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Sechseitig geschweiftes Tablett mit barockem Blattwerk

Ident. Nr.: M 1943

ObjID: obj:885066

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Fayencemanufaktur Cornelius Funcke, Berlin (1699 - 1747/67),
Hersteller*in
Datierung
um 1715
Geografische Bezüge
Abmessungen
Durchmesser: 32 cm

Objektbeschreibung

Das Tablett ist ein schönes Beispiel für die Fayencen aus der Berliner Manufaktur des Cornelius Funcke, der sich im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts mit einigen Dekoren von der bis dahin dominierenden chinesisch-delftischen Tradition löste und zu eigenständigen Kompositionen fand.
Eine detaillierte Beschreibung und Charakterisierung des Tabletts hat Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 vorgenommen:
"Sechsfach geschweifte Form mit abgestumpften Ecken, auf vier gedrückten Klauenfüßen. Kurzer, gerade ansteigender Bord mit schwach profiliertem Rand. Im Zentrum ein Mosaikfeld, umgeben von einem barock symmetrischen Behangornament mit Spiralröllchenkranz. Unter dem Steigbord ein breites Behangornament aus Akanthuslaub, je zwei Blätter durch eine überkrönte Mittelblüte gehalten und die Blattabspaltungen mit Spiralröllchen versehen. Steigbord mit Rhombenmuster, die Kante blau, außen eine grobe Strichborte.
Funcke hat in seiner Werkstatt das barocke Blattwerk in die Berliner Fayencemalerei eingeführt. Dafür fand er Vorbilder in Delfts 'franse punts', ein beliebter, aus dunklem Grund ausgesparter barocker Blatt- und Blütendekor, wie ihn auch das brokatartige Ornament im japanisch-chinesischen Stil von Pieter Adriaensz Kocks (1701-1703) zeigt. Der 'style rayonnant' französischer Fayencen entstammt der gleichen Quelle. Während man in der Wolbeer-Werkstatt in Anlehnung an Delft die traditionellen chinesischen Motive aus der vergangenen Ming-Periode und der frühen Kangsi-Zeit wiederholte, orientierte sich Funcke mehr an der zeitgenössischen Entwicklung. Dabei spielten auch moderne barocke Motive, wie sie die Ornamentstiche Bérains und Marots in Umlauf brachten, eine große Rolle. Ein ähnlicher Akanthusdekor aus sechs gedoppelten Blattwedeln auf dem kleinen Tablett aus Stockholm [...], das wiederum stellvertretend für ein verlorengegangenes Stück aus dem ehem. Schloßmuseum steht."

Das im Zitat erwähnte verlorene Tablett trug die Inv. Nr. M 1942. Es war achtseitig und wies als Hauptmotiv den für Funcke ebenfalls typischen Chinoiserie-Dekor mit Pfau und Lochfelsen auf, kombinierte diesen jedoch mit den erwähnten Akanthusranken. Beide Tabletts (M 1942/1943) gehen zurück auf die Sammlung des Freiherren Alexander von Minutoli (1801-1887), preußischer Regierungsrat und Dezernent für Gewerbeförderung in Liegnitz (Schlesien), der seine umfangreiche Privatsammlung 1859/69 an den preußischen Staat verkaufte. Die kunstgewerblichen Gegenstände wurden 1873 dem damals gerade neu gegründeten Kunstgewerbemuseum übertragen. Etliche Kunstwerke aus den Beständen des Kunstgewerbemuseums, die seit 1919 im Berliner Schloss ausgestellt wurden ("Schlossmuseum) - darunter eben auch Teile der Sammlung Minutoli -, müssen zu den Verlusten des Zweiten Weltkriegs gezählt werden.

Keine Marke.

Lit.: Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen". Fayence, Glas und Tapisserien aus der Frühzeit Brandenburg-Preußens 1680-1720, Kat. Nr. 95

ClKa/MAKR

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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