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Schüssel mit Wappen des Königreichs Sizilien

Ident. Nr.: K 1682

ObjID: obj:896144

Details (Expert)

Datierung
um 1500
Abmessungen
Höhe: 8,8 cm
Durchmesser: 47,3 cm

Objektbeschreibung

Die Oberseite der Schüssel ist mit reichem Relief- und Lüsterdekor versehen: in der Mitte eine Aufwölbung (als Untersatz für eine nicht mehr erhaltene Kanne?) mit dem Wappen des Königreichs von Sizilien: geviertelter Schild mit zwei Adler- bzw. zwei Streifenfeldern. Auf dem Bord wechseln reliefierte Rippenmuster mit Noppen. Der gemalte Dekor besteht aus einer dichten Goldlüstermalerei: Felder mit engem Netzwerk und kleinteiligen Ranken wechseln einander ab. Auch die Rückseite ist mit einer Ornamentik aus Spiralranken mit gefiederten Blättern und in der Mitte einer Rosette in Goldlüster bemalt.
"Mit ihren goldglänzenden Ornamenten und dem plastischen Buckel- und Rippenmuster scheint die Schüssel aus Edelmetall gefertigt zu sein. Bei genauerem Hinsehen jedoch ist zu erkennen, dass es sich um glasierte Keramik, genauer um Majolika bzw. Fayence handelt. Technisch gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen Majolika und Fayence, doch verwendet man die Begriffe regional- und epochenspezifisch. Ihren Ursprung hat das Verfahren, bei dem eine poröse Irdenware mit einer weißen, zinnhaltigen Glasur überzogen und damit wasserdicht und bemalbar gemacht wird, im Alten Orient. Maurische Keramiker führten diese Technik im Zuge der arabischen Eroberung in Spanien ein. Über den Umschlagplatz Mallorca gelangten zinnglasierte spanische Keramiken bereits seit dem späten 13. Jahrhundert nach Italien und wurden hier als 'maiolica' bezeichnet. In der Folgezeit entstanden bedeutende Zentren der Majolikaproduktion in Italien, darunter in Faenza, und wurden wiederum nördlich der Alpen exportiert. So erklärt sich die Bezeichnung 'Fayence'. Für die spanischen und italienischen Geschirre der Renaissance spricht man von Majolika, während für die orientalischen wie auch für die nordeuropäischen zinnglasierten Keramiken der Begriff Fayence gebräuchlich ist.
Eine Spezialität der ostspanischen Majolika aus der Region um Valencia waren die schillernden Lüsterglasuren mit feinteiligen Rankenornamenten. Diese 'goldene Ware' erfreute sich in Europa großer Beliebtheit. In der Sammlung des Kunstgewerbemuseums haben sich spanische Lüsterkeramiken erhalten, deren Wappendekore auf Auftraggeber aus dem Burgund und aus Florenz (der Familie der Medici) hinweisen. Im Zentrum der hier abgebildeten Schüssel befindet sich ein Reliefmedaillon mit dem Wappen des vom spanischen Haus Aragon regierten Königreichs von Sizilien." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden/Berlin 2018, S. 79)

ClKa

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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