Logo

Die Verkündigung an Maria - Die Geburt Christi (Altarflügel zu 529B)

Ident. Nr.: 529A

ObjID: obj:871256

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Petrus Christus (um 1410/20 - um 1475),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1452
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Verkündigung an Maria - Die Geburt Christi (Altarflügel zu 529B)
Übersetzung: The Annunciation to Mary - The Birth of Christ (Altar wing to 529B)
Geografische Bezüge
Brügge,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 147,3 x 59,5 cm

Objektbeschreibung

Die Altarflügel entstanden im Jahr 1452 und tragen die aus lateinischen und griechischen Buchstaben zusammengesetzte Signatur »petrus xpi«. Am 6. Juli 1444 erwarb der Künstler das Bürgerrecht von Brügge. Dort wird Petrus Christus zwischen 1454 und 1472 wiederholt in Urkunden erwähnt. Der Künstler, der auf den Errungenschaften von Jan van Eyck, Robert Campin und Rogier van der Weyden aufbaute, verdankt der neuartigen Verbindung von Figur und Raum seine unverwechselbare Stellung innerhalb der niederländischen Malerei. Die beiden Altarflügel gehörten zu einem Retabel, dessen Mittelteil vermutlich eine Szene aus dem Passionsgeschehen aufwies. Der linke Flügel ist zweigeteilt. Er zeigt in der oberen Hälfte die Verkündigung an Maria. Darunter ist die Geburt Christi zu sehen. Maria und Joseph beten das Kind an. Rechts vorn kniet Salome, die die jungfräuliche Geburt bezweifelte und durch ein Wunder bekehrt wurde. Die Komposition lässt deutliche Analogien zu Robert Campins »Geburt Christi« (Dijon) erkennen. Auf dem rechten Flügel ist das Jüngste Gericht dargestellt. Christus thront als Weltenrichter auf dem Regenbogen. Auf der Erde kämpft Erzengel Michael gegen Tod und Teufel. Es handelt sich um eine freie Wiederholung der Jan van Eyck zugeschriebenen Darstellung des gleichen Themas im Metropolitan Museum, New York.| Prestel-Museumsführer – Gemäldegalerie Berlin, 2017
__________________________________________________________________________________
These altar wings date from 1452 and carry the signature “petrus xpi”, made up of Latin and Greek letters. The artist became a citizen of Bruges on 6 July, 1444, and was repeatedly mentioned in documents between 1454 and 1472. Petrus Christus, who built on the achievements of Jan van Eyck, Robert Campin and Rogier van der Weyden, achieved his distinct position in Netherlandish painting because of his new combination of the figure and space. These two altar wings were part of a retable whose central section presumably showed a scene from Christ’s Passion. The left-hand wing is divided into two parts. The upper half shows the Annunciation to Mary. Under this the Birth of Christ is to be seen, and Mary and Joseph are worshipping the child. Salome is kneeling in the foreground on the right; she doubted the virgin birth and was converted by a miracle. The composition shows clear analogies with Robert Campin’s Birth of Christ in Dijon. The right-hand wing shows the Last Judgement, in which Christ is enthroned above the rainbow as judge of the world. On earth, the Archangel Michael is fighting against death and the Devil. This is an imaginative copy of a work on the same theme attributed to Jan van Eyck in the Metropolitan Museum of Art in New York.| Prestel Museum Guides – Gemäldegalerie Berlin, 2017

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Flügeln unten auf dem Rahmen: • Petrus • xpi • me • fecit • // • anno • domini • m • cccc • lii •

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)

Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

Das Bild zeigt einen Ausblick in ein weites Tal. Links vorne, aus Buschwerk emporwachsend, erhebt sich ein türmereicher Palast. Eine weitläufige, geschwungene Treppe führt zu einer arenaartig eingefassten Terrasse, die dem Bauwerk vorgelagert ist. Die Architektur des Palastes ist recht eigenartig. Mächtige Türme unterschiedlicher Form bilden die Ecken des Gebäudes. Dazwischen spannen sich Gebäudeflügel und Kolonnaden. Im unteren Teil wirkt der Bau wie eine Festung aus grobem Mauerwerk, an den Ecken mit Quadern verstärkt und nur durch schießschartenähnliche Öffnungen durchbrochen. In den oberen Geschossen bietet die Architektur ein völlig anderes Bild mit von Balustraden umzogenen Balkonen, loggienartigen Bogenstellungen und gekuppelten Fenstern, die von weiteren Bogen überfangen sind. Die Türme enden in tempelartigen Aufbauten mit Laternen. In den oberen Stockwerken scheint sich das Bauwerk ganz der Umwelt zu öffnen. Es hat den Charakter eines Lustschlosses, das, in heiterer Umgebung gelegen, der Unterhaltung seiner Bewohner dient. Diesem Charakter entspricht auch ein Teil des Geschehens, das wir im Bild erkennen. Ein reich gekleidetes Paar steigt auf der Treppe zum Palast empor. Oben wird es von einem Kavalier empfangen, der ihm aus einem großen Pokal, einem »Willkomm«, den Gast trunk darbietet. Ein zweiter Edelmann lehnt an der Balustrade und betrachtet die Szene. Die Mäntel des vornehmen Paares fließen scheinbar zu einer übergroßen Schleppe zusammen, die sich wie ein Teppich über die Treppe hinbreitet. Darauf hat sich am unteren Ende eine Gruppe von Bettlern oder fahrenden Leuten niedergelassen. Der Unterschied des Standes drückt sich – nicht ganz im Einklang mit den Gesetzen der Perspektive - auch im Größenmaßstab der Figuren aus. Nach rechts hin schließt ein Hain von Bäumen das Bild ab. Im Mittelgrund wird der Blick durch eine reich gestaltete Landschaft geführt. Auf Hügeln erheben sich Burgen, weiter im Tal breiten sich Städte mit Palästen und Türmen aus. Die Bogen einer Brücke überspannen in der Ferne einen Fluss, an dessen Ufer sich Gebäude reihen. Weiter dem Horizont zu steigt eine Kette blauer Berge auf, an deren Hänge sich Burgen und Dörfer schmiegen. Nach rechts hin spannt sich ein See, dessen Ufer in der blauen Weite des Horizonts verdämmern. Anmutig und heiter wirkt diese Landschaft. Was die Darstellung besagen soll, ist nicht mit Gewissheit geklärt. Der allegorische Sinn des Bildes liegt offenbar in dem Gegensatz zwischen dem prunkenden Reichtum des Paares, das zum Schlosse zieht, und der Armut der Bettler, die sich auf der Schleppe niedergelassen haben. An der Schleppe der Reichen hängt die Armut, und die Not wohnt an den Schwellen der Schlösser. Der sprichwörtliche Titel, der Bettel sitzt der Hoffart auf der Schleppe, der dem Bild erst später beigelegt wurde, faßt diesen Sinn in Worte. Wesentlicher Ausdruck des Bildes ist der einer heiteren Unwirklichkeit. Auch die Architektur des Palastes ist nicht real, eher verkörpert sie architektonische Träume. Das wird deutlich, wenn man sich den Bau vorzustellen versucht. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Altdorfer selbst Baumeister war. Anregungen zu solchen Architekturbildern entnahm er, das lässt sich nachweisen, graphischen Vorlagen. Unter seinen Händen verwandeln sich die nüchternen Stiche in Erscheinungen einer Märchenwelt. Traumhaft wie die Architektur ist auch die Welt, auf die wir blicken. Der Reiz liegt vor allem in der Wiedergabe der lichterfüllten, durchsonnten Landschaft mit blühenden und grünenden Bäumen und Büschen. Die Figuren im Bild leuchten wie Edelsteine und sind trotzdem ganz in die umgebende Landschaft eingebunden. Mäntel und Schleppe des Paares erscheinen wie die Fortsetzung der Treppe und der Terrasse. Figuren und Umwelt werden zu einer Einheit verschmolzen. Die heitere Zuständlichkeit der Landschaft, die sich vor dem Auge wie eine Weltlandschaft ausbreitet, erscheint dabei eigentümlich bewegt und von geheimnisvollem Leben durchpulst.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten auf einem Baumstamm: 1531 / AA (verbunden)_____________________________________________________________________________A richly dressed nobleman and his wife are walking up steps to the terrace of a palace. There a cavalier is waiting for them with a magnificent goblet from which to toast their arrival. A family of beggars has settled down on the end of the long train, and the noble couple are unwittingly pulling them along behind. The title of the picture vividly captures the core of the allegory, which could also be slightly altered as “Pride Goeth Before a Fall”.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012