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Middelburger-Altar / Bladelin-Altar

Ident. Nr.: 535

ObjID: obj:871762

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rogier van der Weyden (1399 - 1464),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1445/50
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Middelburger-Altar / Bladelin-Altar
Bladelin-Altar
Die Sibylle von Tibur zeigt Kaiser Augustus die Erscheinung der Muttergottes
Die Geburt Christi mit dem Stifter Pieter Bladelin (gest. 1472)
Der Stern in Gestalt des Kindes erscheint den Heiligen Drei Königen
Maria der Verkündigung
Engel der Verkündigung
Übersetzung: Middelburg Altarpiece / Bladelin Altarpiece
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Brüssel,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Tafelmaß: je Flügel 93,5 x 41,7 cm
Erwerbung
1834 Ankauf von der Kunsthandlung Lambert Jean Nieuwenhuys, Brüssel

Objektbeschreibung

Rogier van der Weyden, der von seinen Zeitgenossen fast ebenso sehr bewundert wurde wie Jan van Eyck, hat durch seine prägnante, asketisch strenge Formensprache und seinen plastischen, wirklichkeitsnahen Stil das Gesicht der nordländischen Kunst entscheidend geprägt. Er war die Zentralfigur der niederländischen Malerei in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eine künstlerische Ausstrahlung von solcher Breite und Tiefe konnte nur einem genialen Künstler beschieden sein, dessen Schaffen sich kongenial zu seiner Umgebung und Zeit entwickelte. Die Beinamen unseres Altares erinnern an den Ort, für den er der Überlieferung nach bestimmt war, sowie an seinen möglichen Stifter Pieter Bladelin (um 1410-1472). Bladelin, der vom Steuereinnehmer seiner Vaterstadt Brügge zum allgewaltigen Finanzminister des burgundischen Staates und zum Schatzmeister des Ordens vom Goldenen Vlies aufgestiegen war, ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der an ungewöhnlichen Männern so reichen Zeit. Die Macht Burgunds beruhte auf der Kapitalkraft des Landes und seiner vornehmsten Repräsentanten, die die Herzöge durch Schenkungen und Begünstigungen förderten und so für ihre Ziele gewannen. Das Leben am Hof mit seinen Festen und Turnieren, bestimmt durch die hohen Ideale des Rittertums, war Bestandteil dieser Lebensform, die auch für Bladelin als Ritter, Vertreter des Großkapitals und einflußreicher Ratgeber Philipps des Guten von Burgund verbindlich war. Er ist unter anderem mit der Aufgabe betraut worden, die Geldmittel für den Kreuzzug gegen die Türken zu verwalten. Im Jahre 1440 wurde er mit der wichtigen Mission beauftragt, Karl von Orléans aus der englischen Gefangenschaft loszukaufen, in die ihn die vernichtende Niederlage des französischen Ritterheeres in der Schlacht von Azincourt (1415) geführt hatte. Die steile Karriere Bladelins, sein politischer Einfluß und sein ungeheurer Reichtum haben selbst seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzt. Die schier unbegrenzten Geldmittel verwendete er zu Eindeichungen – der Bladelinpolder zwischen Sluis und Zuidsande erinnert an ihn – und seiner wohl ungewöhnlichsten Leistung: der Gründung einer neuen Stadt. Auf unbebautem Land nordöstlich von Brügge, einst im Besitz der Abtei von Middelburg auf Zeeland, ließ Bladelin die Stadt Middelburg errichten. Die Stadtgründung umfaßt den Zeitraum von 1448 bis 1464. Im Jahre 1460 wurde die Kirche geweiht, für die der von Rogier van der Weyden geschaffene Altar möglicherweise bestimmt war. Der Altar gehört zu den Werken, die die Kunst Rogiers in vollkommener Weise repräsentieren. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß er schon früh als vorbildhaft empfunden und demzufolge häufig kopiert worden ist. Eine dieser Kopien, die sich noch heute in der Kirche von Middelburg befindet, sowie die Zitation der Stadtansicht der Mitteltafel in der 1641/44 erschienenen »Flandria Illustrata«, wo sie als Bladelins Schloß bezeichnet wird, haben die Argumente zur Bestimmung der Herkunft des Altares und seines Stifters Pieter Bladelin geliefert. Allerdings handelt es sich bei der Stadt auf dem Gemälde um eine Phantasieansicht von Bethlehem, keineswegs um ein Porträt von Middelburg. Zweifel an der Identifikation des ursprünglichen Aufstellungsortes und des Stifters bleiben daher bestehen. Auf der Mitteltafel, im Zentrum des Altares, ist die Geburt Christi dargestellt. Sie bildet den inhaltlichen Mittelpunkt des Werkes. In der Ruine des Stalles liegt das göttliche Kind, dem sich Maria, Joseph, drei Engel und der Stifter andachtsvoll zuwenden. Aus der Höhe schweben drei weitere Engel herab, während in der sich links im Hintergrund anschließenden Landschaft die Verkündigung der Christgeburt an die Hirten dargestellt ist. Rechts im Hintergrund schließt sich der Ausblick auf die Stadt an, in der die Menschen ihren täglichen Verrichtungen nachgehen. Alter Tradition folgend, hat Rogier van der Weyden die Darstellung der Geburt Christi durch beziehungsreich ins Bild gesetzte Motive bereichert, um die tiefe Bedeutung des Geschehens darzulegen. Die romanischen Architekturformen des Stalles sind Zeugen einer vergangenen Epoche, die durch das Erscheinen des Erlösers, das den Beginn der Gnadenzeit ankündigt, ihr Ende gefunden hat. Die massive Säule, die das Dach des Stalles trägt, ist als Motiv im Mittelalter mit der wunderbaren Geburt des Kindes verknüpft und auch als Sinnbild der Geißelsäule auf den bevorstehenden Leidensweg Christi bezogen worden. Die Kerze in der Hand Josephs, deren schwacher Schein vom überirdischen Licht des göttlichen Kindes überstrahlt wird, ist ein Motiv, das Rogier den Offenbarungen der heiligen Birgitta von Schweden (1303-1373) entnommen hat. All diese symbolischen Hinweise dienen dazu, das Geschehen als Anbruch einer neuen Epoche zu interpretieren, die den Menschen die Erlösung verheißt. Nahe den heiligen Personen hat Rogier van der Weyden den Stifter dargestellt, der andachtsvoll im Gebet niederkniet. Er trägt das schwarze, mit Pelz verbrämte Gewand, das von den burgundischen Herzögen und den ihnen nahestehenden Persönlichkeiten getragen wurde. Zeichen der hohen sozialen Stellung sind auch die Schnabelschuhe, deren Länge Rang und Würde ihres Trägers erkennen lassen. Ebenso ausdrucksvoll wie in seinen autonomen Bildnissen hat Rogier van der Weyden die klar geschnittenen, energischen Gesichtszüge des Stifters erfaßt und mit großer Eindringlichkeit der Nachwelt überliefert. Das Programm des Altares findet seine Ergänzung durch die Darstellungen auf den das Mittelbild rahmenden Flügeln. Links ist die Verkündigung der Geburt Christi an Kaiser Augustus dargestellt, die die Legenda aurea überliefert. Es heißt dort, daß der Kaiser von den Senatoren gedrängt worden sei, sich göttliche Ehren erweisen zu lassen und dieser deshalb die Sibylle befragte, ob je ein mächtigerer Herrscher als er geboren würde. Da erschien um die Mittagsstunde – es war der Tag der Geburt Christi – am Himmel die Madonna mit dem Kind auf einem Altar. Die Sibylle offenbarte dem Kaiser die Macht des Kindes; dieser opferte angesichts der Vision Weihrauch und wünschte fortan, selbst nicht als Gott verehrt zu werden. Wir sehen den Kaiser, der vor der Vision niederkniet, sein Opfer darbringt und den Kronenhut voller Ehrfurcht in der Hand hält. An seiner Seite steht die Sibylle, die das himmlische Zeichen deutet. Zeugen des Geschehens sind drei Männer aus dem Gefolge des Kaisers. Der Verkündigung der Geburt Christi an Augustus, den Herrscher des Abendlandes, ist auf dem rechten Flügel die Verkündigung an die Könige des Morgenlandes gegen - übergestellt. Wir erblicken die Heiligen Drei Könige, die nahe dem Gipfel eines steilen Berges niedergekniet sind und den Aufgang des Sternes am Himmel in stiller Andacht betrachten. In der Legenda aurea findet sich der Bericht über ein weiteres Wunder, das sich am Tage der Geburt Christi ereignete. Danach war den Königen, als sie auf einem Berge beteten, ein Stern erschienen »in eines schönen Kindleins Gestalt«; und das Kind sprach zu ihnen: »Machet euch auf nach Judaea, da findet ihr das Kindlein geboren.« In der Ferne, nahe dem zum Berg hinaufführenden Weg, sind die Könige ein weiteres Mal wiedergegeben. Sie haben sich ihrer Kleider entledigt, um sich im Fluß zu waschen. Auch hierfür liefert die Legenda aurea die Erklärung. Da den Königen von Bileam geweissagt war, daß ein Stern aus Jakob aufgehen und sich ein Szepter aus Israel erheben werde (4. Mose 24, 17), pflegten sie alljährlich auf den besagten Berg zu gehen, um dort nach einer Waschung, das heißt der symbolischen Reinigung, auf das Erscheinen des Sternes als Zeichen für die Geburt des Erlösers zu warten. Das Programm des Altares steht demnach ganz im Zeichen der Menschwerdung Christi und deren Verkündigung an Orient und Okzident. Die ausgewogene Farbgebung und meisterhafte Komposition mit den wirklichkeitsnahen Ausblicken in die Landschaft tragen mit dazu bei, die tiefgreifende Bedeutung des Geschehens dem gläubigen Betrachter in unmittelbarer Weise vor Augen zu führen. Welche Bewunderung die Wirklichkeitsnähe der Kunst Rogier van der Weydens bereits bei seinen Zeitgenossen hervorrief, bezeugen die Worte, die der italienische Altertumsforscher Cyriaco d’Ancona 1449 angesichts eines Bildes des Künstlers gefunden hat: »Denn lebend sieht man die Gesichter atmen, die er zeigen wollte, … und man möchte sagen, daß zumal die so zahlreichen Gewänder und Mäntel von verschiedener Farbe … in vortrefflicher Weise ausgearbeitet worden sind und daß die lebenden Wiesen, Blumen, Bäume, die belaubten und schattigen Hügel wie auch die geschmückten Hallen und Vorhallen, das dem Gold gleichende Gold, Perlen, Gemmen und alle anderen nicht durch die Hand eines menschlichen Künstlers, sondern von der alles erschaffenden Natur selbst geschaffen wurden.« Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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The central panel shows the birth of Christ with the donor worshipping the child, who is lying on the floor of the stable, with a bright light around him. The Romanesque architectural forms of the building make it clear that the appearance of Christ brought a new era. Joseph is protecting the candle-flame to show that all earthly light is outshone by the divine child. On the right-hand panel the Three Magi are kneeling before the divine child. The left-hand panel shows Emperor Augustus, the ruler of the Western world, accompanied by a prophetess, kneeling to the vision of the Madonna. The triptych thus encompasses the whole world in that the rulers of the East and the West submit to the infant Christ, the King of Kings. Stephan Kemperdick | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

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Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. 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Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

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Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P