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Bursenreliquiar

Ident. Nr.: 1888,632

ObjID: obj:889083

Details (Expert)

Datierung
Herstellung: 3. Viertel 8. Jahrhundert
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bursenreliquiar
Reliquiar in Bursenform aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford
Geografische Bezüge
Abmessungen
Objektmaß: 16 x 14 x 5,3 cm

Objektbeschreibung

Das Reliquiar in Gestalt einer Tasche (bursa) gehört zu den bedeutendsten Werken der Goldschmiedekunst, die sich aus dem frühen Mittelalter erhalten haben. An seiner Vorderseite sind zwölf Edelsteine, darunter vier antike Gemmen, so um einen perlenumkränzten Zentralstein gruppiert, dass sie ein doppeltes – orthogonales und diagonales – Kreuz ergeben. Die durch den Steinbesatz manifestierte christliche Kreuz- und Zahlensymbolik wird ergänzt durch Tier- und Pflanzendarstellungen in zehn, ursprünglich zwölf kleinen Feldern mit Goldzellenschmelz, die zu den frühesten Zeugnissen von westeuropäischem émail cloisonné zählen. Die stilisierten Vögel, Fische und Reptilien sollen im Kontext christlicher Heilssymbolik als Vertreter der belebten Schöpfung in der Luft, im Wasser und auf der Erde verstanden werden. Die Rückseite zeigt in zwei Reihen unter Arkaden in getriebenen Halbfigurenreliefs oben Christus zwischen Engeln und unten die Muttergottes mit den Aposteln Petrus und Paulus. An den Schmalseiten setzen sich die figürlichen Darstellungen mit Heiligen und Engeln fort. Die fünf gegossenen Löwen am First des Reliquiars, dem Verschlussbügel realer Bursen, werden als Wächter seines Inhaltes interpretiert, auch wenn sich der tatsächliche Zugang zu dem heute keine Reliquien mehr enthaltenden Inneren an der Unterseite befindet.
Wegen der Herkunft aus dem angeblich durch Widukind begründeten Engerer Stift hat man vermutet, das Bursenreliquiar wäre eine jener dona magnifica an Widukind, die Karl der Große (Reg. 768–814) nach dem Bericht der Annales Mosellani dem überwundenen Sachsenführer zu dessen erzwungener Taufe im Jahre 785 als Patengaben verehrte. LL

Letzte Aktualisierung: 16.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."