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Middelburger-Altar / Bladelin-Altar

Ident. Nr.: 535

ObjID: obj:871762

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rogier van der Weyden (1399 - 1464),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1445/50
Weitere Titel
Sammlungstitel: Middelburger-Altar / Bladelin-Altar
Bladelin-Altar
Die Sibylle von Tibur zeigt Kaiser Augustus die Erscheinung der Muttergottes
Die Geburt Christi mit dem Stifter Pieter Bladelin (gest. 1472)
Der Stern in Gestalt des Kindes erscheint den Heiligen Drei Königen
Maria der Verkündigung
Engel der Verkündigung
Übersetzung: Middelburg Altarpiece / Bladelin Altarpiece
Geografische Bezüge
Brüssel,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Tafelmaß: je Flügel 93,5 x 41,7 cm

Objektbeschreibung

Rogier van der Weyden, der von seinen Zeitgenossen fast ebenso sehr bewundert wurde wie Jan van Eyck, hat durch seine prägnante, asketisch strenge Formensprache und seinen plastischen, wirklichkeitsnahen Stil das Gesicht der nordländischen Kunst entscheidend geprägt. Er war die Zentralfigur der niederländischen Malerei in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eine künstlerische Ausstrahlung von solcher Breite und Tiefe konnte nur einem genialen Künstler beschieden sein, dessen Schaffen sich kongenial zu seiner Umgebung und Zeit entwickelte. Die Beinamen unseres Altares erinnern an den Ort, für den er der Überlieferung nach bestimmt war, sowie an seinen möglichen Stifter Pieter Bladelin (um 1410-1472). Bladelin, der vom Steuereinnehmer seiner Vaterstadt Brügge zum allgewaltigen Finanzminister des burgundischen Staates und zum Schatzmeister des Ordens vom Goldenen Vlies aufgestiegen war, ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der an ungewöhnlichen Männern so reichen Zeit. Die Macht Burgunds beruhte auf der Kapitalkraft des Landes und seiner vornehmsten Repräsentanten, die die Herzöge durch Schenkungen und Begünstigungen förderten und so für ihre Ziele gewannen. Das Leben am Hof mit seinen Festen und Turnieren, bestimmt durch die hohen Ideale des Rittertums, war Bestandteil dieser Lebensform, die auch für Bladelin als Ritter, Vertreter des Großkapitals und einflußreicher Ratgeber Philipps des Guten von Burgund verbindlich war. Er ist unter anderem mit der Aufgabe betraut worden, die Geldmittel für den Kreuzzug gegen die Türken zu verwalten. Im Jahre 1440 wurde er mit der wichtigen Mission beauftragt, Karl von Orléans aus der englischen Gefangenschaft loszukaufen, in die ihn die vernichtende Niederlage des französischen Ritterheeres in der Schlacht von Azincourt (1415) geführt hatte. Die steile Karriere Bladelins, sein politischer Einfluß und sein ungeheurer Reichtum haben selbst seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzt. Die schier unbegrenzten Geldmittel verwendete er zu Eindeichungen – der Bladelinpolder zwischen Sluis und Zuidsande erinnert an ihn – und seiner wohl ungewöhnlichsten Leistung: der Gründung einer neuen Stadt. Auf unbebautem Land nordöstlich von Brügge, einst im Besitz der Abtei von Middelburg auf Zeeland, ließ Bladelin die Stadt Middelburg errichten. Die Stadtgründung umfaßt den Zeitraum von 1448 bis 1464. Im Jahre 1460 wurde die Kirche geweiht, für die der von Rogier van der Weyden geschaffene Altar möglicherweise bestimmt war. Der Altar gehört zu den Werken, die die Kunst Rogiers in vollkommener Weise repräsentieren. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß er schon früh als vorbildhaft empfunden und demzufolge häufig kopiert worden ist. Eine dieser Kopien, die sich noch heute in der Kirche von Middelburg befindet, sowie die Zitation der Stadtansicht der Mitteltafel in der 1641/44 erschienenen »Flandria Illustrata«, wo sie als Bladelins Schloß bezeichnet wird, haben die Argumente zur Bestimmung der Herkunft des Altares und seines Stifters Pieter Bladelin geliefert. Allerdings handelt es sich bei der Stadt auf dem Gemälde um eine Phantasieansicht von Bethlehem, keineswegs um ein Porträt von Middelburg. Zweifel an der Identifikation des ursprünglichen Aufstellungsortes und des Stifters bleiben daher bestehen. Auf der Mitteltafel, im Zentrum des Altares, ist die Geburt Christi dargestellt. Sie bildet den inhaltlichen Mittelpunkt des Werkes. In der Ruine des Stalles liegt das göttliche Kind, dem sich Maria, Joseph, drei Engel und der Stifter andachtsvoll zuwenden. Aus der Höhe schweben drei weitere Engel herab, während in der sich links im Hintergrund anschließenden Landschaft die Verkündigung der Christgeburt an die Hirten dargestellt ist. Rechts im Hintergrund schließt sich der Ausblick auf die Stadt an, in der die Menschen ihren täglichen Verrichtungen nachgehen. Alter Tradition folgend, hat Rogier van der Weyden die Darstellung der Geburt Christi durch beziehungsreich ins Bild gesetzte Motive bereichert, um die tiefe Bedeutung des Geschehens darzulegen. Die romanischen Architekturformen des Stalles sind Zeugen einer vergangenen Epoche, die durch das Erscheinen des Erlösers, das den Beginn der Gnadenzeit ankündigt, ihr Ende gefunden hat. Die massive Säule, die das Dach des Stalles trägt, ist als Motiv im Mittelalter mit der wunderbaren Geburt des Kindes verknüpft und auch als Sinnbild der Geißelsäule auf den bevorstehenden Leidensweg Christi bezogen worden. Die Kerze in der Hand Josephs, deren schwacher Schein vom überirdischen Licht des göttlichen Kindes überstrahlt wird, ist ein Motiv, das Rogier den Offenbarungen der heiligen Birgitta von Schweden (1303-1373) entnommen hat. All diese symbolischen Hinweise dienen dazu, das Geschehen als Anbruch einer neuen Epoche zu interpretieren, die den Menschen die Erlösung verheißt. Nahe den heiligen Personen hat Rogier van der Weyden den Stifter dargestellt, der andachtsvoll im Gebet niederkniet. Er trägt das schwarze, mit Pelz verbrämte Gewand, das von den burgundischen Herzögen und den ihnen nahestehenden Persönlichkeiten getragen wurde. Zeichen der hohen sozialen Stellung sind auch die Schnabelschuhe, deren Länge Rang und Würde ihres Trägers erkennen lassen. Ebenso ausdrucksvoll wie in seinen autonomen Bildnissen hat Rogier van der Weyden die klar geschnittenen, energischen Gesichtszüge des Stifters erfaßt und mit großer Eindringlichkeit der Nachwelt überliefert. Das Programm des Altares findet seine Ergänzung durch die Darstellungen auf den das Mittelbild rahmenden Flügeln. Links ist die Verkündigung der Geburt Christi an Kaiser Augustus dargestellt, die die Legenda aurea überliefert. Es heißt dort, daß der Kaiser von den Senatoren gedrängt worden sei, sich göttliche Ehren erweisen zu lassen und dieser deshalb die Sibylle befragte, ob je ein mächtigerer Herrscher als er geboren würde. Da erschien um die Mittagsstunde – es war der Tag der Geburt Christi – am Himmel die Madonna mit dem Kind auf einem Altar. Die Sibylle offenbarte dem Kaiser die Macht des Kindes; dieser opferte angesichts der Vision Weihrauch und wünschte fortan, selbst nicht als Gott verehrt zu werden. Wir sehen den Kaiser, der vor der Vision niederkniet, sein Opfer darbringt und den Kronenhut voller Ehrfurcht in der Hand hält. An seiner Seite steht die Sibylle, die das himmlische Zeichen deutet. Zeugen des Geschehens sind drei Männer aus dem Gefolge des Kaisers. Der Verkündigung der Geburt Christi an Augustus, den Herrscher des Abendlandes, ist auf dem rechten Flügel die Verkündigung an die Könige des Morgenlandes gegen - übergestellt. Wir erblicken die Heiligen Drei Könige, die nahe dem Gipfel eines steilen Berges niedergekniet sind und den Aufgang des Sternes am Himmel in stiller Andacht betrachten. In der Legenda aurea findet sich der Bericht über ein weiteres Wunder, das sich am Tage der Geburt Christi ereignete. Danach war den Königen, als sie auf einem Berge beteten, ein Stern erschienen »in eines schönen Kindleins Gestalt«; und das Kind sprach zu ihnen: »Machet euch auf nach Judaea, da findet ihr das Kindlein geboren.« In der Ferne, nahe dem zum Berg hinaufführenden Weg, sind die Könige ein weiteres Mal wiedergegeben. Sie haben sich ihrer Kleider entledigt, um sich im Fluß zu waschen. Auch hierfür liefert die Legenda aurea die Erklärung. Da den Königen von Bileam geweissagt war, daß ein Stern aus Jakob aufgehen und sich ein Szepter aus Israel erheben werde (4. Mose 24, 17), pflegten sie alljährlich auf den besagten Berg zu gehen, um dort nach einer Waschung, das heißt der symbolischen Reinigung, auf das Erscheinen des Sternes als Zeichen für die Geburt des Erlösers zu warten. Das Programm des Altares steht demnach ganz im Zeichen der Menschwerdung Christi und deren Verkündigung an Orient und Okzident. Die ausgewogene Farbgebung und meisterhafte Komposition mit den wirklichkeitsnahen Ausblicken in die Landschaft tragen mit dazu bei, die tiefgreifende Bedeutung des Geschehens dem gläubigen Betrachter in unmittelbarer Weise vor Augen zu führen. Welche Bewunderung die Wirklichkeitsnähe der Kunst Rogier van der Weydens bereits bei seinen Zeitgenossen hervorrief, bezeugen die Worte, die der italienische Altertumsforscher Cyriaco d’Ancona 1449 angesichts eines Bildes des Künstlers gefunden hat: »Denn lebend sieht man die Gesichter atmen, die er zeigen wollte, … und man möchte sagen, daß zumal die so zahlreichen Gewänder und Mäntel von verschiedener Farbe … in vortrefflicher Weise ausgearbeitet worden sind und daß die lebenden Wiesen, Blumen, Bäume, die belaubten und schattigen Hügel wie auch die geschmückten Hallen und Vorhallen, das dem Gold gleichende Gold, Perlen, Gemmen und alle anderen nicht durch die Hand eines menschlichen Künstlers, sondern von der alles erschaffenden Natur selbst geschaffen wurden.« Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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The central panel shows the birth of Christ with the donor worshipping the child, who is lying on the floor of the stable, with a bright light around him. The Romanesque architectural forms of the building make it clear that the appearance of Christ brought a new era. Joseph is protecting the candle-flame to show that all earthly light is outshone by the divine child. On the right-hand panel the Three Magi are kneeling before the divine child. The left-hand panel shows Emperor Augustus, the ruler of the Western world, accompanied by a prophetess, kneeling to the vision of the Madonna. The triptych thus encompasses the whole world in that the rulers of the East and the West submit to the infant Christ, the King of Kings. Stephan Kemperdick | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)