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Reliquienostensorium mit rückseitig gravierter Darstellung des Evangelisten Johannes

Ident. Nr.: 1881,818

ObjID: obj:885808

Details (Expert)

Datierung
Ende 15. Jahrhundert
Abmessungen
Durchmesser x Tiefe: 11,8 x 2,5 cm (Höhe samt Öse 14,2 cm)
Gewicht: 244,1 g

Objektbeschreibung

Das kapselförmige Reliquienostensorium besitzt eine Hängeöse. Es wird umrahmt von einem durchbrochenen floralen Ornament. Eine breite Hohlkehle zwischen Zarge und Rahmen der vorderen Glasabdeckung wird durch ein à jour gearbeitetes vergoldetes Rankenwerk mit Steinbesatz überdeckt. Hinter dem runden Glasfensterchen befindet sich eine Cedula mit einem handschriftlichen Verzeichnis enthaltener Heiltümer: einem Agnus Dei (ein vom Papst gesegnetes, im Vatikan aus den Resten der Osterkerzen gewonnenes rundes Wachsrelief mit dem eingeprägten Relief des Gotteslammes) sowie Reliquien der hl. Elftausend Jungfrauen, des hl. Christophorus, des hl. Erasmus, des hl. Mauritius und des hl. Nikolaus. Die flache Rückseite zeigt die in Silber gravierte Figur des Evangelisten Johannes, die den entsprechenden Kupferstich von Martin Schongauer (Lehrs 45) voraussetzt. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR