Die heilige Barbara
Ident. Nr.: 572
ObjID: obj:871791
Kontakt
Einrichtung:
Gemäldegalerie
E-Mail:
gg@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Datierung
- Ausführung: 1518/20
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Die heilige BarbaraÜbersetzung: Saint Barbara
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Nadelholz (Fichte)
- Abmessungen
- Bildmaß: 105,3 x 41,2 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/871791
Objektbeschreibung
Die beiden Gemälde mit dem heiligen Ulrich und der heiligen Barbara sind Fragmente eines größtenteils verlorenen Altarretabels. Die Wendung der beiden Figuren zueinander, ihre farbige Gestaltung, die Bodengestalt im Vordergrund und die Hügel- und Berglandschaft im Hintergrund, die eine einheitliche Aussicht bilden, sind formale Anzeichen dafür, daß die beiden Kompositionen aufeinander abgestimmt sind. Sie standen also ursprünglich nebeneinander. Folglich sind es die Außenseiten der Flügel eines Retabels. Zusammen repräsentieren sie die Ansicht des verlorenen Altars in geschlossenem Zustand. Allerdings haben die Flügel nicht mehr die ursprüngliche Größe. Sowohl die Kompositionen der beiden Tafeln als auch der technische Befund erweisen, daß die Flügel merklich beschnitten sind. Hinweise auf die ursprüngliche Größe geben Anhaltspunkte im Bild selbst. Das Schwert unter Barbara, mit dem sie hingerichtet wurde, dürfte ehemals ganz zu sehen gewesen sein. Rätselhaft ist der dunkle Gegenstand auf der Ulrichstafel rechts unten, der zunächst aussieht wie ein Stein. Bei näherer Betrachtung sieht er eher aus wie ein Schuh. Sollte da eine ganze Figur verloren sein? Ferner erlaubt ein Vergleich mit anderen Altären Burgkmairs einen Schluß auf die ursprünglichen Proportionen. Danach sind die Berliner Flügel in der Höhe deutlich reduziert. Die Figuren werden hierdurch merklich eingeengt. Dennoch erscheinen beide Heilige in ihrer äußeren Pracht und in ihrer farbigen Gestaltung monumental und überaus ausdrucksvoll. Die linke Tafel zeigt den heiligen Ulrich im Ornat und mit dem Würdezeichen eines Bischofs, dem Krummstab. Seine Kleidung ist ungemein reich. Roter Goldbrokat steht gegen grünen Samt. Daneben finden sich blau-rot changierende Seidentafte. In der Hand hält er einen Hecht. Der heilige Ulrich war Bischof in Augsburg (890-973) und wird in der schwäbischen Reichsstadt als Stadtpatron verehrt. Der Fisch in seiner Hand, der sein persönliches Attribut darstellt, verweist auf einen legendären Vorfall. Der Bischof hatte einem Boten als Belohnung Fleisch für eine Mahlzeit geschenkt, unbedachterweise an einem Fastentag. Das galt als Sünde. Als ihn der Bote deshalb anklagen wollte, verwandelte sich das Fleisch in einen Fisch, und diesen zu essen war erlaubt. Ein Wunder also rettete den Bischof vor dem Vorwurf, kirchliche Gebote gebrochen zu haben. Die rechte Tafel zeigt die heilige Barbara. Auch sie ist in überaus kostbare Gewänder gehüllt und trägt eine perlenbesetzte Krone. In der einen Hand hält sie einen Hostienkelch, in der anderen den Palmwedel, der sie als Märtyrerin kennzeichnet. Sie lebte im 3. Jahrhundert zur Zeit der Christenverfolgungen und war die schöne Tochter eines reichen Heiden. Dieser bewahrte sie in einem Turm, um sie vor jeder Verführung zu schützen. Doch selbst in dieser Abgeschlossenheit erfuhr sie von Christus und bekehrte sich zum Glauben an ihn. Als ihrem Vater dies offenbar wurde, verkehrte sich seine Liebe in Haß und er lieferte sie den Behörden aus. Da sie im Glauben treu verharrte, verlangte ihr Vater selbst die Hinrichtung und sie wurde enthauptet. Darauf weist das Schwert unten hin. Da sie in der Todesstunde fest blieb, wird sie von denen in Todesnot als Patronin angerufen. Daher trägt sie als Attribut den Kelch der letzten Kommunion. Die beiden Heiligendarstellungen lassen vermuten, daß das Retabel, von dem sie stammen, ursprünglich für Augsburg bestimmt war. Stilistisch stehen die Tafeln den Heiligen des Johannesaltars von 1518 in der Alten Pinakothek in München nahe. Sie werden darum um 1518 eingeordnet.| Wilhelm H. Köhler
Letzte Aktualisierung: 30.06.2026
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