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Christus als Weinstock der Erlösung

Ident. Nr.: K 2391

ObjID: obj:891154

Details (Expert)

Datierung
2. Drittel 15. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Ton, gebrannt
Abmessungen
Durchmesser: 13,8 cm
Durchmesser: 12,3 cm (Darstellung)

Objektbeschreibung

Derartige Tonmodel dienten vor allem der Herstellung von festtäglichem Backwerk, das zu kirchlichen Festen, Hochzeiten oder anderen besonderen Anlässen hergestellt wurde. Aber auch ihre Verwendung für die Anfertigung von Reliefs aus Papiermaché oder zur Glockenzier ist nachgewiesen, so findet sich diese wohl im zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts entstandene Darstellung des Weinstocks der Erlösung noch zwischen 1505 und 1520 auf verschiedenen Glocken des Erfurter Glockengießers Heinrich Ciegeler I. Schon 1477 fand die gleiche Form Verwendung für die Verzierung des Taufbeckens in Kleinschelken (Șeica Mică, Siebenbürgen, Rumänien) und noch 1593 benutzte sie der Husumer Gießer Melchior Lucas an einem Mörser, der sich im Historischen Museum Frankfurt befindet. Ursprungsform für die oft in zahlreichen Exemplaren vervielfältigten Backmodel aus gebranntem Ton waren zumeist Patrizen aus Speckstein oder Solnhofener Kalkstein (sog. "Kuchensteine").
Die Darstellung auf diesem Model zeigt Christus an einem Astkreuz, welchem Zweige mit Weinreben entspringen, zwischen denen die Köpfe der zwölf Apostel erscheinen. Darunter hackt Gottvater am Fuße des Kreuzes den Boden, hinter ihm erscheint ein Inschriftband mit folgendem Text: "pater umificat" (der Vater gräbt). Gegenüber begießt Maria den Kreuzesstamm aus einer Kanne mit Wasser, ebenfalls erläutert durch den Text eines Inschriftbandes: "maria fecund/at" (Maria befeuchtet). Das zweiteilige Inschriftband über dem Astkreuz erklärt den Sinn dieser christlichen Allegorie: "ego [sum]/ uitis vera" (Ich bin der wahre Weinstock, Joh 15,1) und "ego su[m] ui[tis]/ vos p[almites]" (Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, Joh 15,5). LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR