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Erzengel Michael

Ident. Nr.: K 3882

ObjID: obj:885003

Details (Expert)

Datierung
2. Hälfte 15. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Silber, teilweise vergoldet
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 4,1 x 2 x 1,5 cm
Gewicht: 10,8 g
Erwerbung
Für die Kunstkammer erworben am 20.01.1843.

Objektbeschreibung

Die allansichtig aus Silber gegossene Figur zeigt den Erzengel Michael in einer stilisierten Rüstung, die ein zentrales Kriterium für die Datierung des Objekts in die zweite Hälfte des 15. Jahrhundert bildet. Michael steht breitbeinig auf einem Drachen mit spiralförmig gewundenem Schwanz, der zugleich die Basis der Figur bildet. Das Tier hebt seinen Kopf zum Heiligen, der mit einem Speer in die geöffnete Schnauze sticht. Michael, dessen gelockte Haarpracht von einem schlichten Diadem geschmückt wird, trägt einen stilisierten Plattenharnisch mit einem schlichten Brustpanzer sowie kurzen Beintaschen. Die Gelenke werden durch Knie- bzw. Ellenbogenkacheln, die Hände durch Panzerhandschuhe geschützt. Die aufgerichteten, geschlossenen Flügel sind so am Rücken der Figur angebracht, dass nur die Vorderseite mit der ausgearbeiteten Befiederung sichtbar ist. Die einzelnen Federn und langen Handschwingen treten plastisch hervor. Auf der Rückseite hingegen ist die Oberfläche lediglich mit dicht gesetzten horizontalen und vertikalen Linien schraffiert. Ganz ähnlich ist die Oberfläche des Drachenkörpers bearbeitet. Eine Besonderheit der Figur ist die robuste Öse, die zwischen den Flügeln angelötet ist. Dass sich Teile der Vergoldung der Haare auch auf der Öse befinden deutet darauf hin, dass deren Anbringung von vornherein so vorgesehen war. Die damit als ursprünglich erwiesene Funktion des Objekts als Anhänger macht verständlich, warum es dem technischen Befund zufolge nie eine glatte Standfläche besessen hat.
Der Erzengel Michael wird in der Kunst des 15. Jahrhunderts zum einen als Sieger über den Teufel verkörpert als Drachen, zum anderen als Seelenwäger beim Jüngsten Gericht dargestellt. Als Vergleichsstücke für die Berliner Figur eignen sich jedoch insbesondere Statuetten (München, Bayerisches Nationalmuseum, Inv. Nr. MA 1989) oder Rosenkranzanhänger (München, Bayerisches Nationalmuseum, Inv. Nr. MA 3015) mit Darstellungen des hl. Georg als Drachentöter, obgleich dieser keine Flügel besitzt. Sind diese Objekte mit einer Öse ausgestattet, so befindet sie sich in der Regel am Scheitel der Figur. Bei einer Verwendung als Rosenkranzanhänger kommt eine weitere Öse an der Unterseite hinzu. Auch figürliche Gewandapplikationen solchen Formats sind bekannt.
Es liegt nahe, die kleine Berliner Michaelsfigur als Anhänger einer Halskette aufzufassen. Ein entsprechendes Beispiel mit einer Darstellung des Erzengels ist ein Medaillon, das zur Ordenskette des von König Ludwig XI. von Frankreich (reg. 1461–1483) 1469 gegründeten Michaelsordens gehörte (New York, Metropolitan Museum of Art, Inv. Nr. 1975.65). Es handelt sich dabei um eine in Silber gefasste Perlmutt-Kamee, die Reste von Temperamalerei aufweist. Auch wenn die Technik eine vollkommen andere ist, gleicht sie in Bildaufbau und Ausarbeitung der Berliner Silberstatuette weitgehend. Auch bei zwei anderen, nahezu identischen Georgsfiguren (London, Victoria and Albert Museum, Inv. Nr. 499–1903; New York, Metropolitan Museum of Art, Inv. Nr. 1974.191.2) entsprechen die Anbringung der Öse und die Ausarbeitung des Gusses dem Berliner Objekt. Lee Olivia Muller

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Ovale Bildplatte mit dem Bildnis des Evangelisten Markus

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Ovale Bildplatte mit Blaumalerei. Dargestellt ist der Evangelist Markus, als bärtiger Mann, im Dreiviertelporträt. Er stützt seinen Kopf in die Linke, in der Rechten hält er ein Buch, sein Testament, in dem er liest. An seiner linken Seite erscheint sein Attribut, ein geflügelter Löwe. Am linken Rand der Platte ist ein Baum dargestellt, im Vordergrund Graswerk. Am Rand acht Ornamentmotive. Über der Figur der Schriftzug "St. MARCUS".Im Bestand des Kunstgewerbemuseums befinden sich insgesamt vier Evangelistenplatten (Inv. Nr. K 1571-1574). Zwei weitere, stilistisch verwandte Bildplatten im Bestand zeigen Porträts von zweien der drei Gründer der Nürnberger Fayencemanufaktur, Johann Conrad Romedi und Christoph Marx (Inv. Nr. K 1569 und K 1570), beide rückseitig in einer Inschrift von Georg Michael Tauber signiert und 1720 datiert - daher die Zuschreibung auch der Evangelistenplatten an Tauber. Während der deutsch-deutschen Teilung befanden sich die beiden Platten mit den Porträts der Firmengründer im Kunstgewerbemuseum Berlin-West und die vier Platten mit den Evangelisten im Kunstgewerbemuseum Berlin-Ost. Heute sind alle sechs Bildplatten in Schloss Köpenick, der Dependance des Berliner Kunstgewerbemuseum, gemeinsam ausgestellt. Evangelistenplatten (rechteckige) gehörten auch zum Repertoire der Dorotheenthaler Fayencemanufaktur. Möglicherweise lagen dieselben Stichvorlagen zugrunde.Lit.: Katalog KGM (Köpenick) 1988, S. 92, Text von Christiane Keisch; Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen. Bestandskatalog GNM Nürnberg, 2017, S. 35f. (Abb. der Platten mit den Gründerporträts, Inv. Nr. K 1569, K 1570).ClKa

Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

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Großes Handfass mit vasenförmigem Körper auf hochgewölbtem Glockenfuß. An den Seiten über weiblichen Maskarons zwei gedrehte Schlaufenhenkel. Der Zapfhahn unter einer Muschel als Maske mit Ausgussrohr. Am Hals des Gefäßes Scheibe mit dem kurbrandenburgischen Wappen zwischen zwei „Wilden Männern“. Zugehörig zur Wanne Inv. Nr. S 513, in welcher das Handfass hier steht.Die Kanne zählt zum Bestand des so genannten Großen Silberbuffets, welches sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss befand. Dabei handelt es sich um neun monumentale, aus Kannen und Becken bestehende Gießgarnituren, acht Kettenflaschen, zwei Kühlkessel, zwei Pastetenbüchsen sowie ein großes Handfass mit zugehöriger Wanne. Insgesamt umfasst das Buffet heute noch 33 prachtvolle vergoldete Silbergefäße, die überwiegend zwischen 1695 und 1698 auf Bestellung des Kurfürsten Friedrich III. in Augsburg, dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst in Deutschland, hergestellt wurden.Das Ensemble war im Rittersaal des Berliner Schlosses als wandfester Teil der Innenarchitektur installiert: Während die Lavabogarnituren und die Kettenflaschen gegenüber dem Thron an der verspiegelten Wand angeordnet waren, standen die übrigen Gefäße in symmetrischer Anordnung auf einem Schanktisch davor. Das Große Silberbuffet war über Jahrhunderte gleichermaßen königliches Repräsentationsobjekt und Teil des brandenburgisch-preußischen Staatsschatzes. Von späteren Einschmelzungen blieb es auch deshalb nicht verschont. Der Schanktisch wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die erhaltenen Gefäße sind heute in der Dependance des Kunstgewerbemuseums in Schloss Köpenick in einer der ursprünglichen Anordnung angenäherten Rekonstruktion wieder aufgebaut. LL

Bürgereidkristall aus dem Lüneburger Ratssilber

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Architekturteile und Figuren gegossen. Dach, Hintergründe der Figuren und Steine, Unterseite, Innenseiten und Inkarnat unvergoldet. Gewänder z. T. punziert. Zeichen auf der Unterseite. Figuren, Steine usw. mit durchgesteckten Schlaufen, in die Keile geschoben sind, befestigt. Ausarbeitung vergleichsweise grob. – Je zwei Nieten an den Ecken deuten darauf hin, daß der Schrein ursprünglich Füße oder einen Sockel besaß. Drei der Kreuzblumen an den Ecken, ein Finger des Weltenrichters, ein Teil des Schwertes von Paulus und Attribut eines Heiligen verloren. Vergoldung z. T. abgerieben, Email stellenweise fehlend.Truhenförmiges, als gotische Kapelle gestaltetes Reliquiar. Übereck gestellte, gestufte und mit Fialen, Zinnen und Kreuzblume besetzte Strebepfeiler, die in Richtung der Längeseiten – ursprünglich! – nach außen geneigt sind. Hohe, pultförmige, durch Stabfries und Hohlkehlprofile gegliederte Sockelzone. Form der Standplatte dem Grundriß entsprechend, Wulstrand durch Nut abgesetzt. Dachgesims längsseitig mit Blattfries, an den Schmalseiten als säulengetragene Kielbögen mit Krabben und Kreuzblume. Zurückgesetzte Wandungen der Längsseiten rechts und links eines größeren Mittelfeldes durch Strebepfeiler und Säulchen, die Baldachine tragen, in je zwei Felder geteilt, davor Statuetten auf Sockeln mit Stabmuster. In der Mitte der einen Längsseite Christus als Weltenrichter in der Mandorla, seine Wundmale weisend und hinter sich das Richtschwert, der Nimbus mit aufgesetztem Filigran. In halbrunden Feldern die vier Evangelistensymbole auf transluzid blauem Emailgrund. Seitlich, kniend auf transluzid grün emaillierten Hügeln, Maria und Johannes der Täufer, außen zwei posaunenblasende Engel. Auf der Gegenseite der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, die auf niedriger angebrachten Konsolen stehen. Seitlich Petrus und Paulus, links außen der Evangelist Matthäus, gekennzeichnet durch ein Schwert im Rücken, und rechts außen ein Heiliger, dessen Attribut fehlt. In den auch als Türchen dienenden Nischen der Schmalseiten der heilige Georg mit Drachen und eine weibliche Heilige mit Palmwedel, wohl die heilige Ursula, Lüneburgs Stadtpatronin. Auf der Dachwölbung zylindrischer Reliquienbehälter aus Bergkristall, verschlossen durch zwei Kappen, die entsprechend den Schmalseiten des Kastens verziert sind. An der vergoldeten Unterlage mit graviertem Blattrand zwei Schriftbänder, die dunkel bzw. transluzid blau emailliert sind. Auf dem einen (Seite des Weltenrichters) in Majuskeln „ITE VENITE“, auf dem anderen in Minuskeln „benedicti p(at)r(i)s mei“ nach Matth. 25,41 und 25,34 (Gehet hin ihr Verfluchten/ Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters). Rechts und links kniender Schutzengel, auf den Flügeln blaues, transluzides Email mit goldenen Punkten (nur z. T. erhalten). Am Sockel verschieden geformte blaue und helle, ehemals gelb und rot hinterlegte Glassteine in vier- und sechseckigen Fassungen.