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Blauer Becher mit allegorischen Szenen in Emailmalerei

Ident. Nr.: K 399

ObjID: obj:892187

Details (Expert)

Datierung
Ende 15. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Venedig

Objektbeschreibung

"Es ist ein 11 cm hoher, tiefblauer Becher mit hohlem Fußring und leichtem Bodenstich. Oben zieht sich ringsherum eine feine Goldborte aus der die Worte SOLI DEO GLORIA LAUS ET ONOR ETC ausgespart sind. Den Körper schmückt nicht wie gewönlich eine geschlossene Dartsellung, sondern einzelne Szenen reihen sich ohne erkennbaren Zusammenhang aneinander: 1. Eine Frau, in der Rechten einen blutigen Krummsäbel, in der Linken ein bärtiges Männerhaupt tragend. Also zweifellos Judith. 2. Eine sitzende nackte Frau, die mit der Linken auf eine vor ihr kniende, nur mit leichtem Schleier bekleidete Frau weist, deren Arme auf dem Rücken gefesselt sind. Die sitzende Frau hält in der Rechten ein Spruchband: IRE AMANTIUM REINTEGRATIO AMORIS EST. Man mag die Gruppe auf Venus deuten, die eine erzürnte Liebende zurechtweist. 3. Zwei Reiter auf weißen Rossen, scheinbar in Kampf verstrickt. Die Szene undeutlich, weil der eine Pferdekopf die Figuren zum größten Teil verdeckt. Hinter ihnen eine Portikusarchitekrur mit großen halbrund geschlossenen Giebeln und zwei weißen Greifen auf den Ecken. Eine exakte Deutung dieser Szene ist unmöglich, jedenfalls soll der Kampf zweier Nebenbuhler dargestellt werden. 4. Eine kniende Frau, die eine Vase in den Händen hält, auf der Amor mit verbundenen Augen kniet, in der Rechten einen Pfeil, in der Linken ein Glas mit rötlicher Flüssigkeit (Liebestrank?) haltend. Davor kniet ein bärtiger Mann, die Hände flehend erhoben. Daß er der Macht Amors erlegen ist, beweisen die Worte des von dem drachenförmigen Hals der Vase ausgehenden Spruchbandes: SIC FATA IUBENT. Für diese Szene läßt sich eine Deutung vorschlagen: jedenfalls wird man in dem knienden Paar Jason und Medea zu suchen haben."
aus; R. Schmidt, Die venezianischen Emailgläser des 15. und 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch der Königlich-Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 32, Berlin, 1911
Das Glas wurde sehr wahrscheinlich während des II. Weltkrieges zerstört und gilt als verschollen.
MAKR



Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Versöhnungsszene aus einer Folge mit dem Exempel vom undankbaren Sohn

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Die Szene atmet Behaglichkeit, sie spielt in einem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer, dessen Mitte ein freundlich gedeckter Tisch einnimmt. Links davor steht die junge Hausfrau und heißt mit einladender Geste einen alten Mann willkommen, der soeben die Stube betreten hat. Herzlich empfängt ihn auch ihr Gatte, legt ihm den Arm um die Schultern und bittet ihn, auf dem mit Kissen gepolsterten Lehnstuhl am Kamin Platz zu nehmen. Sogar der kleine Sohn ist involviert und schiebt den Alten mit beiden Händchen zum Stuhl mit seiner mächtigen Rückenlehne. Die realistisch wiedergegebenen Details, das sorgfältig gebügelte Tischtuch, die fegende Magd links im Hintergrund, die über und neben dem Kamin verwahrten Gerätschaften zum Feuermachen am Kamin unterstreichen den Eindruck eines sauber und ordentlich geführten Haushalts.Eine Parallele für das Motiv ist nicht bekannt. Vergleichbar ist allerdings eine Scheibe aus dem Museum Heylshof in Worms, die, obzwar von anderer Hand ausgeführt, eine ähnliche Darstellung zeigt. Sie spielt in demselben Raum, und die Figuren sind, bis auf das Kind, die gleichen. Doch brennt nun im Kamin ein Feuer, und auf dem Tisch steht eine größere Mahlzeit. Dort hat das junge Paar einander gegenüber Platz genommen,während der alte Mann mit einem Teller in der Hand hinter der Frau steht. Eine mit dem Glasgemälde übereinstimmende Zeichnung befindetsich in der Sammlung Frits Lugt, Paris. Es wird angenommen, dass hier eine Geschichte zur Anschauung gebracht wurde, die als Exempel zur Illustration des vierten Gebots in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland in der volkstümlichen Literatur wie in Predigtsammlungen vor allem im späten Mittelalter verbreitet war und wohl auf gemeinsame mittellateinische Quellen zurückgeht. Sie schildert, wie der Vater dem Sohn sein ganzes Vermögen aushändigt, doch dann von ihm schlecht gehalten wird und nicht genug zu essen bekommt. Dessen eigener Sohn bittet nun eines Tages seinen Vater um ein Stück Holz; er folgt neugierig dem Kleinen und sieht, dass er einen Trog schnitzt. Auf seine Frage, für wen der Trog sei, antwortet er, der sei für ihn, wenn er alt sei, damit er dann wie der Großvater daraus essen könne. Schlagartig wird dem Sohn sein Unrecht bewusst, er bereut sein Verhalten, versöhnt sich mit dem Vater, behandelt ihn fortan gut und versorgt ihn reichlich. Um 1370/80 entstandene Wandmalereien aus dem Hause Glesch in Köln belegen, dass die Erzählung auch Gegenstand bildlicher Überlieferung war. Sie ist in fünf Abschnitte gegliedert, der erste zeigt eine Magd beim Kochen, der zweite ist zerstört, im dritten sieht man den kleinen Enkel vor dem Trog im Gespräch mit seinem Vater, im vierten bittet der Sohn den Großvater um Vergebung und im fünften ist die ganze Familie zum Versöhnungsmahl um einen reich gedeckten Tisch versammelt. Der Bildinhalt der letzten Szene ähnelt dem der Berliner Scheibe und macht es wahrscheinlich, dass auch hier die Versöhnung geschildert ist. Das Kabinettstück – zweifellos eines der schönsten der Sammlung – besticht durch seine hohe künstlerische Qualität. Figuren und Formen sind auf subtile Weise mit hauchfein abgestuften Lasuren aus Licht und Schatten modelliert, Konturen nicht einfach als dunkle Linien durchgezogen, sondern sensibel bis hin zu hellsten Tönen variiert, um so weitere Lichtreflexe zu setzen. Dank der minutiösen malerischen Technik wird die atmosphärische Qualität der Szene eingefangen und die Gestalten gelangen zu einer fast vollplastischen Wirkung. Motivische Analogien verbinden die Darstellung mit Werken des nach einer Folge von sechs großformatigen Rundbildern mit Szenen der alttestamentlichen Josephsgeschichte benannten Meisters der Josephsfolge, der von Rogier van der Weyden und Dirk Bouts beeinflusst, zwischen 1490 und 1505/10 in Brüssel und in den südlichen Niederlanden tätig war.CVMA 98768

Bauchiger Deckelpokal mit Fruchtgirlanden

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Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, schlierigem Glas, Abriss am Boden, ansteigender, getreppter Fuß mit einem Kranz aus Strahlenfacetten über vertieften Rundfacetten. Der angesetzte Schaft, schlank-konvex geformt und mit gestaffelten, stehenden Bogenfacetten versehen, geht nahtlos in die rund gebauchte Kuppa mit Eisboden über, dieser mit einem Kranz aus zwölf Luftblasen konzentrisch um eine zentrale eingestochene Luftblase dekoriert. Die Kuppawandung ist mit einer umlaufenden, detailreich geschnittenen Girlande aus Früchten verziert, die an Ringen hängt. Auf jedem Feston sitzt ein Tier: ein Bär, zwei Eichhörnchen und ein Adler. Die Pokal- sowie die Deckelmündung ziert ein blanker Perlfries, der hoch aufgebaute Deckelknauf orientiert sich am Schaftdekor. Am Fuß sind Merkmale der Glaskrankheit erkennbar.Robert Schmidt bildet den Kelch 1914 in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914 ab und beschreibt die Glasmasse bereits als "hell" mit "Haarrissen". Eine Reihe bauchiger Pokale gleicher Größe aus brandenburgischer Produktion - mit und ohne Vergoldung - ist überliefert (vgl. Klesse, Glassammlung Helfried Krug, 1965, Kat. 273; Berckenhagen, Berliner und Märkische Gläser, 1956, Kat. 23; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.1; 37.2). Sie werden übereinstimmend der Zechliner Glashütte zugeschrieben in die Zeit um 1740 und tragen meist jagdliche oder mythologische Szenen. Als Glasschneider wird Elias Rosbach oder jemand aus seinem Umkreis vermutet. [Verena Wasmuth]