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Pyramus und Thisbe

Ident. Nr.: 1875

ObjID: obj:871908

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hans Baldung (1484/85 - 1545),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1530
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Pyramus und Thisbe
Übersetzung: Pyramus and Thisbe
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Deutschland,
Land
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 93,1 x 66,9 cm
Erwerbung
1920 Ankauf im Kunsthandel, Berlin

Objektbeschreibung

Das Bild zeigt die Geschichte von Pyramus und Thisbe (Ovid, Metamorphosen IV, 55ff.), zweier Nachbarskinder in Babylon, in zeitgenössischer Einkleidung. Die beiden liebten sich gegen den Willen der Väter. Sie verabredeten, sich in der Nacht an einer Quelle vor der Stadt zu treffen. Thisbe begegnete auf ihrem nächtlichen Weg an die Quelle einer Löwin, die von ihrer Beute kam, um ihren Durst zu löschen. Thisbe floh vor dem Tier, ließ dabei aber ihren Schleier zurück. Diesen zerriß die Löwin und befleckte ihn mit Blut. Als Pyramus zu dem vereinbarten Treffpunkt kam, fand er die Spur der Löwin und den blutigen Schleier. Aus Schmerz über den vermeintlichen Tod der Geliebten tötete er sich selbst. Thisbe, zu dem Sterbenden zurückgekehrt, erkennt die Zusammenhänge; von tiefem Schmerz erfüllt, stürzt sie sich in sein Schwert. Im Bild liegt Pyramus, einen Dolch in der Brust, in seinem Blut auf dem Rücken, unter sich den ausgebreiteten roten Mantel. Er trägt ein blaues Wams und gelbe Hosen. Ein blauer Hut, dessen Krempe mit Federn besteckt ist, ist ihm vom Kopf ge glitten. Sein Körper ist in Schräglage perspektivisch verkürzt wiedergegeben. Thisbe, in rotem Kleid und weißlichem Rock, steht neben dem Leichnam. Sie hat den Geliebten eben gefunden und ringt in der Erkenntnis des Geschehens die Hände im Schmerz. Hinter der Gruppe erhebt sich ein Brunnen mit zwei Trögen, auf dessen Stufen das Haupt des Pyramus gesunken ist. In dem Becken steht ein Brunnenstock, auf dem oben zwischen Wappenschilden ein geflügelter Putto steht. Vielleicht ist damit Amor gemeint, als Sinnbild der in der Erzählung beschriebenen Liebe. Im Hintergrund erkennt man Gebäude einer Stadt oder Burg. Das Bild zeigt das Ge schehen in bläulich-schwärzlicher Nacht. Rechts oben ist das finstere Gewölk aufgebrochen und die Wolken leuchten gelb-weiß auf. Licht bricht durch die Öffnung und taucht die Landschaft in kaltes, unbestimmtes Mondlicht. Die Geschichte, die in einer Variante auch in den »Gesta Romanorum«, einem der meistgelesenen Geschichtenbücher des Mittelalters, berichtet wird, spricht von der Liebe zweier junger Menschen. Ihrer Liebe wegen gingen sie füreinander in den Tod. Dieses Exempel für Opferbereitschaft und Treue wurde immer auch als ein Beispiel für hohe Tugend gesehen. Als solches erscheint es in Verbindung mit ähnlichen Themen in Folgen von Tugenddarstellungen. Das Bild ist um 1530 entstanden. Etwa gleichzeitig hat Baldung noch drei weitere Darstellungen der antiken Überlieferung gemalt: Herkules und Antäus, 1530 (Warschau), Der Opfertod des Marcus Curtius, 1530 (Weimar) und Mucius Scaevola vor Porsenna, 1531 (Dresden), die ebenfalls als Beispiele vorbildlicher Tugenden angesehen wurden. Den mythologischen Themen hat man in mittelalterlicher Deutung christlichen Sinn unterlegt. So verstand man das Opfer des Pyramus als Sinnbild des Opfertodes Christi. Die Darstellung von Pyramus und Thisbe gehörte vielleicht mit den anderen Darstellungen zu einer Bilderfolge mythologisch-historischer Thematik. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The painting tells the story of Pyramus and Thisbe (Ovid, Metamorphoses IV, 55ff.), two children who were neighbours in Babylon, in contemporary dress. Both love each other against the will of their fathers. They arrange a nocturnal rendezvous by a spring before the gates of the city. As she makes her way to the spring in the dark Thisbe encounters a female lion who has just been hunting and has come to the spring to drink. While fleeing from the animal, Thisbe drops her veil, which the lion tears to pieces and smears with blood. When Pyramus arrives at the agreed meeting place, he finds the lion’s footprints and the bloody veil. In despair at the apparent death of his lover, he kills himself. Thisbe returns to find the dying Pyramus. Realising what has happened she is overcome with grief and falls on his sword.

In the painting we see Pyramus lying in his own blood on his back with a dagger in his breast, a red mantle spread out underneath him. He is wearing a blue doublet and yellow hose. A blue hat with feathers stuck in the brim has fallen from his head. His body is lying diagonally and is foreshortened by the perspective. Thisbe, in a red dress and white skirt, stands beside the corpse. She has just discovered her lover and is wringing her hands in grief having realised what has happened. Behind the
group is a fountain with two troughs. Pyramus’ head is slumped on the steps. In the basin of the fountain stands a column on top of which a winged cupid is perched between coats of arms. Perhaps this is supposed to be Cupid as a symbol for the love described in the story. In the background, one can make out the buildings of a city or a castle. The events are taking place in the blueish black of night. At top right there is a break in the dark clouds and they are lit up in yellow and white. Light breaks through the opening and bathes the landscape in cold, undefined moonlight.

A variant of this story is also told in the Gesta Romanorum, one of the most popular history books of the Middle Ages. It, too, tells of the love of two young people who die for one another. This example of fidelity and self-sacrifice was always regarded as a model of supreme virtue. As such, it appears with similar content in series portraying virtue.

The picture was painted about 1530. Baldung also painted three other depictions of ancient stories at roughly the same time: Hercules and Anteus, 1530 (Warsaw, Muzeum Narodowe), The Sacrifice of Marcus Curtius, 1530 (Weimar, Staatliche Kunstsammlungen) and Mucius Scaevola before Porsenna, 1531 (Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister), which were likewise regarded as exemplifying virtue.
In the Middle Ages, mythological themes were given a Christian interpretation. Thus, the sacrifice of Pyramus was thought to symbolise the sacrifice of Christ. The depiction of Pyramus and Thisbe may have been part of a series featuring mythological-historical themes. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Auf einer vom Bildrand angeschnittenen Tischplatte sind mehrere tote Vögel arrangiert: Ein Rebhuhn liegt kopfüber auf einem Holzeimer mit Bügel im Hintergrund, die Krallen nach links ausgestreckt. Bei dem auf einen Zweig gespießten Vogel in der Mitte handelt es sich vermutlich um eine Drosselart. Es war üblich, Drosseln mit leimbestrichenen Zweigen zu fangen. Links vorne liegt ein großer Buntspecht, rechts daneben ein Wiedehopf. Als Autor des kleinen ovalen Gemäldes vermutete man früher den Leidener Maler und Zeichner Philips Angel, den Verfasser des bedeutenden Traktats „Het Lof der Schilderkonst“ („Lob der Malerei“). Tatsächlich stammt das Berliner Bild jedoch von der Hand seines Großcousins, des gleichnamigen Middelburger Stilllebenspezialisten und Radierers.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten: P Angel 1650_______________________________________________________________________________________________________________________________________On a table, cut into by the edge of the painting, several dead birds are arranged in different poses. A partridge lies upside-down on a wooden basket with a hanger in the background, claws stretched out to the left. Corresponding with the capturing technique of the time, the thrush is skewered up with a glue covered twig. In the front, left, lies a woodpecker, right next to it a Eurasian hoopoe. This hand-palm sized oval has been formerly attributed as one of the lesser known works of Leidener painter and draughtsman Philips Angel. Angel was the author of the important treatise „Het Lof der Schilderkonst“ („Praise to art”). The Berlin painting, however, has been attributed to his great-cousin, a Middelburg still-life specialist and etcher by the same name.| Britta Bode

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

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An einem rasenbedeckten Hang ruht die Heilige Familie. Maria sitzt am Rain eines rechts vorbeiführenden Weges, das Kind in ihrem Schoß. Dahinter steht Joseph, den Hut in der Hand, und stützt sich auf seinen Stab. Drei prächtig gekleidete Engel in der Mitte singen und flöten. Einer der fünf nackten Engelputten hört ihnen zu, ein anderer schläft, den Kopf auf einem bemoosten Klotz hinten bei der Quelle. Dort schöpft ein anderer Wasser in eine seitlich geöffnete Pilgerflasche. Ein Engel bringt dem Christkind blühende und fruchttragende Erdbeerstauden, ein anderer einen flatternden Vogel, einen Papagei. Vielerlei Pflanzen, darunter Himmelsschlüssel, Distel, Akelei und Erdrauch, geben dem Ort den Anschein eines blühenden Gartens. Die Szene wird nach hinten abgeschlossen durch den aufsteigenden Hang links, auf dem um die frische Fichte herum grüne und dürre Bäume stehen, durch die altersgraue Tanne in der Mitte und durch die Birke rechts im Bild. Im Hintergrund erblickt man Berge und Gebirgszüge. Die Darstellung des Geschehens ist ungewöhnlich und mit zahlreichen legendären und symbolischen Anspielungen durchflochten. Der blühende Garten im Vordergrund, von der Bergwelt hinten abgeschlossen, ist als ein Platz der Freude und des Geborgenseins zu verstehen. Mehrere Pflanzen findet man da, die auf Maria und Christus oder auf mit ihnen verbundene Ereignisse anspielen. Die Erdbeere gilt als eine Frucht des Paradieses. Die Akelei wie auch der Himmelsschlüssel sind Pflanzen, die sinnbildhaft auf Maria und Christus und auf die Passion hindeuten. Auch die Distel, als eine dornentragende Pflanze, erinnert an die Dornenkrone und das Leiden Christi. So mischt sich in das Bild der Freude auch der Hinweis auf die kommende Leidenszeit. Die Quelle, die aus dem Hang sprudelt, entsprang nach der Legende auf ein Wort des Christuskindes, um die ermüdeten Reisenden zu erquicken. Sie verwandelte zugleich den wüsten Platz in einen Garten. Auch die musizierenden und spielenden Engel gehören in diesen Zusammenhang. Durch die symbolische Ausdeutung der Umgebung und die Erscheinung der Engel wächst dem Ort die Qualität eines Paradiesgartens zu. Der Ort der Ruhe auf der Flucht ist zugleich ein Ort himmlischer Freuden. Graphische Vorlagen Dürers wie die Heilige Familie mit den Hasen von 1496/97 haben anscheinend die Bildgestalt Cranachs mit bestimmt. Einige Motive der Darstellung sind dort vorgebildet. Cranach hat später, 1509, die Komposition in Holzschnitten noch einmal verarbeitet. Eine ziemlich getreue Kopie des Gemäldes wird in Wien verwahrt. Ihre Existenz deutet darauf hin, daß unser Gemälde von Cranach noch vor seiner Abreise aus Wien gemalt wurde. Das Gemälde ist das erste von Cranach signierte und datierte Werk. Die Rekonstruktion und Sicherung der Malerei Cranachs vor seiner Wittenberger Zeit wäre ohne die Kenntnis dieses Bildes kaum möglich gewesen. Lange Zeit war es nur durch Beschreibungen, aber kaum durch Anschauung bekannt. 1892 wurde es auf einer Ausstellung in München erstmals gezeigt. Dieses Ereignis bestimmte die Forschung über Cranachs Frühzeit wesentlich mit. Das Gemälde ist eines der frischesten und künstlerisch bedeutendsten Werke Cranachs überhaupt. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: am unteren Rand: Monogramm LC (auf einem Zettel) und Datum 1504___________________________________________________________________________________________The Holy Family is resting on a grassy slope. Mary sits on the edge of a path on the right, the child in her lap. Joseph stands behind her holding his hat in his hand and leaning on his staff. Three sumptuously dressed angels stand in the middle singing and playing flutes. One of the five naked angel cherubs is listening to them, another is asleep resting its head on the mossy hill behind, near the spring. There, a third cherub is drawing water into a pilgrim’s flask with an opening at the side. An angel brings the Christ child strawberry plants in flower and in fruit; another brings a bird flapping its wings, a parrot. The many varieties of plants, among them cowslips, thistles, columbine and fumitory, give the place the appearance of a flowering garden. The scene is enclosed from behind by the hillside rising on the left on which both green and dead trees stand around the young spruce, by the aging grey fir tree in the middle and by the birch on the right. Mountains can be seen in the background.The depiction of the scene is unusual because of the numerous legendary and symbolic allusions that are woven in. The flowering garden in the foreground, enclosed by the mountains in the background, can be interpreted as a place of joy and as a sanctuary. Several of the plants are allusions to Mary and Christ or to events connected with them. The strawberry is considered to be a fruit of paradise, while the columbine and the cowslip stand for Mary and Christ and refer to the Passion. The thistle, too, as a thorny plant recalls the crown of thorns and the suffering of Christ. Thus, the joyous scene is marred by allusions to the suffering to come. According to legend, the spring began bubbling out of the hillside at the Christ child’s bidding in order to quench the thirst of weary travellers. At the same time, it transformed the barren place into a garden to which the playing and music-making angels also belong. The symbolic interpretation of the surroundings and the appearance of the angels lends the place the quality of a garden of paradise. The resting place during the flight is simultaneously a scene of heavenly joy.Dürer’s graphic models for the painting, such as the Holy Family with the Rabbits from 1496/97, apparently also had an influence on Cranach’s composition. Some of the motifs are already present there. Later, in 1509, Cranach reworked the composition in woodcuts. A copy of the painting that is highly faithful to the original is preserved in Vienna. Its existence suggests that the Cranach in question here was painted before the artist left Vienna.This is the first work to be signed and dated by Cranach. Without knowledge of this painting, it would have been well-nigh impossible to reconstruct and reliably attribute Cranach’s pre-Wittenberg oeuvre. For a long time, it was known only through descriptions but without actually having been seen. It was shown for the first time at an exhibition in Munich in 1892. This event played a major role in subsequent research into Cranach’s early period. The painting is one of the freshest and artistically most significant works that Cranach ever produced. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019