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Schaugefäß für Reliquien des hl. Jakobus d.Ä.

Ident. Nr.: 1937,23

ObjID: obj:889423

Details (Expert)

Datierung
Mitte 16. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 31,8 x 12,1 cm

Objektbeschreibung

Die Besonderheit dieses Ostensoriums ist die sekundäre Verwendung von zwei geschnittenen fatimidischen Bergkristallen – einer zylindrischen Vase und einer Schachfigur – als Schaugefäße. Während das untere Behältnis heute leer ist, enthält das obere einen Gewebeabschnitt sowie eine Pergamentcedula mit der Aufschrift "Jacobus maj."; die Reliquie selbst fehlt. Die vertikale Anordnung der beiden Steinschnitte bedingt die ungewöhnliche Form des von einer rundplastisch gegossenen Figur des hl. Jakobus d.Ä. im Pilgergewand bekrönten Reliquiars.
Die seitlichen Befestigungslaschen der beiden Bergkristalle sind mit vier aus gleicher Form gegossenen Zierappliken besetzt, deren in Drachenköpfen auslaufendes Groteskenwerk südniederländischer Prägung bereits ausgeprägte Rollwerkmotive zeigt und daher in die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert werden kann.
Lothar Lambacher

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa