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Schoßpokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,377

ObjID: obj:882253

Details (Expert)

Beteiligte
Hinrich Grabow (lernte ab 1481 bei Karsten Wittingk in Lüneburg, 1496 Meister, noch 1534 erwähnt),
Goldschmied*in
Datierung
wohl 1522
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 42,5 x 14 cm
Gewicht: 1470 g

Objektbeschreibung

Figuren, Fäßchen, Zargen, Zinnen- und Zahnschnittkranz gegossen. Ränder, fast sämtliche plastischen Teile und Innenseiten von Kuppa und Deckel vergoldet. Marken unter dem Fuß. Rosetten auf den Buckeln des Fußes mit Splinten befestigt. Blattrankenkranz der Kuppa aufgelegt, zweiteilig und mit Scharnier und Verschluß versehen. – Beschädigungen am Blattwerk von Kuppa und Deckelknauf, Zunge eines Löwen fehlt.
Hohes schlankes Gefäß mit kelchförmiger Kuppa, kräftigem Balusterschaft und drei henkelartig angebrachten Löwen, die, durch einen Zinnenkranz verbunden, mit den Vorderpranken die Kuppa stützen. Auf der Wandung gravierter Dekor, unten in Maßwerkformen, oben als Blattranken, in denen sich Engelputten und Drachen tummeln. Deckel entsprechend dem Fuß gebuckelt. Am Rand ein kleines Faß mit dem Lüneburger Wappen. Knauf als steigender Löwe mit einem zweiten, emaillierten Stadtwappen.
Der Pokal diente dem Umtrunk anläßlich der Zahlung des sog. Schoß, der Einkommens- und Vermögenssteuer, die zu bestimmten Terminen fällig war. Der Lüneburger Rat besaß zwei "Schossbecher" und eine "Schosskanne".

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR