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Monile des Heinrich Fürstenau aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford

Ident. Nr.: 1888,639

ObjID: obj:885293

Details (Expert)

Datierung
1512
Abmessungen
Objektmaß: 14,2 x 14,1 x 2,5 cm

Objektbeschreibung

Die Vorderseite der Chormantelschließe hat einen kräftig vorspringenden, innen gekehlten Rahmen, dem kleine Blattrosetten aus Silber aufgelegt sind. Er umschließt eine gesondert gearbeitete, und dem glatten Hintergrund aufmontierte, plastische Darstellung der Anna selbdritt, also der hl. Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Christuskind. Maria, [...] gekrönt, und ihre Mutter als Matrone mit verhülltem Haupt, sitzen nebeneinander auf einer breiten Bank, wobei das Christuskind auf ihren Knien steht, sich zur Mutter umwendet und gleichzeitig zur Schulter der Anna greift. Die Figuren von Maria und Anna sind mit ihren Oberkörpern ungewöhnlich stark vorgebeugt, so daß die Gruppe weit über den Rahmen herausragt. Während diese beiden Figuren aus SIlberblech getrieben sind, ist die des Christuskindes aus Silber gegossen, wie auch die Hände der beiden Frauen.
Ursprünglich muß die Schließe von reicher farbiger Wirkung gewesen sein; die Gewänder sind vergoldet, das Inkarnat und die Außenseiten der Mäntel dagegen silbern belassen,während die Innenseiten, wie entsprechende Reste zeigen, dunkelblau bemalt waren. Auch die kleinen Blüten auf dem vergoldeten Rahmen waren farbig gefaßt, und zwar rot und grün. Den Schmuck des Hintergrundes bildeten vergoldete distelartige Blüten, von denen nur noch eine im rechten Paßfeld vorhanden ist. Im unteren Paßfeld befindet sich ein gesondert gearbeitetes kleines Wappen, das Stifterwappen mit den Buchstaben MW und HV. DK
Eine Inschrift an der Rückseite der Schließe berichtet von der Stiftung der Chormantelschließe: ex pia donacione d[omi]ni hinrici vorstenowe hui[us] eccl[esi]e cano[n]ici a[nno] mdxII (Aus frommer Stiftung des Herrn Heinrich Fürstenau, Kanoniker dieser Kirche, im Jahre 1512).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa