Nicolaas Baron de Vos van Steenwijk (1976) zurück. Diesem zufolge wurde Roelof 1505 als unehelicher Sohn von Reynalt de Vos van Steenwijk und Agnes van Ittersum geboren, im Februar 1537 wurde in Brüssel die Abstammung des damals etwa 31-Jährigen formal in einem Brief von Kaiser Karl V. anerkannt. Bald darauf heiratete er die Kölnerin Catharina Bellinckhausen, 1543 wird eine gemeinsame Tochter erwähnt. Vor 1548 ließ Roelof sich in Antwerpen nieder, wo er vor 1564 gestorben ist. Die aufrecht nach rechts gewandte Haltung des de Roelof Vos van Steenwijk, der aus dem Bild nach rechts und nicht auf den Betrachter blickt, spricht sehr dafür, dass dieses Porträt ursprünglich auf ein Gegenstück hin konzipiert war. Denkbar ist in Anbetracht der Tatsache, dass Roelof zwischen 1537 und 1543 geheiratet hat, dass es als Verlöbnisbild oder aber anlässlich der Eheschließung – mit einem möglichen Pendant der Gattin – in Auftrag gegeben wurde.| Christine SeidelSIGNATUR / INSCHRIFT: ANNO 1541 ETATIS SUAE 37

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633

Kardinal Ludovico Trevisan

Kardinal Ludovico Trevisan

Mantegnas außergewöhnliches Porträt zeigt den in Venedig geborenen Ludovico Trevisan (1401-1465), der auch unter dem Namen Scarampi oder Mezzarota bekannt ist. Es entstand zwischen dem 27. Mai 1459 und dem 8. Februar 1460 während des Fürstenkongresses von Mantua, auf dem Papst Pius II. um Unterstützung für den Kampf gegen die Osmanen warb. Trevisan war als reicher, mächtiger und gebildeter Mann innerhalb der kirchlichen Hierarchie aufgestiegen; 1435 wurde er Bischof von Trau, 1437 Erzbischof von Florenz, 1439 Patriarch von Aquileia und am 1. Juli 1440 Kardinal und zugleich Kämmerer (camerlengo) des Heiligen Stuhls. In der Schlacht von Anghiari stellte er 1440 seine militärischen Fähigkeiten als Befehlshaber der päpstlichen Truppen im Kampf gegen den Mailänder General Niccolò Piccinino unter Beweis. 1457 führte er eine erfolgreiche Seekampagne gegen die Türken im östlichen Mittelmeer und kehrte im März 1459 nach Rom zurück. Auf dem Kongress von Mantua wandte er sich gegen die Kreuzzugspläne Papst Pius’ II. und opponierte öffentlich gegen den venezianischen Kardinal Pietro Barbo, den späteren Papst Paul II. Er stand in Kontakt mit den bedeutendsten Humanisten und Antiquaren seiner Zeit, darunter Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini und Cyriacus von Ancona. Zudem trug er eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken und Altertümern darunter Münzen, Kameen, Gemmen und Bronzebüsten zusammen (s. das Inventar seiner Sammlungen in Florenz, publiziert bei Bagemihl 1993). Um 1461 beschäftigte er den Medailleur und Goldschmied Cristoforo di Geremia aus Mantua, der sich in Rom mit Altertümern befasst hatte und dem die Portraitmedaille mit offensichtlichen Rekursen auf römische Münzen (s. unten) zugeschrieben wird.Mantegnas Bildnis ist ein Meilenstein der italienischen Porträtkunst. Qualitäten der klassischen Skulptur werden in dieser Tafel auf die Malerei übertragen, sodass sich die Forderung des Dichters und Humanisten Ulisse degli Aleotti an den Künstler, der »in der Malerei [ein Bild] lebensnah und wahr herauszumodellieren und zu formen habe« wie ein Bildhauer (scolpi in pictura [l’imagine] propria viva et vera; s. Kristeller 1902, S. 488), zu erfüllen scheint. Der rote Klerikermantel oder ferraiolo gibt dem im Dreiviertelprofil gezeigten Brustbildnis Ludovicos auf ähnliche Weise Halt wie die Umhangdraperien (paludamentum) von Mantegnas gemalten Marmorbüsten römischer Kaiser oder Generäle an der Decke der Camera degli Sposi im Castello di San Giorgio des Palazzo Ducale zu Mantua. Zugleich akzentuiert Mantegna die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei: in der stofflichen Wiedergabe des Seidenmoirés und dem unter dem weißen, halbtransparenten Chorhemd durchscheinenden Rot des Talars. Beim Vergleich des kompromisslos strengen Porträts des Kardinals Trevisan mit dem delikaten Profilbildnis des jungen Gonzaga-Prälaten oder mit dem naturalistischer anmutenden Bildnis in den Uffizien, dessen Modell meist als Carlo de’ Medici angesprochen wird (Agosti 2005, S. 320–321, 352–354, Nr. 173–177; Ausst.-Kat. Mantua 2006/07, S. 70), zeigt sich das Potenzial seiner malerischen Annäherungsmöglichkeiten an die Persönlichkeit des jeweils Dargestellten (In dem weicher ausgeleuchteten, doch noch klar beschreibenden Bildnis in den Uffizien scheint Mantegna mit dem Naturalismus der niederländischen Portraits zu wetteifern, ohne jedoch die strenge, skulptural begriffene Monumentalität seiner Kunst aufzugeben.). Der Rekurs auf ein klassisches Repertoire, der etwa an das Relief einer römischen Stele denken lässt, wie sie auf den Gütern von Jacopo Marcello in Monselice bei Padua zu finden waren, mäßigt im Fall des Trevisan-Bildnisses einerseits die herbe Erscheinung des Kardinals, den der Mantuaner Chronist Andrea Schivenoglia so beschrieb: »Ein kleiner, schwarzer, haariger Mann von äußerst hochmütigem und finsterem Aussehen« (»homo pizolo, negro, peloxo, com aìero molto superbo e schuro«; Übers. SH); andererseits dient er der Veranschaulichung eines besonderen Wesenszugs Trevisans: der virtù. Wie Kristeller bemerkte, »prägt sich in dem scharf geschnittenen Munde, den fest zusammengezogenen Augenbrauen« ein eiserner Wille aus; »hohe Intelligenz und feurige Leidenschaftlichkeit leuchten aus den klaren, scharfblickenden Augen; etwas Misstrauisches liegt in dem Blick, in der Senkung der Augenbrauen. Energie und Selbstsucht, die Grundzüge dieses Charakters, sind überzeugend in dem Gesichte zum Ausdruck gebracht.« (Kristeller 1902, S. 179–180).Bibliographie:Kristeller, 1901, pp. 170-73; Tietze-Conrat, 1955, pp. 11-12; Lightbown, 1986, pp. 81-82, 408-10; Campbell, 1990, p. 228; Christiansen, in Martineau, 1992, pp. 333-35; de Nicolò Salmazo 2004, pp. 146; Santucci 2004, pp. 98-100; Agosti 2005, p. 28; Poldi and Villa, in Lucco 2006, p. 57.Text aus "Gesichter der Renaissance" 2011, Autor: Keith Christiansen