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Christus-Johannes-Gruppe

Ident. Nr.: 7950

ObjID: obj:871959

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1310
Datierung engl.: ca. 1310
Abweichende Datierung: um 1310
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Christus-Johannes-Gruppe
Übersetzung: Christ and Saint John Group
Christus-Johannes-Gruppe
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 89 x 47 x 31,5 cm
Erwerbung
1920 erzbischöfliches Kinderheim Haus Nazareth bei Sigmaringen (Kauf)

Objektbeschreibung

Nach dem Text des Johannesevangeliums ruhte der Lieblingsjünger beim letzten Abendmahl an der Brust Christi. Sie bilden in dieser Skulpturengruppe eine kompositorische Einheit. Sie sitzen auf einer schmucklosen Bank, die auffällige Schlichtheit des unprofilierten architektonischen „Sockels“ korrespondiert mit der Klarheit von Kontur, Gestik und Kleidung der Tunika und Mantel tragenden Figuren. Johannes sitzt deutlich niedriger als Christus und ruht an dessen linker Schulter. Sein rechter Arm liegt fast kraftlos in der Rechten Christi und der Kopf wie im tiefen Schlaf an der Brust des Herrn. Durch die einseitige Instabilität des Johannes entsteht der Eindruck einer optischen Verschmelzung beider Figuren – eine gleichermaßen durch Theologie und Bildgebrauch begründete Wirkung. Die seelische Verbundenheit von Christus und seinem Lieblingsjünger, die „unio mystica“, ist das Hauptthema der Gruppe.
Das Prinzip der Vereinigung beider Figuren gipfelt in den ineinander gelegten Händen unterhalb der Brust des Herrn. Indem sie nicht wie die anderen flach aufliegen, sondern frei gearbeitet sind und sich nur partiell berühren, wird die Geste deutlicher und die Berührung intensiver.
Diese Motive gehören zu den charakteristischsten Merkmalen dieser Gruppe, die nahezu identisch an den eng verwandten Werken aus den Dominikanerinnenklöstern Katharinenthal (Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh, Inv. 2094) und Adelhausen in Freiburg im Breisgau (Frankfurt am Main, Liebieghaus Skulpturensammlung, Inv. 1447) sowie den Zisterzienserinnenkonventen Wald bei Meßkirch (Freiburg, Augustinermuseum, Inv. S 108/D) und Heiligkreuztal (15 km östlich von Sigmaringen) vorkommen.
Den plastischen Christus-Johannes-Gruppen gingen ausführliche theologische Interpretationen bereits aus frühchristlicher Zeit und auch Darstellungen in der Buchmalerei voraus, deren frühesten aus dem 12. Jahrhundert stammen. Besonders hervorgehoben wird die „virginitas“ des Jüngers, der seine Braut verließ, um an der Brust des Herrn zu ruhen. Dort hat Johannes die göttlichen Geheimnisse geschaut. Hinzu kommt die Geste der verschränkten Hände („dextrarum iunctio“), ein Symbol der Vereinigung, das bei Hochzeitsdarstellungen und speziell in der Bible moralisée für Christus und Ecclesia gewählt wurde. Bei Ludolf von Sachsen (Vita Jesu Christi, 1348–68), aber auch schon im Speculum Virginum aus dem 12. Jahrhundert wird Johannes explizit mit der Braut des Hohenlieds gleichgesetzt, als „virgo electus“ bezeichnet, der an der Brust des Herrn („ubera“), an der „Quelle des Lebens“ (Origines) getrunken und somit Weisheit empfangen habe. Die erhaltenen plastischen Christus-Johannes-Gruppen stehen mit südwestdeutschen Frauenklöstern in Verbindung. Die Themen mystische Hochzeit und Jungfräulichkeit des Johannes sowie die Unmittelbarkeit der Darstellung machen den Bildtyp zu einem der charakteristischsten eines Frauenklosters. Der Lieblingsjünger Christi an der Brust des Herrn und in seiner sanften, weiblichen Gestalt eignete sich in besonderer Weise als Identifikationsobjekt für die Nonnen.
Die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung (frühestes Fälldatum 1308, Peter Klein, 11.9.1980) unterstützte die mit kunsthistorischen Argumenten vorgenommene Datierung um 1310. Der Zusammenhang mit der Kunst des Meisters Heinrich von Konstanz, dem unter anderen die beiden Johannesfiguren sowie zwei weitere Figuren aus Katharinenthal zugeschrieben werden, liegt auf der Hand.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hohlmaß für Getreide und Flüssigkeiten

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Das kugelig bauchige Gefäß mit glatter Standfläche hat oben abgesetzt einen Rand. Die Gefäßöffnung ist nach innen leicht konisch verengt, so dass ein entsprechend zugeschnittener Deckel eingepasst werden konnte. Dieser Deckel fehlt, ist aber bei vergleichbaren Gefäßen vorhanden. Der Gefäßrand ist verziert: außen mit Dreiecken, innen abwechselnd mit Spitzovalen und Rauten. Im oberen Drittel des Gefäßes läuft ein mit Wellenlinien verziertes Band um das Gefäß herum. Auf der Gefäßschulter ist eine Inschrift eingemeißelt: ΕΛΕ(oυ) ΞECT(ων) NΔ (»54 xestai/sextarii Öl«).Das Gefäß gehört zu einer Gruppe von 9 weiteren sehr ähnlichen Exemplaren in den Museen von Afyon (6), Bursa (2) und Iznik (1), von denen eines aus Afyon und das aus Iznik (nur fragmentarisch erhalten) mit dem Berliner Gefäß weitgehend übereinstimmen.Die Inschrift weist darauf hin, welche Menge Öl das Gefäß fassen kann. Berücksichtigt man, dass das Öl bei Vollfüllung den Unterrand des fehlenden Deckels wohl nicht berührt haben dürfte, so lag das Volumen etwas unter dem dafür ermittelten Wert von 59,6 l. Diese Marmorgefäße standen wahrscheinlich in Kirchen, wo für verschiedene Zwecke reichliche Mengen Öl verwendet wurden. Die Angabe des Volumens erleichterte es dem Wirtschaftsverwalter der Einrichtung, dem oikonomos, beim Nachfüllen den Verbrauch zu kontrollieren.Die Marmorbrüche von Dokimaion bei Akroinon lagen seit der Besetzung dieses Gebietes durch die Seldschuken wenige Jahre nach der Schlacht von Mantzikert 1071 außerhalb des byzantinischen Herrschaftsgebietes. Die Gefäße werden deshalb aus der Zeit davor stammen.

Stirnseite eines Sarkophags

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Die nach über einem Jahrhundert erstmalige Freilegung der technischen Bearbeitungsspuren auf der Rückseite hat ergeben, dass das Relief ursprünglich die Schmalseite vom Kasten eines kleinasiatischen Säulensarkophages des 3. Jahrhunderts bildete. Sie wurde im frühen 5. Jahrhundert überarbeitet und offenbar in einem christlichen Grabkontext wieder verwendet: Aus der Mittelfigur, welche sich völlig darin genügt, den Sitz ihres über der Tunika getragenen Mantels (Pallium) zu ordnen und fest zu halten, schuf man einen jugendlichen und langlockigen Christus mit Kreuznimbus. Fragwürdig ist die bisher häufig vorgeschlagene Deutung der beiden seitlichen Begleiter als Apostel, deren Attribut zumeist eine Schriftrolle (Rotulus) oder ein gebundenes Buch (Codex) ist. Eindeutig aber hält der Begleiter rechts von Christus ein sogenanntes Diptychon: Zwei zusammengeklappte, auf den jetzt unsichtbaren Innenseiten mit Wachs beschichtete Schreibtafeln, deren Ränder ringsum gerahmt sind und die mit einem quer liegendem Band zusammengehalten werden. Es existiert kein Anzeichen, den Gegenstand des Begleiters auf der linken Seite anders zu ergänzen. Das Motiv des Festhaltens mit beiden empor gehaltenen Händen entspricht einem repräsentativen Vorweisen – beide Begleiter waren nicht nur des Lesens, sondern auch des Schreibens kundig. Für eine in der Forschung mehrmals erwogene Lehrszene fehlt die geringste Andeutung eines Gespräches durch Blick oder Geste. Jegliche Bewegtheit ist zeitloser Repräsentation untergeordnet. Die allerdings im Zeitstil überarbeiteten Köpfe der beiden Begleiter waren vermutlich als Porträts gedacht. Auf römischen Sarkophagen sind Verstorbene of mit einem Diptychon in den Händen porträtiert worden, so dass diese Deutung nicht auszuschließen ist. Die Verdopplung hinsichtlich der Tracht, des Attributes und des Motivs widerspricht nicht der belegbaren Tatsache, dass in einem Sarkophag auch mehrere Personen (z.B. Brüder) bestattet werden konnten.

Kapitell mit Füllhörnern auf den Ecken und Weinblättern aus dem Pantokratorkloster in Istanbul

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Die beiden Hauptseiten des Kapitells sind unterschiedlich ornamentiert. Eine Seite zeigt auf den Kanten gestielte Pinienzapfen, zwischen denen auf der Seitenmitte ein Weinblatt flach ausgebreitet ist, das beiderseits von schmalen, geschwungenen Blattwedeln gerahmt wird. Diese Motivkombination ist von Kapitellen des 6. Jahrhunderts übernommen (Inv. 4767), ergänzt um zwei kleine Vierblattrosetten. Auf der gegenüberliegenden Seite wachsen aus seitlichen Füllhörnern Ranken auf. Sie rahmen in großem Schwung ausgebreitete Weinblätter und Blattpalmetten und teilen, sich berührend und wieder auseinanderstrebend, die Fläche symmetrisch ornamental auf.Als Herkunft für das Kapitell nennt das Inventar die Pantokratorkirche in İstanbul. Dabei handelt es sich genauer um den Komplex dreier Kirchen des ehemaligen Pantokratorklosters in Konstantinopel, das unter Kaiser Ioannes Komnenos zwischen 1118 und 1136 errichtet worden war. Das Kapitell passt motivisch und stilistisch gut zu einem noch in situ in der Westwand der Vorhalle der Nordkirche verbauten Kapitell. Beide zeigen von Ranken mit Seitentrieben umschlossene Blätter mit wulstigen, palmettenartigen Blattlappen und einzelnen Bohrlöchern nahe der Außenkontur der Blätter. Das Kapitell in der Nordkirche sitzt seitlich eines Fensters, dessen Rahmen in es einschneidet. Die beiden Nebenseiten des Berliner Kapitells zeigen kein Relief. In die eine ist aber eine tiefe senkrechte Einlassung eingearbeitet, die wohl ebenfalls dem Anpassen eines Fensterrahmens diente. Sowohl das in situ befindliche als auch das Berliner Stück gehören der Entstehungszeit des Klosters an.

Apsismosaik aus der Kirche San Michele in Africisco zu Ravenna

Apsismosaik aus der Kirche San Michele in Africisco zu Ravenna

Seit seiner Abnahme (1844) hat das Mosaik tief greifende Veränderungen erlitten, wie ein Vergleich mit dem Aquarell von Enrico Pari von 1842/43 zeigt. Apsis, Stirnwand und Zwickel sind durch Gemmenborten geschieden. In der Apsis steht vor einem Goldgrund der jugendliche Christus in einer Paradieseslandschaft. In der erhobenen Rechten hält er ein großes Kreuz als Zeichen seiner siegreich überwundenen Passion. Das Haupt umgibt ein goldener Kreuznimbus. Er ist mit einer langärmeligen Untertunika, einer mit goldenen Clavi besetzten Obertunika und einem Mantel bekleidet. Die verhüllte Linke präsentiert ein geöffnetes Buch mit lateinischen Textstellen: »Wer mich sieht, sieht auch den Vater« (Johannes 14,9) und »Ich und der Vater sind eins« (Johannes 10,30). Die ihn flankierenden Erzengel Michael und Gabriel halten goldene Zeremonienstäbe und weisen auf Christus hin. Im Zenit des Apsisbogens erscheint in einer Aureole das Christuslamm. Die Apsislaibung schmückt ein schmaler Rankenfries, der beiderseits von (ursprünglich) sechs flatternden Tauben, Sinnbildern der zwölf Apostel, bevölkert wird. Auf der Stirnwand thront Christus als himmlischer Herrscher, die Linke auf das Evangelienbuch gestützt, zwischen zwei Erzengeln mit Zeremonienstäben. Beiderseits erscheinen die sieben posaunenden Engel der Offenbarung des Johannes, vor denen sich das gläserne, mit Feuer vermengte Meer ausbreitet. Auf den seitlichen Zwickeln waren die Ärzteheiligen Kosimas und Damianos dargestellt. Durch die beiden dem Johannesevangelium entlehnten Schriftstellen bezeugt Christus seine vollkommene Gottheit – gleichviel, ob er als jugendlicher Triumphator, als Lamm oder als Weltenrichter dargestellt ist.