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Akeleipokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,389

ObjID: obj:883311

Details (Expert)

Beteiligte
Nicolas Sülßen I (genannt Dithmarsiensis) (1600-1606 Lehrling bei Peter Henninges d. Ä. in Hamburg, Meister 1612, gest. 1618),
Goldschmied*in
Datierung
wohl 1614
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 39 x 11,3 cm (Deckel)
Gewicht: 506 g

Objektbeschreibung

Schaft- und Deckelknauf gegossen. Unterseite des Fußes und Blattwerk unvergoldet. Marken an der Kuppamündung und am Fußrand.
Gestreckter, gotisierender Buckelpokal. Glockenförmig hochgezogener Fuß mit getrepptem Rand, acht spitz zulaufenden Buckeln und gepunztem Pfauenfederdekor. Vasenförmiger, sechskantiger und gebuckelter Knauf, drei Groteskspangen und weißsilberne geschnittene und gerollte Blattkränze. Kelchkuppa mit zwei Reihen spitz zulaufender, miteinander verzahnter Buckel (je acht), in den Zwickeln Pfauenfeder- und – oben – getriebener Fruchtdekor. Leicht nach außen gebogener Mündungsrand. Deckel entsprechend dem Fuß gestaltet, breiter, leicht gewölbter Rand, Dekor leicht abgewandelt. Als Bekrönung ein Väschen mit Blattkranz und kalt (grün, rot und blau) bemaltem Blumenstrauß, darunter Federnelken und Lilien.
Laut Aussage der Kämmereirechnungen wurde 1614 für Geschenkzwecke Silbergerät auf Vorrat gekauft: "Und weil kein vorguldete Becher vnder 50 loden vnd vnverguldete vnder 55 loden zuvorehrende vorhanden gewesen, vnd sich zu zeiten begibt, das men solche bedürffich, vnd mussen den dazu in der Ile gemacht werden, welche den so rein vnd sauber, alse se wol sein solten in der Ile nich konnen ausgearbeitet werden, alse sein dise folgende darzu in Vorrade gemacht worden wo folget [...]". Aufgezählt werden sechs Becher, davon stimmt einer nach dem Gewicht mit unserem Pokal überein: "Noch ein ganz vorguldet wicht 35 lot." Der Preis betrug 80m 15s. Da das Stück weder Inschrift noch Wappen trägt, ist es sehr wahrscheinlich, daß es für die Schenkbank erworben wurde. Auch hat der Rat damals nachweislich Silbergerät aus Hamburg angekauft.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR