Logo

Heinrich XIV. Reuß zu Greiz ältere Linie

Ident. Nr.: 52.1

ObjID: obj:870986

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Anton Graff (1736 - 1813),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1789
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Heinrich XIV. Reuß zu Greiz ältere Linie
Übersetzung: Heinrich XIV Reuß zu Greiz ältere Linie
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Dresden (Sachsen),
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 150,5 x 99,5 cm
Erwerbung
1952 Ankauf aus dem Kunsthandel Adolph Weinmüller, München

Objektbeschreibung

Der Porträtierte (1749–1799) war der zweite Sohn des Grafen Heinrich XI. von Reuß zu Ober- und Untergreiz. Im Jahr 1778 erhob Kaiser Joseph II. das Grafenhaus in den erblichen Reichsfürstenstand. Greiz avancierte nun zur Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Reuß ältere Linie. Dort lebte Heinrich XIV.  – Graf und Herr zu Plauen, Herr zu Greiz, Kranichfeld, Gera, Schleiz und Lobenstein – nur gelegentlich, denn in seiner Position als Kaiserlicher (Königlicher) Generalfeldmarschall-Leutnant und außerordentlicher kaiserlicher Gesandter hielt er sich seit 1785 vornehmlich am Königlich Preußischen Hof in Berlin auf. Dort in der Residenzstadt verkehrte der Prinz regelmäßig in den literarischen Salons. Um das Jahr 1790 machte er vermutlich in dem Salon der Henriette Herz die Bekanntschaft der Caroline Esperance Marianne Meyer (1770–1812), einer Bankierstochter, mit der er seit Juni 1797 in unstandesgemäßer (morganatischer) Ehe lebte. Während des Frankreichfeldzugs im Spätsommer des Jahres 1792 empfing Heinrich XIV. Johann Wolfgang Goethe zu einem längeren Gespräch über dessen Farbenlehre. In den späten 1790er-Jahren vertonte der Prinz auch Goethes Poesie.
Die untersichtig angelegte Komposition mit tiefem Horizont und bewegter Wolkenlandschaft im Hintergrund wird der ästhetischen Kategorie des Erhabenen gerecht, eine von den Zeitgenossen geschätzte barocke Würdeformel. Der hochmodisch gekleidete außerordentliche kaiserliche Gesandte trägt einen taillierten zweireihigen Reitmantel mit anliegenden Manschetten, ein Habit, das sich um 1789 sowohl in England als auch in Frankreich großer Beliebtheit erfreute. Das freundlich- nachdenkliche Gesicht sowie vor allem die legere Beinstellung des Spaziergängers sind Anleihen aus der zeitgenössischen englischen Bildniskunst. Es ist die unpathetische, »natürliche« Schilderung eines anscheinend Unkonventionellen. Der kursächsische Hofmaler Anton Graff begegnete dem Prinzen wohl in Berlin, wo er vermutlich auch Zeichnungen fertigte, welche das 1789 in Dresden vollendete imposante Gemälde vorbereiten half. Es handelt sich dabei um ein Kniestück, das höher als üblich entlohnt wurde. Anton Graff war ein begnadeter Maler der deutschsprachigen Eliten der Aufklärung. Etwa 2000 Porträts schuf er in seinem Atelier am Dresdener Altmarkt. Rainer Michaelis | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
______________________________

The portrayed (1749–1799) was the second son of Count Heinrich XI von Reuss zu Oberund Untergreiz. In 1778, the Emperor Joseph II raised the family to the hereditary right of Imperial Prince. Greiz now rose to the status of capital and residence town of the Principality of Reuß Elder Line. Heinrich XIV  – Count and Lord of Plauen, Lord of Greiz, Kranichfeld, Gera, Schleiz, Lobenstein – lived there only occasionally, in his position as Imperial (Royal) Field Marshal-Lieutenant and Imperial Envoy Extraordinary, he lived mainly at the Royal Prussian court in Berlin beginning in 1785. In the residence town, the prince regularly visited literary salons. Around 1790, presumably at the salon of Henriette Herz, he became acquainted with Caroline Esperance Marianne Meyer (1770–1812), the daughter of a banker, with whom he apparently lived in an illegitimate (morganatic) marriage beginning in June of 1797. During the French campaign in late summer of 1792, Heinrich XIV received Johann Wolfgang Goethe for an extended conversation about his theory of colours. It the late 1790s, the prince also set Goethe’s poetry to music.
The composition, with its lowered perspective, deep horizon, and animated cloudscape does justice to the aesthetic category of the sublime, a baroque figure signifying grandeur that was favoured by contemporaries. The fashionably attired imperial envoy extraordinary wears a narrow-waisted, double-breasted riding jacket with close-fitting sleeves, a style that enjoyed great favour around 1789, in England as well as in France. The pensive, amiable face, as well as the casual leg pose of the stroller are borrowed from contemporary English portrait painting. Here is a “natural” depiction, free of pathos, of a seemingly unconventional gentlemen. Anton Graff, court painter of the Electorate of Saxony, probably met the prince in Berlin, where he presumably also produced drawings in preparation for this imposing painting, which was completed in Dresden in 1789. Extending only as far as the knees, the portrait was more expensive than usual. Anton Graff was a gifted painter who catered to the German-speaking elite during the Enlightenment. He created circa 2,000 portraits in his studio, located at Dresden’s Altmarkt. Rainer Michaelis | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019


SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: Anton Graff pinx: / 1789

Letzte Aktualisierung: 18.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P

Ansicht von Nijmegen

Ansicht von Nijmegen

Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.