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Rundscheibe mit Wappen des Augsburger Bischofs Heinrich von Lichtenau sowie vier Szenen der Herkulessage

Ident. Nr.: F 436

ObjID: obj:890907

Details (Expert)

Datierung
1510
Material / Technik
Glas, farblos, blau, rot; Schwarzlot, Silbergelb

Objektbeschreibung

Die Rundscheibe besteht aus einem zentral gesetzten Wappenschild, der tailliert ist und oben und unten ausgezogene Spitzen besitzt, sowie vier Passfeldern und Zwickeln dazwischen; vermutlich gehörte zum ursprünglichen Bestand noch ein umlaufender Streifen mit Blattornamenten und einer
Jahreszahl, wohl 1510, wie bei Inv. Nr. F 434 und einer weiteren Scheibe. Der Schild zeigt einen gelben Schrägbalken von rechts oben nach links unten auf rotem Schild, darüber ein blaues Schildhaupt, damit das Wappen der schwäbisch-bayrischen Adelsfamilie von Lichtenau, die 1728
erlosch. Die vier Passfelder (oben beginnend im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen vier Taten des Herkules, von denen drei dem antiken Dodekathlos angehören. Die chronologische Folge der Taten erstreckt sich über die Felder 4, 3 und 1, ergänzt um die nichtkanonische Tat auf Feld 2.
Auf Feld 4 hat der stehende Herkules ohne Waffen den unter ihm liegenden Nemeischen Löwen niedergerungen; die in die Mitte des Vordergrunds gerückte Szene findet entsprechend der antiken Überlieferung dieser ersten Tat in einem Gebirge statt. Auf Feld 3 schießt Herkules in der fünften Tat Pfeile auf zwei heran fliegende Stymphalische Vögel, die in ungewöhnlicher Weise als Harpyien mit Löwentatzen und Fischschwanz gebildet sind; der Blick geht von Hügeln und Büschen im Vordergrund über eine Wasserfläche zu einem Berg am Horizont. Auf Feld 1 hält Herkules in der zehnten Tat zwei Rinder an den Hörnern, um sie ihrem Besitzer, dem Riesen Geryoneus, zu rauben; die Szene findet in einer bergigen Landschaft statt, die vorne durch Bäume und Büsche gerahmt wird, so dass der Ausblick auf einen Berg samt Burg oder Stadt am Horizont freigegeben ist. Auf Feld 2 ringt Herkules mit Antaios und besiegt ihn, indem er ihn von der Erde hebt; die Landschaft wird von nicht genauer bezeichnetem Boden im Vordergrund sowie im Mittelgrund durch große Bäume links und hohe Felsen rechts gebildet.
Die Ikonographie der Scheibe ist aus zwei Gründen zu erklären: Die Herkulestaten gehören zum Sagenkreis um das Goldene Vlies, wie auch Maximilian I. als Hercules Germanicus verherrlicht wurde. Von letzterem zeugt ein in zwei Exemplaren erhaltener Einblattholzschnitt, der auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert wird. Eine besondere Nähe zwischen Maximilian I. als Herkules und Augsburg ergibt sich darüber hinaus aus zwei Schauspielen, die wenige Jahre vor dem Entstehen der Scheiben in der Reichsstadt für den Kaiser aufgeführt wurden: 1497 wurde Maximilian als Herkules am Scheideweg zwischen Tugend und Wollust in dem von Joseph Grünpeck stammenden Spiel „Virtus et fallacicaptrix“ dargestellt; 1509 übernahm der spätere Karl V., Maximilians Enkel, die Rolle des Herkules in dem Spiel „Virtus et voluptas“. In der Tradition dieser Gleichsetzung von Maximilian I. mit dem antiken Helden und dessen Darstellung ist auch Inv. Nr. F 436 zu sehen.
CVMA 98714

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

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Tablett in ovaler Form mit profiliertem Rand. Im Spiegel Kartusche mit Bandelwerk und Putten mit einer Kanone. Auf dem Rand vier kleine Kartuschen mit weiteren Puttendarstellungen. Pendent zum Tablett Inv. Nr. S 515, zugehörig die Pastetenbüchse Inv. Nr. S 516.Die Kanne zählt zum Bestand des so genannten Großen Silberbuffets, welches sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss befand. Dabei handelt es sich um neun monumentale, aus Kannen und Becken bestehende Gießgarnituren, acht Kettenflaschen, zwei Kühlkessel, zwei Pastetenbüchsen sowie ein großes Handfass mit zugehöriger Wanne. Insgesamt umfasst das Buffet heute noch 33 prachtvolle vergoldete Silbergefäße, die überwiegend zwischen 1695 und 1698 auf Bestellung des Kurfürsten Friedrich III. in Augsburg, dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst in Deutschland, hergestellt wurden.Das Ensemble war im Rittersaal des Berliner Schlosses als wandfester Teil der Innenarchitektur installiert: Während die Lavabogarnituren und die Kettenflaschen gegenüber dem Thron an der verspiegelten Wand angeordnet waren, standen die übrigen Gefäße in symmetrischer Anordnung auf einem Schanktisch davor. Das Große Silberbuffet war über Jahrhunderte gleichermaßen königliches Repräsentationsobjekt und Teil des brandenburgisch-preußischen Staatsschatzes. Von späteren Einschmelzungen blieb es auch deshalb nicht verschont. Der Schanktisch wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die erhaltenen Gefäße sind heute in der Dependance des Kunstgewerbemuseums in Schloss Köpenick in einer der ursprünglichen Anordnung angenäherten Rekonstruktion wieder aufgebaut. Die beiden Pastetenbüchsen Inv. Nr. S 514 und S 516 samt den zugehörigen Tabletts Inv. Nr. S 515 und S 517 gelangten vermutlich bereits 1745 als Ersatz für Einschmelzungen Friedrichs II. während des Zweiten Schlesischen Krieges auf den Schanktisch des Großen Silberbuffets. Sein stammten aus einer großen Bestellung von Silberarbeiten durch König Friedrich Wilhelm I., die 1733 aus Augsburg nach Berlin geliefert wurde. LL