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Die Anbetung der Könige

Ident. Nr.: 596A

ObjID: obj:871896

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hans Suess von Kulmbach (ca. 1480 - 1522),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1511
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Anbetung der Könige
Übersetzung: The Adoration of the Kings
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 158,9 x 112,8 cm
Erwerbung
1876 Ankauf aus der Sammlung Friedrich Lippmann, Wien/Berlin

Objektbeschreibung

In der Ruine eines antiken Palastes, vor einer grünlichen Marmorsäule, sitzt Maria mit dem Kind im Schoß. Ihr nähern sich die Drei Weisen aus dem Morgenland mit ihrem Gefolge, die dem Stern nachgezogen sind bis Bethlehem, um dem neuen König, Christus, zu huldigen. Zwei von den Königen knien vor dem Christuskind und bieten ihm Geschenke dar. Ein jugendlicher Schwarzer König, links, bringt eine getriebene goldene Deckeldose. Vor Maria beugt ein greisenhafter König in rotem Mantel mit Hermelinkragen das Knie. Er bietet ein Gefäß mit Goldmünzen dar, in das das Kind mit beiden Händen hineingreift. Ein dritter, überaus prächtig gekleideter orientalischer König mit einem Turban nähert sich mit seinem Gefolge durch die Ruine. Er wendet den Blick schon auf das Kind und lässt sich einen getriebenen Birnenpokal als Geschenk reichen. Durch einen Torbogen blickt man in eine weite Landschaft, durch die Reiter auf Pferden und Kamelen herbeiziehen. Einige darunter tragen polnische Trachten.

Links am Bildrand erkennt man die in die Ruine eingebaute Geburtshütte. An einen ihrer Stützbalken hat Kulmbach einen Zettel mit der Jahreszahl 1511 gemalt. Darunter hat er sein verbundenes Monogramm HK gesetzt. Hinter Maria links steht Joseph im Gespräch mit zwei vornehmen Begleitern der drei Weisen. Über der Ruine wölbt sich ein nächtlicher Himmel. Eine Lichterscheinung, der Stern von Bethlehem, glänzt über den Mauern. Weiter in der Ebene aber scheint heller Tag über Wiesen und Bäumen. Die antike Ruine, in der Christus geboren wurde, ist nach der Legende der Überrest des Palastes König Davids. Sie versinnbildlicht die Herkunft Christi aus dem Stamm Davids. Sie macht auch anschaulich, dass dessen Zeit, die Zeit des Alten Bundes, vergangen ist. Mit der Menschwerdung Christi hat Gott einen Neuen Bund geschlossen. Die Säule hinter der Gruppe erinnert an die Geißelsäule und deutet so auf das Geschick des Kindes, auf die kommende Passion hin.

Die drei Könige sind zwiefach unterschieden. Der Schwarze König ist jugendlich, der in orientalischem Gewandt ist mittleren Alters und der dritte, nach seiner Tracht wohl ein Europäer, ist ein Greis. Die Altersstufen verdeutlichen, dass alle Generationen dem neugeborenen König ihre Huldigung darbringen. Die drei Könige zeigen zugleich, dass die ganze (damals bekannte) Welt, die drei Erdteile Afrika, Asien und Europa, herbeigeeilt sind zu diesem Ereignis. Unter dem Gefolge fällt ein Mann mit einer schwarzen Mütze durch seine individuellen Züge auf. Er steht im Torbogen. Man hat in ihm den Stifter vermutet. Die Anbetung der Könige ist die Mitteltafel eines auseinandergetrennten Klappaltars. Zwei weitere Teile, die Darbringung Christi im Tempel und die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, befinden sich noch in dem Kloster na Skałce in Krakau. Eine Kopie nach der Anbetung befindet sich ebenfalls in Krakau. Es ist daher zu vermuten, dass dieser Marienaltar für eine Krakauer Kirche angefertigt wurde. Möglicherweise war es die Kirche des Klosters na Skalce. Für die Köpfe Mariens und Josephs existieren zwei vorbereitende Zeichnungen in Erlangen. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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In the ruins of an ancient palace, the Virgin Mary sits with the child in her lap in front of a greenish marble column. The three kings from the East have arrived with their entourage, following the star to Bethlehem to pay homage to the king, Jesus Christ. Two of the kings are kneeling before the child offering their gifts. The young Black king on the left has brought a receptacle with a lid in chased gold. An elderly king in a red mantle with an ermine collar is approaching Maria on bent knee. He offers a receptacle full of gold coins into which the child is reaching with both hands. A third, magnificently dressed oriental king with a turban is approaching through the ruined palace with his entourage. He has already turned his gaze towards the child and is having his gift, a chased, pear-shaped goblet, handed to him. Through the arch behind him, a broad landscape can be seen with riders passing on horses and camels. Some of them are wearing Polish national dresses.

On the left edge of the painting, one can see the hut where Christ was born among the ruins. On one of its supporting beams, there is a note on which von Kulmbach has written the year, “1511”. Below this, the artist has inscribed his monogram “HK” in ligature. On the left, behind Mary, Joseph stands talking to two nobles who are accompanying the three kings. Above the ruins is the night sky. The star of Bethlehem shines above the walls. Further away, the meadows and trees on the plain stand in daylight. According to legend, the ancient ruins in which Christ was born are the remains of the palace of King David. They symbolise Christ’s origin from the lineage of David and also that David’s time, the time of the Old Covenant, has passed. With Christ becoming man, God has concluded a New Covenant. The pillar behind the group recalls the flagellation column and thus alludes to the fate of the child and to the coming Passion.

The three kings are differentiated in two ways. The Black king is young, the Oriental king is middle-aged and the third king, probably a European to judge by his dress, is elderly. Their different ages are intended to illustrate that all generations are paying homage to the newborn king. The depiction of the kings as an African, an Oriental and a European at the same time shows that people from the three continents, Africa, Asia and Europe (all of the world that was known at the time), have come hurrying to witness this event. Among the kings’ entourage a man with a black hat has strikingly individual features. He is standing in the archway, suggesting that he may be the donor. The Adoration of the Magi is the middle section of a foldable altarpiece. Two other sections, the Presentation of Jesus
in the Temple and the Flight of the Holy Family to Egypt, are still held at the Pauline Skałka monastery in Cracow. A copy of the Adoration of the Magi is also in Cracow. It therefore appears probable that this Marian altarpiece was made for a Cracow church, perhaps even the Skałka church. Two preliminary drawings for the heads of Mary and Joseph exist in Erlangen. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Maria mit dem Kind

Maria mit dem Kind

Seit dieses anmutige Bild 1823 erstmals in Berlin inventarisiert wurde, hat man es um das Jahr 1500 datiert und zunächst mit der venezianischen, dann mailändischen Schule in Verbindung gebracht. Stilistische Vergleiche legten eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Stil von Ambrogio Bergognone nahe, während eine andere Einschätzung eher auf die Schule von Verona hindeutete, und auf Paolo Morando, genannt Cavazzola. Die Zuschreibung an Johannes Hispanus stammt von Federico Zeri und unabhängig davon von Franco Moro. Giovanni Romano fasst hervorragend die Stilelemente zusammen und verortet die Maria mit dem Kind zwischen Ferrara (mit Ortolano und Niccolò Pisano) und Cremona (mit Boccaccio Boccaccino). Sowohl die Landschaft als auch die glänzenden Stoffe, etwa der Umhang der Jungfrau Maria, zeigen eine Nähe zu Malern aus dem Gebiet von Venedig, nicht nur zu Giorgione, sondern insbesondere auch zu Dosso Dossi, Romanino und Tizian, was die geografische Zuordnung unterstützt. Die klar erkennbaren Ähnlichkeiten zwischen dieser Arbeit und einer von Johannes Hispanus signierten Grablegung in der Sammlung Saibene in Mailand bestätigen die Zuschreibung der Tafel zu diesem Maler. Allerdings fand das Berliner Werk in der Literatur zu Johannes Hispanus zunächst nur wenig Beachtung. Dies änderte sich erst mit der ersten Monografie über den Maler von Stefania Castellana (2017), die für diese Tafel eine Datierung zwischen 1502 und 1504 anregt; als Grund nennt sie die stilistische Nähe zur Jungfrau Maria auf dem Altarbild von Boccaccino in der Kirche San Zulian in Venedig (um 1502), während Gestalt und Antlitz denen der Meister von Ferrara und insbesondere von Niccolò Pisano ähneln. Zugleich erinnert die typisch puppenartige, wie eingefroren wirkende Darstellung des Jesuskindes an ein entsprechendes Detail auf dem später entstandenen Altarbild von Montecassiano in den Marken (1506–08). Sechzig Jahre nach seinem Erwerb zusammen mit der Sammlung Solly wurde das Bild, nachdem es 1830 nur einige Jahre in der Berliner Galerie zu sehen gewesen war, 1884 an das Provinzialmuseum in Hannover und dann 1912 an das Landesmuseum der Provinz Westfalen in Münster gegeben. 1942 kehrte es nach Berlin zurück.__________________________________________________________________Ein erlesenes Werk des ´Johannes Hispanus`, einem Maler aus Spanien (Valencia) mit stilistischem Bezug zur Toskana (Piero di Cosimo), der Lombardei (Luini), zu Venedig (Boccaccino, Giovanni Agostino da Lodi) und Ferrara (Nicola Pisano, Garofalo, Ortolano) aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Die starken italienischen Einflüsse haben Teile der Krtiker gespalten, so glauben manche Kunsthistoriker eher an die Autorschaft eines italienischen Malers.

Die Venezianerin (Heilige Maria Magdalena)

Die Venezianerin (Heilige Maria Magdalena)

Die früheren Fassungen in London (The National Gallery), Florenz (Gallerie degli Uffizi) und Los Angeles (J. Paul Getty Museum) geben links unten statt der Signatur das Salbgefäß vor dem offenen Grab. Im Berliner Gemälde fehlt dieses Attribut der Magdalena, und es wird die Identität der Dargestellten bewusst offengelassen. Es bleibt das verwirrende Spiel mit dem halb abgewandten, aber aus dem Bild schauenden Gesicht der ansonsten verhüllten, jedoch durch das Licht und Gold des Gewands aufs Äußerste hervorgehobenen Frau. Die Mauer verstärkt noch ihre Dominanz, verstellt dem Blick des Betrachters die Flucht. Im Londoner Gemälde schimmert der Stoff silbern – vielleicht als Abglanz des Auferstandenen. Die scheinbar dickere Oberfläche im Berliner Bild lässt beinah an eine Metallfolie denken. | Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten links an der Mauer: Joanes Jeroni̅us / Savoldus. de / brisia / faciebat._________________________________________Earlier versions of this work in London (The National Gallery), Florence (Gallerie degli Uffizi) and Los Angeles (J. Paul Getty Museum) depict a vessel of ointment before the open tomb in the bottom left-hand corner, rather than a signature. This attribute of Mary Magdalene is missing in the Berlin painting; thus the subject’s identity is deliberately ambiguous. What we see, then, is a bewildering game played with the veiled face of the woman, whose image is powerfully highlighted by the light and gold of her garments. The wall further increases her dominance of the picture, as it does not allow the viewer’s eye to escape. In the London picture the fabric has a silver sheen—perhaps as a reflection of the risen Christ. The dense surface of the Berlin painting almost suggests metal foil. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017

Thronende Maria mit dem Kind

Thronende Maria mit dem Kind

Schützend hält die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus, während sie gleichzeitig eine Rose von ihm fernhält. Trotz ihres Ausdrucks tiefster Schwermut hat sie die fundamentale Aufgabe angenommen, ihren Sohn auf seinem Weg zu begleiten. Der Jesusknabe wiederum hält lächelnd zwei Weinbeeren in der linken Hand. Sie verweisenebenso wie die Rose auf seinen künftigen Leidensweg: Der Rosenzweig deutet symbolisch auf die Dornenkrone hin, wohingegen die Trauben auf jene Episode beim Letzten Abendmahl anspielen, in der Jesus seinen Jüngern Wein reicht und dabei sagt: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.« (Lukas 22,20)Robust und majestätisch wie ein Thron wirkt Maria wie ein integraler Bestandteil der Architektur. Das rote Samtkleid spiegelt die Rottöne der Steine wider und ihr Umhang zeigt dieselbe umfassende Geste wie die hinter ihr liegende Nische. Gleich einem stützenden Schemel faltet er sich zugleich unter den Füßen des Kindes undbegrenzt die Intimität der mütterlichen Szene ebenso wie das Brüstungssims aus weißem Marmor den Vordergrund von der Landschaft im Hintergrund trennt. Nur ihr Blick erinnert uns daran, dass sie trotz dieser Transformation immer noch auch eine Mutter ist.Die leuchtende Farbpalette und der Zug zur exakten Wiedergabe der Details ließen anfänglich Flandern als Ursprungsort dieser Tafel vermuten. Auf einen italienischen Urheber schienen hingegen die Monumentalität der Figuren, das Einbinden architektonischer Ruinen und die elaborierte perspektivische Landschaftsdarstellunghinzudeuten. Die Lösung dieses Rätsels findet sich vermutlich in der Entwicklung der spanischen Malerei des 15. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum existierten auf der iberischen Halbinsel neben- und gegeneinander flämische und italienische Einflüsse, die sukzessive dem spanischen Geschmack angepasst und zu einer eigenenDarstellungsweise zusammengeführt wurden.Einer der Protagonisten dieses Prozesses war Pedro Berruguete, der um das Jahr 1445 nahe Palencia in Paredes de Nava geboren wurde und vermutlich 1503 in Madrid verstarb. Ausgebildet wurde er wahrscheinlich bei einem Meister der spanisch-flämischen Tradition mit guten Kenntnissen der aktuellen Entwicklungenin Flandern. Konkrete Anhaltspunkte für einen eigenen Aufenthalt Berruguetes in Flandern gibt es nicht, dafür deutet vieles darauf hin, dass er im Zeitraum zwischen etwa 1473/74 und 1483 am Hof Federico da Montefeltros in Urbino wirkte. Die um das Jahr 1475 datierte Tafel könnte somit von ihm in Italien gefertigt worden sein.Hierfür spricht auch das offenkundige Interesse an einer exakten Wiedergabe der verschiedenen Marmorsorten und der architektonischen Details, denn Vergleichbares findet sich in Berruguetes späteren, nach seiner Rückkehr in Kastilien geschaffenen Arbeiten nicht wieder. Das Bild hängt seit 2019 im spanischen Kabinett des Bode-Museums. Maria López-Fanjul | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________The Virgin Mary protectively holds her son Jesus, at the same time holding a rose away from him. Despite her expression of deep sadness, she has accepted her fundamental task of accompanying her son on his path. The Child, for his part, smiles and holds two grapes in his left hand. Like the rose, they point to his future suffering: the rose branch refers symbolically to his crown of thorns, the grapes to the episode at the Last Supper in which Jesus serves wine to his apostles, saying: “This cup is the new covenant in my blood, which is shed for you.” (Luke 22:20)Robust and majestic as a throne, Mary seems to be an integral part of the architecture. Her red velvet dress mirrors the red tones of the stones, and her cloak displays the same enclosing gesture as the niche behind her. Like a supporting stool, the cloak is also folded beneath the feet of the child, limiting the intimacy of the scene of mother and child, just as the white marble parapet separates the foreground from the landscape in the background. Only the look in Mary’s eyes reminds us that, despite this transformation, she is still a mother.The palette of glowing colours and the tendency to exact reproduction of detail initially led to the assumption that this panel was painted in Flanders. The monumentality of the figures, the incorporation of architectural ruins and the elaborate representation of the landscape in perspective, on the other hand, seemed to suggest an Italian artist. The solution to this riddle is probably to be found in the development of Spanish painting in the 15th century. In this period in the Iberian peninsula, there existed competing and co-existing Flemish and Italian influences, which were successively adapted to Spanish taste and combined to form a characteristically Spanish manner of depiction.One of the protagonists in this process was Pedro Berruguete, who was born in about 1445 in Paredes de Nava near Palencia and probably died in 1503 in Madrid. He was presumably trained by a master of the Spanish Flemish tradition who had a good knowledge of the latest developments in Flanders. There is no specific indication that Berruguete himself spent time in Flanders, but much to suggest that he was active at the court of Federico da Montefeltro in Urbino between 1473/74 and 1483. The panel dating from approximately 1475 could therefore have been painted by him in Italy. This is suggested by his obvious interest in the exact rendering of different kinds of marble and the architectural details, as comparable traits are not present in Berruguete’s later work, produced after his return to Castile. Since 2019, the picture hangs in the Spanish room of the Bode-Museum. Maria López-Fanjul | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019