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Pokal mit virtuos geschnittenen Ranken und Tieren

Ident. Nr.: O-1964,43

ObjID: obj:881758

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Datierung
Ausführung: 1688-1701
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Potsdam
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 21,5 x 10,8 cm
Durchmesser: 9,5 cm (Mündung)
Wandungsstärke: 0,25 cm

Objektbeschreibung

Zarter Pokal aus farblosem Glas, manganstichig, Abriss am Boden breiter Tellerfuß mit nach unten umgelegtem Rand, dekoriert mit einem feingeschnittenen Rankendekor mit unterschiedlichen, großen Blüten, der schlanke Massivbalusterschaft ist wabenfacettiert, darüber zwischen zwei Ringscheiben eine Trommelscheibe mit Schälschliff. Der Ansatz der becherförmigen Kuppa ist ebenfalls wabenfacettiert. Deren Wandung ist umlaufend mit einem verschlungenen Netzwerk aus exquisit geschnittenen Blumenranken dekoriert, aus deren unterschiedlichen Blüten Hirsche und Jagdhunde erwachsen, in den Ranken sitzen Vögel, der Mündungsrand ist verwärmt. Das Glas zeigt fortgeschrittene Merkmale der Glaskrankheit, so dass sich der Dekor nur noch im Streiflicht erkennen lässt. Nach Angaben im Inventarbuch soll es sich bei diesem Pokal um ein Potsdamer Erzeugnis handeln. Tatsächlich trägt er keine der charakteristischen Merkmale von Gläsern aus dieser Manufaktur. Es ist jedoch trotzdem denkbar, dass er tatsächlich aus Potsdam stammt, denn dort waren eingewanderte Glasschneider tätig, beispielsweise aus Böhmen, Schlesien und Dessau, die verschiedene Handschriften mitbrachten. Die Qualität dieses Pokals als auch seine ungewöhnliche Stilistik machen eine zweifelsfreie Zuschreibung und Datierung unmöglich. Sowohl fortgeschrittene Glaskrankheit als auch der Manganstich sind jedenfalls Hinweise auf eine brandenburgische Provenienz. [Verena Wasmuth]
MAKR

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa