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Der heilige Ulrich

Ident. Nr.: 569

ObjID: obj:871790

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Hans Burgkmair (der Ältere) (1473 - 1531/59),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1518/20
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der heilige Ulrich
Übersetzung: Saint Ulric
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Deutschland,
Land
Material / Technik
Nadelholz
Abmessungen
Bildmaß: 104,8 x 41,1 cm
Erwerbung
1843 Ankauf aus der Sammlung des Verlegers Georg Andreas Reimer, Berlin

Objektbeschreibung

Die beiden Gemälde mit dem heiligen Ulrich und der heiligen Barbara sind Fragmente eines größtenteils verlorenen Altarretabels. Die Wendung der beiden Figuren zueinander, ihre farbige Gestaltung, die Bodengestalt im Vordergrund und die Hügel- und Berglandschaft im Hintergrund, die eine einheitliche Aussicht bilden, sind formale Anzeichen dafür, daß die beiden Kompositionen aufeinander abgestimmt sind. Sie standen also ursprünglich nebeneinander. Folglich sind es die Außenseiten der Flügel eines Retabels. Zusammen repräsentieren sie die Ansicht des verlorenen Altars in geschlossenem Zustand. Allerdings haben die Flügel nicht mehr die ursprüngliche Größe. Sowohl die Kompositionen der beiden Tafeln als auch der technische Befund erweisen, daß die Flügel merklich beschnitten sind. Hinweise auf die ursprüngliche Größe geben Anhaltspunkte im Bild selbst. Das Schwert unter Barbara, mit dem sie hingerichtet wurde, dürfte ehemals ganz zu sehen gewesen sein. Rätselhaft ist der dunkle Gegenstand auf der Ulrichstafel rechts unten, der zunächst aussieht wie ein Stein. Bei näherer Betrachtung sieht er eher aus wie ein Schuh. Sollte da eine ganze Figur verloren sein? Ferner erlaubt ein Vergleich mit anderen Altären Burgkmairs einen Schluß auf die ursprünglichen Proportionen. Danach sind die Berliner Flügel in der Höhe deutlich reduziert. Die Figuren werden hierdurch merklich eingeengt. Dennoch erscheinen beide Heilige in ihrer äußeren Pracht und in ihrer farbigen Gestaltung monumental und überaus ausdrucksvoll. Die linke Tafel zeigt den heiligen Ulrich im Ornat und mit dem Würdezeichen eines Bischofs, dem Krummstab. Seine Kleidung ist ungemein reich. Roter Goldbrokat steht gegen grünen Samt. Daneben finden sich blau-rot changierende Seidentafte. In der Hand hält er einen Hecht. Der heilige Ulrich war Bischof in Augsburg (890-973) und wird in der schwäbischen Reichsstadt als Stadtpatron verehrt. Der Fisch in seiner Hand, der sein persönliches Attribut darstellt, verweist auf einen legendären Vorfall. Der Bischof hatte einem Boten als Belohnung Fleisch für eine Mahlzeit geschenkt, unbedachterweise an einem Fastentag. Das galt als Sünde. Als ihn der Bote deshalb anklagen wollte, verwandelte sich das Fleisch in einen Fisch, und diesen zu essen war erlaubt. Ein Wunder also rettete den Bischof vor dem Vorwurf, kirchliche Gebote gebrochen zu haben. Die rechte Tafel zeigt die heilige Barbara. Auch sie ist in überaus kostbare Gewänder gehüllt und trägt eine perlenbesetzte Krone. In der einen Hand hält sie einen Hostienkelch, in der anderen den Palmwedel, der sie als Märtyrerin kennzeichnet. Sie lebte im 3. Jahrhundert zur Zeit der Christenverfolgungen und war die schöne Tochter eines reichen Heiden. Dieser bewahrte sie in einem Turm, um sie vor jeder Verführung zu schützen. Doch selbst in dieser Abgeschlossenheit erfuhr sie von Christus und bekehrte sich zum Glauben an ihn. Als ihrem Vater dies offenbar wurde, verkehrte sich seine Liebe in Haß und er lieferte sie den Behörden aus. Da sie im Glauben treu verharrte, verlangte ihr Vater selbst die Hinrichtung und sie wurde enthauptet. Darauf weist das Schwert unten hin. Da sie in der Todesstunde fest blieb, wird sie von denen in Todesnot als Patronin angerufen. Daher trägt sie als Attribut den Kelch der letzten Kommunion. Die beiden Heiligendarstellungen lassen vermuten, daß das Retabel, von dem sie stammen, ursprünglich für Augsburg bestimmt war. Stilistisch stehen die Tafeln den Heiligen des Johannesaltars von 1518 in der Alten Pinakothek in München nahe. Sie werden darum um 1518 eingeordnet.| Wilhelm H. Köhler

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. 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Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. 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Ansicht von Nijmegen

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Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019