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Maria mit Kind aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,370

ObjID: obj:892482

Details (Expert)

Datierung
um 1510
Abmessungen
Objektmaß: 69 x 22,9 x 18,8 cm (Höhe ohne Sockel 56 cm)
Gewicht: 4183 g

Objektbeschreibung

Figur getrieben, zweiteilig, innen überlappend. Die außen erkennbaren, nicht sehr sorgfältig verlöteten Nähte über die Faltengrate und den Kopf laufend. Kind, Hände der Maria und wohl auch die Birnenfrüchte gegossen. Hände mit Stiften gehalten, Kind und Zweig mit den Händen verlötet. Stein- und Perlenfassungen, damit auch der Kronenreif, durch Splinte befestigt. Einfassungen, Blumenranken der Krone und Nimbus des Kindes aus quergerieftem, Kronenabschluß aus tordiertem Draht. Figur mit zwei Schlaufen in den Sockel eingelassen und durch Keile befestigt. Krone, Haare von Maria und Kind, Erdkugel, Zweig, Kleid, Mantelborte und Kettchen vergoldet. Inkarnat, Mantelfutter (blau), Armelfutter (rot), Schuhsohle (rot) und Grassockel (grün) kalt bemalt, Blüten und Früchte mit Resten farbigen Lacks. – Sockel: Getreppte Teile, gesondert eingesetzte Wandung und Abdeckung getrieben. Maßwerkteile gegossen. Reliquienbehälter mit zwei Schlaufen eingesteckt. Z. T. vergoldet.
Maria, das Kind leicht auf der linken Hand tragend und mit spitzen Fingern der Rechten einen zierlichen, mit Blüten und Früchten besetzten Birnbaumzweig haltend, steht auf einem Grashügel. Ihr Körper ist s-förmig gebogen, das Antlitz mit zarter Neigung des Hauptes dem Kinde zugewandt, die linke Hüfte stützt den linken Arm, der rechte Arm ist an den Körper gepreßt. Während das Standbein verborgen ist, zeichnet sich das Knie des Spielbeins durch die Kleidung ab, und unter einem Mantelzipfel wird der halbgerundete, pantoffelartige Schuh sichtbar. Aus der Krone hervorquellend und lebhaft gewellt, fällt das Haar breit über den Rücken. Die ausladende Krone ist aus fünf gleichen, filigranen Blattelementen gebildet, die sich weit auffächern und in Ranken und fischblasenartigen Formen enden. Die dazwischen gesetzten Blüten sind oben mit farbigen Glassteinen und einer Perle in Fassungen verziert und durch einen horizontal umlaufenden, unten dagegen durch einen vielfach sich windenden Draht miteinander verbunden. Glassteine und Perlen schmücken auch den Kronreif. Angebracht an der Krone waren ehemals noch kleine zweiflügelige Gehänge, die bis auf ein Exemplar verloren gingen.
Das Kind, nackt und bis in anatomische Details naturalistisch gebildet –so sind Speckfalten und Nägel fein herausgearbeitet – sitzt aufrecht, die Beine sind angewinkelt und die Zehen des rechten Fußes in die Höhe gestreckt. Mit lebhafter Gestik, den gelockten, vom Heiligenschein umfangenen Kopf leicht geneigt und ein Lächeln andeutend, weist es mit der Rechten auf die vom Kreuz beherrschte Weltkugel in seiner Linken.
Die Gewandung Marias besteht aus einem Kleid, von dem nur die weiten Ärmel und der Bereich von Brust, Taille und Bauchansatz mit Gürtel und Schnalle sichtbar sind, und aus einem mit Borte und Glassteinen, Türkisen wie Perlen versehenen Mantel, eigentlich einem zweizipfligen Tuch. Zusammengehalten von zwei dünnen Kettchen, ist er in der Weise über die Schulter gelegt, daß er hinten und an den Seiten lange Röhrenfalten bildet und knitterig aufstaucht, vorn hingegen die Arme bedeckt, rechts sich leicht öffnet, gerade herabfällt und mit einem Zipfel neben dem Schuh aufstößt, während der größere, linksseitige Teil des Mantels, vom rechten Unterarm gehalten, in lockerer Drapierung herübergezogen und mit dem anderen Zipfel in die Höhe gehoben ist – ein straffes, aus der klaren ovalen Umrißform sich entwickelndes Liniengefüge, in das auch der Körper des Kindes und der Birnzweig einbezogen sind. Über dem rechten Arm trug Maria ehemals eine Korallenkette, einen Rosenkranz, der schon 1573 und später wiederholt erwähnt wird. Er ist noch erhalten.
Der achtseitige, eingezogene Sockel ist nach innen getreppt und mit Strebe- und Maßwerk verziert: gereihten Spitzbögen, profilierten und mit Krabben besetzten, auch kreisförmig gebogenen Fialen und Wasserspeiern in Tiergestalt. An der Vorderseite befindet sich ein schmales Reliquienkästchen, das unter dreigeteiltem Marienglas einen Pergamentstreifen mit folgender roter Beschriftung zeigt: "sancta katarina de scto vito de scto vincentio De sancto Stephano de sancto Anschario".

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Bauchiger Deckelpokal mit Fruchtgirlanden

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Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, schlierigem Glas, Abriss am Boden, ansteigender, getreppter Fuß mit einem Kranz aus Strahlenfacetten über vertieften Rundfacetten. Der angesetzte Schaft, schlank-konvex geformt und mit gestaffelten, stehenden Bogenfacetten versehen, geht nahtlos in die rund gebauchte Kuppa mit Eisboden über, dieser mit einem Kranz aus zwölf Luftblasen konzentrisch um eine zentrale eingestochene Luftblase dekoriert. Die Kuppawandung ist mit einer umlaufenden, detailreich geschnittenen Girlande aus Früchten verziert, die an Ringen hängt. Auf jedem Feston sitzt ein Tier: ein Bär, zwei Eichhörnchen und ein Adler. Die Pokal- sowie die Deckelmündung ziert ein blanker Perlfries, der hoch aufgebaute Deckelknauf orientiert sich am Schaftdekor. Am Fuß sind Merkmale der Glaskrankheit erkennbar.Robert Schmidt bildet den Kelch 1914 in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914 ab und beschreibt die Glasmasse bereits als "hell" mit "Haarrissen". Eine Reihe bauchiger Pokale gleicher Größe aus brandenburgischer Produktion - mit und ohne Vergoldung - ist überliefert (vgl. Klesse, Glassammlung Helfried Krug, 1965, Kat. 273; Berckenhagen, Berliner und Märkische Gläser, 1956, Kat. 23; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.1; 37.2). Sie werden übereinstimmend der Zechliner Glashütte zugeschrieben in die Zeit um 1740 und tragen meist jagdliche oder mythologische Szenen. Als Glasschneider wird Elias Rosbach oder jemand aus seinem Umkreis vermutet. [Verena Wasmuth]