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Bildnis eines Mannes

Ident. Nr.: 413A

ObjID: obj:871503

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Charles Mellin (um 1600 - 1649),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1630
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis eines Mannes
Porträt des sogen. Feldhauptmanns Alessandro del Borro
Übersetzung: Portrait of a Gentleman
Übersetzung: Portrait of the Tuscan General Alessandro del Borro
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 204,6 x 123,1 cm

Objektbeschreibung

Der aus der Untersicht dargestellte Mann, dessen Körper den Raum zwischen Mauer und Säule ausfüllt – Symbol für Macht und Hoheit –, ist eines der hervorragendsten ganzfigurigen Porträts der Barockzeit. Sowohl der Autor dieser höchst ironischen Komposition als auch die Identifizierung des Geschilderten sind seit jeher rätselhaft.

Der schwarz gekleidete Feldherr steht auf der am Boden liegenden weiß-roten Fahne mit goldenen Bienen der Barberini Familie – damals diejenige des Papstes Urban VIII. (reg. 1623–44). Unterschiedliche Meinungen vertreten die Kritiker insbesondere in Bezug auf die Frage, ob der Dargestellte ein Freund oder ein Feind der mächtigen Barberini Familie ist – und im zweiten Fall somit verachtend auf die Fahne treten würde. Nach dieser Deutung würde es sich dann vermutlich um den General Alessandro Dal Borro aus Arezzo (1600–56) handeln. General Borro, der sowohl für den Herzog von Parma Odoardo Farnese als auch den Großherzog von Toskana Ferdinand II. Medici tätig war, schlug die Armee des Papstes während des Castro-Kriegs bei Mongiovino (1643). Diese Identifizierung wurde aber bald von der Forschung abgelehnt, da gravierende Diskrepanzen mit dem gesicherten Porträt des Generals von Justus Sustermans vorliegen. Ebenso wenig überzeugend wurde der Dargestellte als Odoardo Farnese identifiziert.

Zahlreich waren die Zuschreibungen des Berliner Monumentalporträts gewesen. Anfangs von Bode als Werk von Velázquez (Museumskataloge 1874–1909) gedeutet, entschied sich Hermann Voss überzeugender für Andrea Sacchis (Gemäldegalerie Kataloge von 1931 bis 1968). Einige Wissenschaftler schrieben das Gemälde sogar Vermeer oder den Florentinern Sebastiano Mazzoni und Volterrano zu. Viele dachten sogar an Bernini. Schon im verspäteten Katalog (1927) der »Mostra del ritratto«, Florenz 1911, wurden stilistische Beziehungen zu Pietro da Cortona und Bernini erkannt.

Eine qualitative Wende bei der Zuschreibung des Berliner Meisterwerks, das die Gemäldegalerie seit 1975 als »Toskanisch, ca. 1645 (?)« aufgelistet hatte, vollzieht sich im Jahre 1990 mit der problematischen Zuschreibung an den Lothringer Charles Mellin, einem zwischen Rom und Neapel tätigen Meister aus der Schule von Simon Vouet.

Eine Zusammenarbeit zwischen Bernini und Mellin ist heute allgemein anerkannt. Aufgrund der Ähnlichkeit mit einer karikaturhaften Skizze Berninis wurde der Porträtierte als der österreichische Maler Johann Paul Schor identifiziert. Die Zuschreibung dieses beeindruckenden Porträts muss jedoch offen bleiben, selbst die Nationalität des Malers bleibt ungeklärt. Mit Vorsicht kann man den Entstehungsort des Berliner Gemäldes um 1630 in Italien oder Spanien vermuten. Roberto Contini | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This figure of a man, depicted from below, whose body fills the space between a wall and a column (a symbol of power and grandeur) is one of the most superb full-figure portraits of the Baroque era. Both the author of this highly ironic composition as well as the identity of the depicted figure, meanwhile, have long remained mysterious.

The black-clad military commander stands on top of a white and red banner that bears the golden bees of the Barberini family – of which Pope Urban VIII (reigned 1623–44), then in office, belonged. Critics have held divergent opinions, in particular concerning the question of whether the depicted figure is a friend or foe of the powerful Barberini family – and in the second case, whether he therefore steps on the banner as a gesture of contempt. Such an interpretation points toward General Alessandro Dal Borro from Arezzo (1600–56) as the sitter’s identity. General Borro, who served both Odoardo Farnese, the Duke of Parma, as well as Ferdinand II de’ Medici, the Grand Duke of Tuscany, defeated the Pope’s army during the Castro War near Mongiovino (1643). This identification was however quickly rejected by researchers, who called attention to serious discrepancies between the present work and the secure portrait of the general by Justus Susterman. No more convincing is an identification of the depicted figure as Odoardo Farnese.

This monumental portrait has been attributed to a number of different artists. Initially regarded by Bode as a work of Velázquez (museum catalogues 1874–1909), it was attributed by Hermann Voss more convincingly to Andrea Sacchi (Gemäldegalerie catalogues 1931 to 1968). A number of scholars have even attributed the painting to Vermeer or the Florentine artists Sebastiano Mazzoni and Volterrano. Many even pointed toward Bernini. Stylistic relationships to Pietro da Cortona and Bernini had been recognised already in the belatedly published catalogue (1927) of the “Mostra del ritratto”, held in Florence in 1911.

A qualitative turn regarding attributions of this masterwork, which has been listed by the Gemäldegalerie since 1975 as “Tuscan, circa 1645 (?)”, occurred in the year 1990, with a problematical attribution to the Lorrain artist Charles Mellin, a master from the school of Simon Vouet who was active between Rome and Naples.

A collaboration between Bernini and Mellin is generally recognized today. By virtue of its similarities to a caricature-style sketch by Bernini, the portrayed man has been identified as the Austrian painter Johann Paul Schor. The attribution of this striking portrait must however remain unresolved, and even the nationality of its author remains unclear. The place of origin of the Berlin painting can be identified tentatively as either Italy or Spain around 1630. Roberto Contini | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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