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Der Kosmograph Sebastian Münster (1488-1552)

Ident. Nr.: 583

ObjID: obj:871502

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Christoph Amberger (um 1505 - 1561),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1552
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Kosmograph Sebastian Münster (1488-1552)
Übersetzung: Portrait of the Cosmographer Sebastian Münster (1488-1552)
Geografische Bezüge
Augsburg,
Stadt
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Bildmaß: 55,8 x 43,3 cm
Erwerbung
1819 Aus dem von Praunschen Kabinett, Nürnberg, über den Kunsthändler Frauenholz, Nürnberg, für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. erworben

Objektbeschreibung

Das Bildnis zeigt uns einen alten Mann mit rötlich überhauchten Zügen. Barthaare und Flaum legen sich wie ein silberner Schimmer über das markante Gesicht. Der Dargestellte trägt auf dem Kopf ein schwarzes Barett, unter dem das weiße Greisenhaar hervorquillt. Das weiße, am Kragen bestickte Hemd ist um den Hals in einen fein gefältelten Kragen gefaßt; darüber trägt er ein rotes Wams. Eine schwarze Schaube, mit hellbraun- weißlichem Pelz besetzt, vervollständigt seine Kleidung. Der Mann sitzt hinter einem mit rotem Samt belegten Tisch oder einer Brüstung, auf die er die Hände legt. Der Hintergrund, der durch Schatten verräumlicht wird, bildet zusammen mit dem roten Streifen vorn einen Bildraum. Der Farbklang aus Grün, zweierlei Rot und Schwarz bestimmt wesentlich die Bildwirkung. Eigentümlich erscheint der frontale Lichteinfall. Der nachdenklich-besinnliche Zug wird dadurch besonders hervorgehoben. Bei dem Dargestellten handelt es sich um Sebastian Münster, einen der großen Gelehrten des 16. Jahrhunderts. Er wurde am 20. Januar 1488 in der rheinhessischen Stadt Ingelheim geboren. Mit 18 Jahren trat er dem Franziskanerorden bei und studierte in Heidelberg, Löwen und Tübingen. 1509 begann er bei seinem Ordensbruder Konrad Pellikan aus Ruffach im Elsaß mit dem Studium des Hebräischen, was später ausschlaggebend für seine wissenschaftliche Laufbahn wurde. 1514 bis 1518 studierte er in Tübingen Mathematik, Astronomie, Kartographie und Geographie. Hierauf folgte er seinem Lehrer Pellikan nach Basel, wo er auch mit Schriften Luthers in Berührung kam. 1524 bis 1529 lehrte er an der Universität Heidelberg als Professor Hebräisch. Vermutlich in diesen Jahren löste er sich innerlich von der alten Kirche. Der Ruf auf den verlassenen Lehrstuhl für Hebräisch seines vormaligen Lehrers in das damals gerade reformierte Basel erleichterte ihm den Übertritt zur reformierten Seite. Neben vielen anderen Schriften (er betätigte sich auch als Herausgeber) ragen zwei seiner Arbeiten besonders hervor. Er gab die erste deutsche Fassung der Bibel in hebräischer Sprache heraus und er schrieb die »Cosmographia« genannte Beschreibung der ganzen damaligen Welt in sechs Bänden. Diese enthielt das umfassende Wissen der Zeit, wurde in viele Sprachen übersetzt und erlebte bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts 21 Auflagen. 1547 wurde Münster zum Rektor der Universität Basel gewählt und hatte damit den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht. Er starb in Basel am 23. Mai 1552. Das Gemälde Ambergers trägt auf der Rückseite die Inschrift: »Sebastian Münster Cosmographus. Seines Alters 65 gemalt A(nn)o. 1552.« Das Bildnis wurde also nur Monate vor seinem Tod gemalt. Der Maler des Porträts, Christoph Amberger, 1530 in Augsburg als Meister zugelassen, ist einer der bedeutendsten Künstler des zweiten Jahrhundertdrittels in Deutschland und als einer der führenden Porträtisten seiner Zeit bekannt. Er hatte Italien besucht und war in Augsburg mit Tizian zusammengetroffen. Die italienische Malerei seiner Zeit war ihm daher nicht fremd. Die Gemäldegalerie besitzt zwei Werke seiner Hand: Das Bildnis Kaiser Karls V. in zarten silbergrauen und violetten Tönen, das im Malerischen wie in der psychologischen Durchdringung des Dargestellten gleichermaßen ausdrucksstark ist – es stammt aus dem Beginn seiner Meisterzeit um 1532. Und das Bildnis Sebastian Münsters, das in seiner frontalen Be leuchtung und der tiefleuchtenden Farbigkeit charakteristisch für den Spätstil Ambergers ist. | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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A 16th-century inscription on the back of the panel provides Information about the subject. It says: “Sebastian Münster Cosmographus. Painted at the age of 65, Ao. 1552”. Sebastian Münster was born in 1488 in Ingelheim in Rhine-Hesse, entered the Franciscan Order as a young man and then studied in Heidelberg, Louvain and Tübingen. Later he dedicated himself to the Reformation. He was a teacher and professor, subsequently becoming Rector of the University of Basel, where he died in 1552. Münster’s fame was based on the Cosmographia Universalis, a comprehensive description of the world in six volumes, which appeared in new editions well into the 17th century. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

SIGNATUR / INSCHRIFT:
Rückseite Sebastian Münster Cosmographus. Seines Alters 65 gemalt Ao.1552.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

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Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631), der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. The different settings and the furnishing details, as well as the fact that the woman is sitting higher than the man also challenge the assumption that these are companion portraits.For Anton van Dyck, portraits such as these were useful in building his reputation as a portrait painter and gaining commissions from aristocratic families, who were his main clients. Inspired originally by Rubens, whose Antwerp studio he had joined as a young but precociously talented painter aged 17, and also by the courtly portrait style of Titian, van Dyck developed a distinguished, serene and distant expression which decisively influenced the idea of what an aristocrat should look like.The paintings remained in the Palazzo Balbi in Genoa for many decades. In 1828, they were acquired by the English collector Sir Robert Peel, through the mediation of the painter David Wilkie, and finally arrived in Berlin from his estate, which was sold at auction in 1900. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019