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Dorfstraße unter Bäumen

Ident. Nr.: 1984

ObjID: obj:871190

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Meindert Hobbema (1638 - 1709),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1663
Weitere Titel
Sammlungstitel: Dorfstraße unter Bäumen
Übersetzung: Village Street under Trees
Geografische Bezüge
Holland,
Region
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 97,4 x 128,6 cm

Objektbeschreibung

Vom Vordergrund aus führt eine Dorfstraße in kurvigem Verlauf vorbei an Bäumen und Bauerngehöften. In seitlichen Abzweigungen verliert sie ihren zur Tiefe weisenden Richtungsbezug. Hobbema wollte hier nicht das holländische Land in der unermesslichen Weite seiner Ebenen erfassen. Vielmehr ging es ihm darum, einen eher intimen, überschaubaren Landschaftsbezirk zu präsentieren, dessen abwechslungsreiches Erscheinungsbild Baummotive in dreiteilig-symmetrischer Flächenordnung prägen: seitlich jeweils den Häusern zugeordnet, im Zentrum dagegen, alles andere überragend, als stattliche Solitärs. Stämme, Äste und Zweige verstreben in schwungvoll rhythmisierten Linien das Blattwerk, in dessen Grünskala das lichte Himmelsblau ebenso hineinwirkt wie die bräunlichen und fahlgrauen Werte des Landes. Die besondere Vorliebe für die Wiedergabe üppig begrünter Laubbäume teilt Hobbema mit seinem Lehrer Jacob van Ruisdael. Dessen kompakte, waldartig verdichtete Zusammenstellungen hat er jedoch nicht angestrebt. Die Konturen der Laubkronen belässt er fächerförmig offen. Allenthalben lockert er geschlossene Motivkomplexe auf bzw. schafft Zwischenräume mit dem Blick auf jeweils Dahinterliegendes: auf tiefer liegendes Terrain oder ein Stück der freien Horizontlinie, auch auf Laubpartien, die dem schattigen Inneren der Bäume angehören. Durchsichtig und geräumig wirkt das Raumbild. Es entspricht in dieser Beschaffenheit dem harmonischen Miteinander von Natur, Mensch und Menschenwerk. Denn anstelle der in Ruisdaels Arbeiten stets gegenwärtigen Gewalt der Elemente gibt Hobbema die Landschaft im Zustand der Befriedung wieder. Zudem verleiht er ihr durch das Raffinement seiner Linienführung sowie die Feinheit seiner Licht- und Farbbehandlung den Anschein des Besonderen, des Kultivierten. Feiertägliche Ruhe liegt über der Dorfstraße. Radspuren im sandigen Boden deuten auf eine befahrene Wegstrecke, dennoch sind nur einige wenige Menschen anzutreffen. Sorglos ziehen sie unter dem freundlichen Blau des Himmels, der von Wolken belebt ist, umher. Naturdarstellungen dieser Art standen im Einklang mit den verfeinerten Geschmacksvorstellungen der holländischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. So überrascht es, dass dem Maler kein besonderer Erfolg beschieden war. Um seine wirtschaftliche Situation zu verbessern, nahm er 1668 das Amt eines »wijnroiers« an, eines Eichkontrolleurs für Weine. Nach Antritt dieser Stellung, die ihm zeitlebens ein leidliches Einkommen sicherte, ist zwar ein Rückgang seiner Bildproduktion festzustellen, jedoch keinesfalls ein Nachlassen seiner künstlerischen Fähigkeiten. Ohne das berühmte Hauptwerk des Malers, die "Allee von Middelharnis" von 1689 (London, National Gallery), wäre die Spätzeit der holländischen Landschaftsmalerei, die sich bereits in einer schematisch-dekorativen Nachblüte zu erschöpfen begann, eine blasse Angelegenheit geblieben. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT:
Datierung durch Chr. White (briefl. 1983)
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From the foreground, a village road follows a curved course past trees and farmhouses. Forking right and left, it loses its direction, which points to the background. Here, Hobbema did not want to record the Dutch countryside in the immeasurable breadth of its plains. His purpose was rather to present a more intimate, modest area of land whose varied appearance is characterised by tree motifs in a symmetrical, three-part arrangement: at the sides they relate to the houses, and in the centre a solitary tree of stately size rises above everything else. In energetic, rhythmic lines, trunks, boughs and branches support the foliage, whose palette of green is permeated by both the pale blue of the sky and the brownish, wanly grey tones of the ground.

Hobbema shared with his teacher Jacob van Ruisdael a particular liking for reproducing luxuriantly green broadleaf trees. However, he did not try to paint Ruisdael’s compact groups, densely rendered like a forest. Here he leaves the contours of the leafy crowns open, fanned out. On all sides, he breaks up complexes of motifs and creates intermediate spaces with a view of what lies behind: of lower-lying terrain or a section of the free horizon, and also of areas of foliage that are part of the shady
interior of trees. The space portrayed appears transparent and spacious. Its nature matches the harmonious coexistence of nature, humans and the work of humans. In place of the violence of the elements that is a permanent presence in Ruisdael’s works, Hobbema depicts landscape in a pacified state. Furthermore, through the refinement of his treatment of lines and the delicacy of his handling of light and colour, he lends it the appearance of something special, something cultivated. The
village road is enveloped in the quiet of a holiday. Wheel tracks in the sandy earth indicate a road that is in use, but only a few people can be seen. In a carefree way, they move beneath the benign blue of the sky, which is enlivened by clouds.

Depictions of nature of this kind were in tune with the refined ideas of taste of Dutch society in the second half of the 17th century. It is therefore surprising that the artist enjoyed no great success. To improve his financial situation he took the office of a “wijnroiers”, an inspector of wine measures, in 1668. After he occupied this position, which secured him a passable income for the rest of his life, his production of paintings dwindled, but no decline in his artistic abilities is noticeable. Without this artist’s famous main work, The Avenue at Middelharnis of 1689 (London, National Gallery), the late period of Dutch landscape painting, which was already entering its phase of reduction to a schematically decorative second blossoming, would have appeared faded. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)