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Stehende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 8/87

ObjID: obj:871948

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1310
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 52 x 22 x 12,5 cm
Erwerbung
Erworben 1987 aus der Sammlung Hermann Schwartz in Mönchengladbach; zuvor Kunsthandlung Vollmoeller in Zürich, von dort die nicht weiter belegte Herkunftsangabe „aus Verdun“.

Objektbeschreibung

Maria steht auf einer schlichten, unregelmäßig polygonalen Plinthe, die den Standpunkt des Betrachters nicht eindeutig festlegt. Die Statuette ist allansichtig, Gesten und Gewandmotive fordern zur Betrachtung von allen Seiten auf. Bewegung und Schwung werden wesentlich durch das weit ausgestellte rechte Spielbein bestimmt, unterstützt durch die charakteristischen langen Falten des über die rechte Schulter nach vorn fallenden, schürzenartig vor dem Körper gerafften und unterhalb des Kindes über der linken Hüfte der Mutter gehaltenen Mantels.
Es ist bezeichnend für die frühe Zeit der großen lothringischen Skulpturenproduktion, wie der Bildhauer zahlreiche traditionelle, fest zur Marienikonografie gehörende Bildmotive auf lebendige und zugleich individuelle Weise umzusetzen verstand. Das gilt für das Gewandmotiv oder die Schrittstellung des Kindes, durch die die rechte Fußsohle sichtbar wird – eine Anspielung auf die spätere Kreuzigung und die dort empfangenen Stigmata.
Bei der stehenden Maria mit dem Christuskind handelt sich um ein pretiöses Werk, das der privaten Andacht eines Einzelnen gedient hat. Die Figur enthält zahlreiche formale Elemente kleinformatiger Werke aus kostbaren Materialien wie Elfenbein oder Buchsbaum: neben der sorgfältigen Oberflächenbearbeitung und dem Detailreichtum sind es die Allansichtigkeit und besonders die auffällig unregelmäßige Plinthenform. Sie ist hier nicht durch das Material bedingt, da der Block genügend Fläche für ein regelmäßiges Polygon geboten hätte. Vielmehr soll sie an Elfenbein- oder Buchsbaumstatuetten erinnern, bei denen die optimale Ausnutzung des durch spezifischen Wuchs des Zahns oder Stamms vorgegebenen Blocks oft unregelmäßige Sockelformen zur Folge hatte. Die kostbare Berliner Madonna wird für eine hochstehende Persönlichkeit geschaffen worden sein. Ob es sich um ein Mitglied des „höfischen“ Kreises handelte, vielleicht aus dem Umfeld der in Nancy residierenden lothringischen Herzöge, oder um einen hohen Geistlichen, ist nicht mehr zu klären.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 26.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)