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Perseus befreit Andromeda

Ident. Nr.: 785

ObjID: obj:871562

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1620/22
Weitere Titel
Sammlungstitel: Perseus befreit Andromeda
Übersetzung: Perseus frees Andromeda
Geografische Bezüge
Antwerpen,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 99,7 x 139,6 cm
Erwerbung
1829/30 Überweisung aus den Königlich Preußischen Schlössern

Objektbeschreibung

Der römische Dichter Ovid hat in seinen Metamorphosen die Sage von Perseus und Andromeda popularisiert. An einen Felsen gefesselt, sollte Andromeda, die Tochter des äthiopischen Königs Cepheus, einem Meeresungeheuer preisgegeben werden. Das grausame Opfer war dem König von Poseidon auferlegt worden, um den Hochmut seiner Frau Cassiopeia zu sühnen, die ihre Tochter und sich selbst an Schönheit mit den Nereiden gemessen hatte. Als Perseus nach seinem Sieg über die gefürchtete Gorgo Medusa auf dem Flügelross Pegasus heimkehrte, erblickte er die an einen Küstenfelsen gefesselte Prinzessin. Von ihrer Schönheit überwältigt, hielt er im Fluge inne und trat an sie heran. Mit diesen Worten charakterisiert Ovid die Begegnung zwischen Perseus und Andromeda, die er in der Gliederung des Handlungsablaufs dem Kampf des Helden mit dem Untier zeitlich voraufgehen lässt. Dagegen hat Rubens, dessen Erzählkunst am denkbar höchsten Maßstab, Homer, gemessen worden ist, die Begegnungsszene mit der Befreiungsszene verbunden. Das getötete Meeresungeheuer treibt links in der Brandung. Im tiefroten Mantel des Siegers löst Perseus Andromedas Fesseln. Zwei Putti sind ihm hierbei behilflich, während drei weitere sich um Pegasus tummeln, an dem sie einander heraufhelfen bzw. ihm die Zügel halten. Das Geschehen ist auf dem vom Betrachter leicht abgerückten Felsplateau in der Abfolge von links nach rechts chronologisch sinnvoll vor Augen geführt und findet seinen Höhepunkt in den sich wechselseitig bedingenden Haltungsmotiven der Hauptakteure. Die kraftvolle Bewegung des Helden und die verinnerlichte Hingabe der im hellen Licht zart modellierten Frauenfigur künden im Sinne der zitierten Verse von der gerade erwachenden Liebe, die sich mit der Befreiung erfüllt. Rubens, der um anspruchsvolle, die Bildaussage unterstreichende Antikenzitate nie verlegen war, hat die Gestalt Andromedas und des Puttos neben ihr, der die Fesseln löst, der Statue der Venus Felix (Rom, Vatikanische Sammlungen) nachgeformt. Der Maler kann das Bildwerk während seines Romaufenthaltes gesehen haben, möglicherweise diente ihm aber auch eine Zeichnung von Hendrick Goltzius nach der römischen Venus-Statue als Inspirationsquelle. Rubens hat den Andromeda-Mythos in variierender Themendeutung mehrfach veranschaulicht: unter anderem in einem Spätwerk, ebenfalls in der Berliner Galerie, und in einer nahezu formatidentischen Fassung in St. Petersburg (Eremitage), das dem hier vorgestellten Bild zeitlich unmittelbar vorangeht. In diesem Beispiel ist der Gestalt des Perseus mit der furchterregenden Waffe des Medusenschildes im Zentrum der vielfigurigen Komposition entschiedene Vorrangstellung verliehen. Das zu seinen Füßen platzierte Meeresungeheuer, der von Putti gezügelte Pegasus und die von Putti entfesselte Andromeda sind ihm in konzentrischer Anordnung gleichsam als Attribute seines Heldentums zugeordnet. Fama, die sein Haupt bekränzt, erhebt ihn in den Rang des ruhmvollen Siegers. Eine solche Prägung des Themas dürfte allegorisch-politischen Sinnbezügen unterstellt sein, die in unserem Bild jedoch nicht enthalten sind. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The Roman poet Ovid popularised the myth of Perseus and Andromeda in the Metamorphoses. Tied to a rock, Andromeda, the daughter of the Ethiopian king Cepheus, is to be sacrificed to a sea monster. This punishment was ordered by Poseidon in retribution for the boastful utterances of the king’s wife, Cassiopeia, who bragged that she and her daughter were more beautiful than the Nereids. Perseus, who was travelling home on the winged horse Pegasus after having defeated and killed the dreaded gorgon Medusa, spotted the princess tied to a rocky cliff. Overwhelmed by her beauty, he stopped and approached her.

With these words, Ovid describes the encounter of Perseus and Andromeda, which is followed by the battle between the hero and the menacing monster. In contrast, Rubens – whose narrative skill has been compared with that master of storytelling, Homer – combines the encounter with the liberation scene. On the left side of the painting the slain sea monster floats in the breakers. Clad in a deep-red mantle, Perseus releases Andromeda from her bonds. Two cherubs assist him, while a further three gambol around Pegasus, one helping another up onto the horse’s back, while the third holds the bridle. This all takes place on a rocky ledge angled slightly away from the viewer, and is depicted from left to right in chronological order, climaxing in the interdependent postures of the two main protagonists. The dynamic movement of the hero and the internalised devotion of the female figure, delicately modelled in bright light, depict the spark of new love which culminates in the liberation of the bound maiden, as is described in Ovid’s verses. Rubens, who was never averse to adding quotations from classical antiquity to underscore the message of the painting, based the figure of Andromeda and the cherub next to her on the statue Venus Felix (Rome, Vatican Collections). The artist is likely to have seen this statue during his stay in Rome, but another source of inspiration may also have been a sketch of the Roman statue of Venus by Hendrick Goltzius. Rubens painted the myth of Andromeda several times, each with a slightly different interpretation. These include a late work, also in the Berlin Gallery, and a practically identical version in Saint Petersburg (Hermitage), which was completed immediately before this picture. In the Saint Petersburg painting, the figure of Perseus, holding the terrifying shield of the Medusa, stands at the centre of the busy composition with its many figures. The dead sea monster at his feet, the cherubs holding Pegasus by his bridle and Andromeda being untied by other cherubs, are arranged concentrically around him as attributes of his heroism. Fama, who places a crown on his head, elevates him to the status of a glorious victor. This version of the subject matter contains allegorical and political symbolism, which is lacking in the Berlin painting. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 31.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Roelof de Vos van Steenwijk

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In ungewöhnlich großen goldenen Lettern fasst die Inschrift den Kopf des Dargestellten  (um 1504 - um 1564) ein. Dass der goldene Ring am linken Ringfinger das Wappen der holländischen Familie de Vos van Steenwijk zeigt, wurde schon im 19. Jahrhundert erkannt, allerdings herrschte lange keine Klarheit über die genaue Identität des Porträtierten. Die Identifizierung mit einem gewissen Roelof geht auf den Historiker und Genealogen Albrecht Nicolaas Baron de Vos van Steenwijk (1976) zurück. Diesem zufolge wurde Roelof 1505 als unehelicher Sohn von Reynalt de Vos van Steenwijk und Agnes van Ittersum geboren, im Februar 1537 wurde in Brüssel die Abstammung des damals etwa 31-Jährigen formal in einem Brief von Kaiser Karl V. anerkannt. Bald darauf heiratete er die Kölnerin Catharina Bellinckhausen, 1543 wird eine gemeinsame Tochter erwähnt. Vor 1548 ließ Roelof sich in Antwerpen nieder, wo er vor 1564 gestorben ist. Die aufrecht nach rechts gewandte Haltung des de Roelof Vos van Steenwijk, der aus dem Bild nach rechts und nicht auf den Betrachter blickt, spricht sehr dafür, dass dieses Porträt ursprünglich auf ein Gegenstück hin konzipiert war. Denkbar ist in Anbetracht der Tatsache, dass Roelof zwischen 1537 und 1543 geheiratet hat, dass es als Verlöbnisbild oder aber anlässlich der Eheschließung – mit einem möglichen Pendant der Gattin – in Auftrag gegeben wurde.| Christine SeidelSIGNATUR / INSCHRIFT: ANNO 1541 ETATIS SUAE 37

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

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Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633

Kardinal Ludovico Trevisan

Kardinal Ludovico Trevisan

Mantegnas außergewöhnliches Porträt zeigt den in Venedig geborenen Ludovico Trevisan (1401-1465), der auch unter dem Namen Scarampi oder Mezzarota bekannt ist. Es entstand zwischen dem 27. Mai 1459 und dem 8. Februar 1460 während des Fürstenkongresses von Mantua, auf dem Papst Pius II. um Unterstützung für den Kampf gegen die Osmanen warb. Trevisan war als reicher, mächtiger und gebildeter Mann innerhalb der kirchlichen Hierarchie aufgestiegen; 1435 wurde er Bischof von Trau, 1437 Erzbischof von Florenz, 1439 Patriarch von Aquileia und am 1. Juli 1440 Kardinal und zugleich Kämmerer (camerlengo) des Heiligen Stuhls. In der Schlacht von Anghiari stellte er 1440 seine militärischen Fähigkeiten als Befehlshaber der päpstlichen Truppen im Kampf gegen den Mailänder General Niccolò Piccinino unter Beweis. 1457 führte er eine erfolgreiche Seekampagne gegen die Türken im östlichen Mittelmeer und kehrte im März 1459 nach Rom zurück. Auf dem Kongress von Mantua wandte er sich gegen die Kreuzzugspläne Papst Pius’ II. und opponierte öffentlich gegen den venezianischen Kardinal Pietro Barbo, den späteren Papst Paul II. Er stand in Kontakt mit den bedeutendsten Humanisten und Antiquaren seiner Zeit, darunter Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini und Cyriacus von Ancona. Zudem trug er eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken und Altertümern darunter Münzen, Kameen, Gemmen und Bronzebüsten zusammen (s. das Inventar seiner Sammlungen in Florenz, publiziert bei Bagemihl 1993). Um 1461 beschäftigte er den Medailleur und Goldschmied Cristoforo di Geremia aus Mantua, der sich in Rom mit Altertümern befasst hatte und dem die Portraitmedaille mit offensichtlichen Rekursen auf römische Münzen (s. unten) zugeschrieben wird.Mantegnas Bildnis ist ein Meilenstein der italienischen Porträtkunst. Qualitäten der klassischen Skulptur werden in dieser Tafel auf die Malerei übertragen, sodass sich die Forderung des Dichters und Humanisten Ulisse degli Aleotti an den Künstler, der »in der Malerei [ein Bild] lebensnah und wahr herauszumodellieren und zu formen habe« wie ein Bildhauer (scolpi in pictura [l’imagine] propria viva et vera; s. Kristeller 1902, S. 488), zu erfüllen scheint. Der rote Klerikermantel oder ferraiolo gibt dem im Dreiviertelprofil gezeigten Brustbildnis Ludovicos auf ähnliche Weise Halt wie die Umhangdraperien (paludamentum) von Mantegnas gemalten Marmorbüsten römischer Kaiser oder Generäle an der Decke der Camera degli Sposi im Castello di San Giorgio des Palazzo Ducale zu Mantua. Zugleich akzentuiert Mantegna die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei: in der stofflichen Wiedergabe des Seidenmoirés und dem unter dem weißen, halbtransparenten Chorhemd durchscheinenden Rot des Talars. Beim Vergleich des kompromisslos strengen Porträts des Kardinals Trevisan mit dem delikaten Profilbildnis des jungen Gonzaga-Prälaten oder mit dem naturalistischer anmutenden Bildnis in den Uffizien, dessen Modell meist als Carlo de’ Medici angesprochen wird (Agosti 2005, S. 320–321, 352–354, Nr. 173–177; Ausst.-Kat. Mantua 2006/07, S. 70), zeigt sich das Potenzial seiner malerischen Annäherungsmöglichkeiten an die Persönlichkeit des jeweils Dargestellten (In dem weicher ausgeleuchteten, doch noch klar beschreibenden Bildnis in den Uffizien scheint Mantegna mit dem Naturalismus der niederländischen Portraits zu wetteifern, ohne jedoch die strenge, skulptural begriffene Monumentalität seiner Kunst aufzugeben.). Der Rekurs auf ein klassisches Repertoire, der etwa an das Relief einer römischen Stele denken lässt, wie sie auf den Gütern von Jacopo Marcello in Monselice bei Padua zu finden waren, mäßigt im Fall des Trevisan-Bildnisses einerseits die herbe Erscheinung des Kardinals, den der Mantuaner Chronist Andrea Schivenoglia so beschrieb: »Ein kleiner, schwarzer, haariger Mann von äußerst hochmütigem und finsterem Aussehen« (»homo pizolo, negro, peloxo, com aìero molto superbo e schuro«; Übers. SH); andererseits dient er der Veranschaulichung eines besonderen Wesenszugs Trevisans: der virtù. Wie Kristeller bemerkte, »prägt sich in dem scharf geschnittenen Munde, den fest zusammengezogenen Augenbrauen« ein eiserner Wille aus; »hohe Intelligenz und feurige Leidenschaftlichkeit leuchten aus den klaren, scharfblickenden Augen; etwas Misstrauisches liegt in dem Blick, in der Senkung der Augenbrauen. Energie und Selbstsucht, die Grundzüge dieses Charakters, sind überzeugend in dem Gesichte zum Ausdruck gebracht.« (Kristeller 1902, S. 179–180).Bibliographie:Kristeller, 1901, pp. 170-73; Tietze-Conrat, 1955, pp. 11-12; Lightbown, 1986, pp. 81-82, 408-10; Campbell, 1990, p. 228; Christiansen, in Martineau, 1992, pp. 333-35; de Nicolò Salmazo 2004, pp. 146; Santucci 2004, pp. 98-100; Agosti 2005, p. 28; Poldi and Villa, in Lucco 2006, p. 57.Text aus "Gesichter der Renaissance" 2011, Autor: Keith Christiansen