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Servierteller bzw. Deckel ("tagliere") aus einem Wöchnerinnen-Geschirr

Ident. Nr.: K 1941

ObjID: obj:886390

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Fontana-Werkstatt (16. Jahrhundert),
Hersteller*in
Datierung
Ausführung: um 1540/50
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Urbino
Abmessungen
Durchmesser: 19,9 cm

Objektbeschreibung

Flacher Teller bzw. Deckel ("tagliere") mit einem nach unten umgebogenen Rand und einem starken Ring an der Unterseite. Der Rand ist ringförmig plastisch gearbeitet und mit einem Blüten- und Früchtekranz bemalt. Auf der Oberfläche ist eine häusliche Szene dargestellt: Links ein Bett, mit zeltartigem Baldachin, davor sitzt auf einer Holzbank eine Frau mit nacktem Oberkörper und antikisierendem Gewand. Sie umfasst ein nacktes, vor ihr kniendes Kind. Rechts hält eine weitere Frau mit antikisierendem Gewand und wehenden Stoffdraperien ein nacktes Kind an den Händen, das gerade das Laufen lernt. Die Farbpalette ist in Orange, Gelb, Blau, Purpur, Bräunlichgrün und Weiß gehalten. Die Unterseite zeigt eine nackte Frau mit orangefarbenem Umhangtuch in den Händen vor einem himmelblauen Grund mit gelben Wolken (Fortuna?). // Der Teller diente einer Schale oder Terrine als Deckel und bildete mit ihr zusammen einen Teil eines sog. Wöchnerinnen-Geschirrs. Diese bestanden aus insgesamt fünf Teilen: einer Fußschale ("scodella") mit Deckel oder auch Servierteller ("tagliere"), einer kleineren Fußschale ("ongaresca") und einem Salzgefäß mit Deckel. Sämtliche Teile ließen sich stapeln. Solche Geschirre wurden zur Geburt eines Kindes als Geschenk der Wöchnerin überreicht. Anhand von Vergleichsbeispielen in anderen Sammlungen lässt sich die Form der verlorengegangenen Schale rekonstruieren: Es dürfte eine tiefe, napfartige Schale mit abgesetztem Fuß gewesen sein, auf dem sich das plastische Perlstab-Motiv des Oberteils wiederholte. Das Innere der Schale zeigte vermutlich ebenfalls eine häusliche Szene, die zur Bestimmung passte.  // Lit.: Tjark Hausmann: Majolika. Berlin 1972 (Bestandskatalog Kunstgewerbemuseum), Kat. Nr. 209; Jacqueline Marie Musacchio: The Art and Ritual of Childbirth in Renaissance Italy, New Haven, London, Nr. 150 // ClKa

Letzte Aktualisierung: 25.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa